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Miroslav Klose Vom „Panzer“ zum „Kaiser“

 ·  Nationalstürmer Miroslav Klose von Lazio Rom schlägt in ganz Italien eine Begeisterung entgegen wie nie zuvor in seiner Karriere. Die Medien feiern ihn: „Immenser, ewiger, phantastischer Klose“.

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© dpa Vergrößern Zeigefinger nach oben: Der deutsche Nationalspieler zeigt in der Serie seine ganze Klasse

Wenn Miroslav Klose in Rom zum Essen geht, dann wählt er ein Lokal, von dessen Terrasse man einen atemraubenden Blick hat. In der Ferne glitzert das Meer, die Hügellandschaft der Castelli Romani ist im Dunst zu erahnen, und in einer Senke davor liegt die Stadt. Es ist ein Ort wie gemacht für den Genuss feinster Weine, aber Miroslav Klose bestellt Acqua naturale, stilles Wasser. Der Wirt begrüßt seinen verehrten Gast mit beidseitigem Wangenkuss, eine freundschaftliche Geste, die Klose zu Beginn seiner Zeit bei Lazio Rom noch mit teutonischer Steife quittierte. Doch Augenzeugen berichten, der Deutsche beuge seinen Rumpf beim Bruderkuss mit seinen römischen Verehrern inzwischen schon so elastisch wie beim Kopfball.

Klose verleiht Lazio Glanz

Miroslav Klose hat in Rom längst Kultstatus erreicht. Für die Fans von Lazio Rom, deren harter Kern als rechtsradikal gilt, deren breite Anhängerschaft aber seit hundert Jahren tief im römischen Bürgertum verwurzelt ist, hat Klose Züge einer messianischen Figur. Das liegt auch ein wenig an der Durchschnittlichkeit des restlichen Personals. Aus dem Lazio-Kollektiv stechen nur noch der Brasilianer Hernanes sowie Kapitän Stefano Mauri heraus - Letzterer aber vor allem wegen seiner Verwicklung in den Wettskandal. Es ist Klose, der der blassen Truppe des Reinigungsunternehmers und Vereinspräsidenten Claudio Lotito Glanz verleiht.

Vergangene Saison erzielte der Stürmer insgesamt 16 Treffer, in dieser Spielzeit sind es bereits zehn. Nur der junge Stephan El Shaarawy vom AC Mailand und Edinson Cavani vom SSC Neapel waren erfolgreicher. „Jeder dritte Schuss ist ein Treffer“, errechnete jüngst die Lokalpresse der Hafenstadt.

Wenn der 34 Jahre alte Klose im Februar mit Lazio Rom in der Zwischenrunde der Europa-League bei Borussia Mönchengladbach gastiert, werden die Zuschauer in Deutschland zwar den aus über 300 Bundesligaspielen und 126 Partien mit der Nationalelf bekannten scheuen Schlaks wiedererkennen. Immer noch erscheint er als der bescheiden auftretende Fußballarbeiter, der wenige Worte verliert und kaum zum Star taugt. Doch die Anerkennung, die Klose in Rom erfährt, bekam er in dieser Form noch nie in seiner Karriere. Nicht einmal zu seinen besten Zeiten bei Werder Bremen. Während Denkmäler wie Francesco Totti oder Daniele De Rossi vom Lokalrivalen AS Rom in fremden Stadien ausgepfiffen werden und sich üble Beschimpfungen anhören müssen, schwebt Klose in einer Seifenblase der Bewunderung durch die Stadien Italiens. Er ist auch für die Gegner unantastbar.

Für die Gegner unantastbar

Seinen entscheidenden Treffer zum 1:0-Heimsieg gegen Inter Mailand am vergangenen Wochenende bezeichnete sogar Inter-Trainer Andrea Stramacchioni als „Meisterwerk“. Der Treffer war sehenswert, ein typisches Klose-Manöver, bei dem er sich zwischen zwei Verteidigern davonschlich und im Fallen den Ball am Torwart vorbeischob. „Grandissimo“, großartig, finden ihn Anhänger anderer Vereine in Italien. Monatelang firmierte der Stürmer vor allem als „Panzer“ in der italienischen Fachliteratur, das römische Fußballblatt „Corriere dello Sport“ hat den Deutschen nun zum „Kaiser Klose“ erhoben. Auch der jubelnden Parteinahme eigentlich unverdächtige Medien wie der römische „Messaggero“ können sich nicht mehr zurückhalten: „Immenser, ewiger, phantastischer Klose“, jubelte die Tageszeitung nach dem Sieg gegen Inter. Die anfängliche Verwunderung über den so trockenen Deutschen ist bedingungsloser Bewunderung gewichen. Nicht einmal Rudi Völler wurde in seinen Jahren beim AS Rom so viel Begeisterung zuteil.

Dabei empfand nicht nur Klose den Beginn seiner Zeit in Rom im Sommer 2011 als Kulturschock, auch die Italiener wunderten sich über den so zielstrebigen, anständigen und wenig allürenhaften Deutschen. Inzwischen ist diese Attitüde Kloses Markenzeichen in Italien geworden. Ein per Hand erzielter Treffer im Spiel gegen den SSC Neapel, dessen Regelwidrigkeit Klose nur auf den Druck der gegnerischen Spieler hin zugab, war Anlass für eine Art Heiligsprechung durch die italienische Öffentlichkeit. Als der Vorgänger des aktuellen Trainers Vladimir Petkovic von den Fans angefeindet wurde, stifteten Kloses Tore vorübergehend sogar vereinsinternen Frieden. Um weiter an der Tabellenspitze zu bleiben, fordern die Tifosi von Präsident Lotito nun ähnliche Transferkunststücke wie im Sommer 2011. Im Grunde wollen sie nichts weniger als einen Klon von Klose.

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