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Miroslav Klose Plötzlich ein Rekord-Anwärter

07.09.2010 ·  Er steht immer etwas im Schatten. Dem einstigen „Torlos-Klose“ wird nun sogar zugetraut, Gerd Müllers Rekord anzugreifen. Am Dienstag (20.45 Uhr) könnte er sich gegen Aserbaidschan auf Rang zwei der DFB-Torjägerliste schießen.

Von Christian Kamp, Köln
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Selbst für einen, der so lange im Geschäft ist wie Miroslav Klose, muss es manchmal erstaunlich sein, wie schnell sich der Wind im Fußballgeschäft dreht. Noch Anfang Juni hatte er als Auslaufmodell gegolten. Als „Torlos-Klose“ wurde er verspottet, weil ihm seit acht Monaten kein Treffer mehr im Nationaltrikot gelungen war. Und vermutlich hätten ihm 99 von 100 Hobby-Bundestrainern in dieser Phase seine erfolglosen Minuten vorgerechnet und stattdessen dem formstarken Cacau das Vertrauen geschenkt. Joachim Löw aber hielt an Klose fest. Zwar schien auch Löw sich seiner Sache nicht ganz sicher zu sein, sonst hätte er Klose – den Spieler mit den meisten Länderspielen im Team – wohl zum Ersatzkapitän für den verletzten Michael Ballack bestimmt. Doch als es in Südafrika losging, war Klose von Beginn an voll im Geschäft.

Heute, eine WM mit vier Klose-Toren und ein Treffer in der EM-Qualifikation gegen Belgien (siehe: EM-Qualifikation: Auftaktsieg gegen Belgien dank Treffer von Klose) später, wird eine ganz andere Rechnung aufgemacht, die ihn in die Nähe einer historischen Bestmarke rückt: 53 Tore hat Klose nun geschossen, damit fehlen ihm noch 15 zum Rekord von Gerd Müller, der in seinen 62 Länderspielen 68 Mal traf. Der Zweite in der Statistik, Joachim Streich, der für die DDR 55 Mal erfolgreich war, ist schon an diesem Dienstag in Reichweite, falls das Kölner Spiel gegen Aserbaidschan zum erhofften Offensivfest werden sollte. Klose klang am Sonntag indes ziemlich geschäftsmäßig, als er auf die Partie blickte. „Am liebsten würde ich in jedem Spiel ein Tor schießen“, sagte er. „Aber wir haben uns schon im letzten Spiel gegen Aserbaidschan schwer getan.“

Klose ist kein Mann für große Sprüche in eigener Sache. Anzumerken ist es ihm aber schon, ob es gerade gut läuft oder nicht. Am Freitag klang nach anfänglicher Zurückhaltung doch noch so etwas wie Stolz durch: „Es ist schön, dass ich getroffen habe, und wenn wir 1:0 gewonnen haben, ist es umso schöner.“ Auch mit 32 Jahren ist Klose eben immer noch hungrig und ehrgeizig wie ein Talent mit 20. Diese besondere Eigenschaft hat ihn zum Evergreen unter den deutschen Stürmern werden lassen.

Comeback als Stärke

Von Krisen, groß oder klein, lässt er sich nicht aus dem Konzept bringen. Er macht einfach weiter, bis es mit dem Toreschießen wieder klappt. In seiner Bremer Zeit war er einmal über 1100 Minuten ohne Treffer – und fand zu alter Stärke zurück. Bei den Bayern erzielte er in der vergangenen Saison gerade einmal drei Ligatore, jetzt ist er wieder van Gaals Nummer eins. Und auch in der Nationalelf hat er mehr als nur eine schwere Phase hinter sich. Seine Stellung im Team aber war stets von großem Respekt der Kollegen geprägt. Klose, Mitglied des Mannschaftsrats, gilt als Teamplayer und Integrator, sein Wort hat Gewicht. In der vergangenen Woche sprach er sich überraschend deutlich für die Rückkehr Ballacks als Kapitän aus. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass Klose selbst gut weiß, dass Verletzungen erstens ein unberechenbares Übel sind und zweitens mit Willen und ein bisschen Geduld überwunden werden können.

Zwei Dinge sind es, die Klose mehr als andere Profis für sein Spiel braucht: Fitness und Selbstvertrauen. Physisch, das machte er in Brüssel deutlich, sieht er sich und das Team noch längst nicht bei 100 Prozent. „Wir brauchen noch drei, vier Wochen im Verein, um richtig fit zu werden“, sagte er. Und fügte in Bezug auf die eigene Form hinzu: „Ich fühle mich körperlich noch nicht top, da ist noch reichlich Luft nach oben.“ Für das Selbstvertrauen ist es immer gut, wenn man aus der einzigen Chance ein Tor macht – so wie am Freitag nach der vorbildlichen Vorarbeit seines Münchner Kollegen Thomas Müller.

Auch noch 2014 dabei?

Die EM 2012 in der Ukraine und seinem Geburtsland Polen ist ein besonders reizvolles Ziel für Klose. Das Turnier bedeute ihm „sehr viel“, sagt er. Etwas überraschend hat er zuletzt auch mit der WM 2014 in Brasilien geliebäugelt. „Ich bin erst 32, so alt ist das noch nicht“, sagte er. „Wenn ich in vier Jahren noch fit bin und meine Leistung stimmt, warum sollte ich dann nicht spielen?“ In Südafrika verdarb ihm eine Erkrankung vor dem Spiel um Platz drei die Chance auf Ronaldos WM-Bestmarke von 15 Toren.

Dass er das Versäumte in vier Jahren nachholen könnte, muss für ihn eine verlockende Vorstellung sein – zumal er bis dahin vermutlich in Müllersche Dimensionen vorgedrungen wäre. Man kann es allerdings auch anders sehen: Um die Konkurrenz auf dem deutschen Stürmermarkt wäre es wohl nicht allzu gut bestellt, wenn ein 36 Jahre alter Angreifer in Brasilien auf Rekordjagd ginge.

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