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Miroslav Klose Der zeitlose Stürmer

 ·  Miroslav Klose ist eine Art Klassiker im deutschen Fußball und als tadelloser und bescheidener Sportsmann bekannt. Das bringt dem Torjäger vor dem WM-Qualifikationsspiel heute Abend gegen Schweden (20.45 Uhr) wieder eine Auszeichnung ein.

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© dapd Einzigartig: Miroslav Klose tritt immer wieder in Erscheinung, wie man sich einen Profi in einem Imagespot für den Fußball vorstellt

Nach 125 Länderspielen und elf Jahren in der Nationalmannschaft hat man auch mal genug von all der künstlichen Aufregung, mit der sich der Fußball so gerne selbst versorgt. Miroslav Klose, der mit 34 Jahren und 65 Toren hochgeachtete Senior Executive der DFB-Auswahl, ist der Überdruss an medialen Spielchen am Montag auf der DFB-Pressekonferenz in Berlin jedenfalls gleich mehrmals anzusehen. Im Olympiastadion findet an diesem Dienstag das Länderspiel gegen den stärksten Gegner in der deutschen WM-Qualifikationsgruppe C statt (20.45 Uhr/ live in der ARD und im F.A.Z.-Liveticker), aber in der ersten Frage geht es nicht um das reale Duell gegen Schweden, sondern um eine möglichen Disput zwischen Klose und Uli Hoeneß. Der Bayern-Präsident hatte schon vor Wochenfrist ein paar flapsige Bemerkungen auch in Richtung Klose verbreitet. Die Medien haben fast eine Woche lang versucht, daraus einen Konflikt zu destillieren. Vergeblich.

Nun also der nächste Versuch. Aber die größte deutsche Stürmerfigur der jüngsten Vergangenheit hat überhaupt keine Lust, sich für ein solches Duell aufstellen zu lassen. Er zeigt seinen Unwillen darüber so deutlich, dass man ihn, und nicht Hoeneß, für eine Fußballfigur aus einer anderen Zeit halten könnte. „Es macht mich mittlerweile ein bisschen müde“, sagt Klose zu den wiederholten Versuchen der Konfliktförderung. Die Konfrontation aber fällt aus - selbstverständlich, kann man buchstäblich hinzufügen. Denn Miroslav Klose hat seine Rolle im deutschen Fußball längst gefunden: als tadelloser und bescheidener Sportsmann. Ein Klassiker, uraufgeführt von Fritz Walter, weitergetragen von Uwe Seeler und von Klose, dem zeitlosen Stürmer, in die heutige Zeit übersetzt.

„Wir müssen mehr machen, um wieder Vorbilder zu werden“

Kurz vor dem Anpfiff gegen Schweden wird er eine Medaille von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in die Hand gedrückt bekommen. Es wird nur die jüngste Anerkennung für das faire Verhalten eines Sportlers sein, der seit vielen Jahren immer wieder in Erscheinung tritt, wie man sich einen Profi in einem Imagespot für den Fußball vorstellt. In dieser Saison hatte Klose bei Lazio Rom den Führungstreffer gegen den SSC Neapel erzielt, doch dabei war seine Hand im Spiel. Es wäre die Führung für sein Team gewesen, die Neapolitaner protestierten, und als ihn der Schiedsrichter zu der Szene befragte, sagte Klose, was passiert war. Der Treffer wurde zurückgenommen. Ein Vorgang, den sich viele im Fußball weder in Italien noch in Deutschland nicht mehr vorstellen konnten. Klose sagte, dies sei für ihn „selbstverständlich“ gewesen, aber er sagte auch, dass es eben keine Selbstverständlichkeit mehr sei. „Wir haben eine Vorbildfunktion“, sagte Klose, vor allem für Kinder. „Aber das ging in den letzten Jahren so ein bisschen verloren. Wir müssen mehr machen, um wieder Vorbilder zu werden.“

Zur Frage jedoch, woran der Vorbildverlust liege, sagte Klose fußballaltersweise lieber nichts. Er antwortete stattdessen: „Wenn man dem Schiedsrichter etwas leichter machen kann, sollte man es auch tun.“ Auch die Fair-play-Auszeichnung ist für den ewigen Stürmer, der über Kaiserslautern, Bremen und München in der Ewigen Stadt vielleicht seine letzte Station im Profifußball gefunden hat, keine neue Sache. Klose hatte in der Bundesliga auch schon einmal die Wahrheit gesagt, als ihn der Schiedsrichter danach fragte. Das war vor sieben Jahren. Auch das galt als große Sache.

Kein Vergleich mit Gerd Müller

Klose ist im aktuellen Kader von Bundestrainer Joachim Löw mittlerweile der einzige Stürmer - und der einzige in den siebziger Jahren geborene Spieler. Die WM in Brasilien ist nun sein letztes großes Ziel, und wenn sich Klose nicht verletzt, wird der Bundestrainer ihn nicht daran hindern, seine vierte Weltmeisterschaft zu erleben. Die Partie gegen Schweden im Berliner Olympiastadion könnte schon ein entscheidender Schritt auf diesem Weg sein. Mit vier Siegen in vier Spielen würde nicht mehr viel schiefgehen bei der Qualifikation, glaubt Klose. Auf dem Weg nach Brasilien, davon ist Löw überzeugt, dürfte Klose schon mal eine erste historische Marke mitnehmen. Noch drei Tore fehlen ihm, um gegen Gerd Müller auszugleichen, dem Vater aller deutschen Torjäger. Ob er das in der WM-Qualifikation schafft? „Selbstverständlich“, sagt Löw.

Aber auch wenn Klose mal an Müller mit mehr als 68 Treffern vorbeiziehen sollte - er will sich auch dann in der deutschen „Hall of fame“ brav hinter der Münchner Torjäger-Legende einreihen. Er hat das schon mehrmals betont, aber für Hoeneß war auch das kein Grund, um vielen von Kloses Toren mit Hinweisen auf schwache Gegner zu „Törchen“ schrumpfen zu lassen. „Jeder Trainer kann froh sein, wenn er einen Miroslav Klose in der Mannschaft hat. Er ist ein absolutes Vorbild“, sagte der Bundestrainer in seiner Laudatio. Er erinnerte ganz nebenbei daran, dass Klose schon jetzt bei WM-Turnieren ganz weit vorne stehe. Der Bundestrainer gönnte Klose zwar ein Tor mehr als die Statistik (14) - aber ein einziger Treffer bei der WM 2014 genügt Klose, um zusammen mit Ronaldo auch in dieser Wertung die Nummer eins zu werden. An Löw soll auch diese Weltrekordjagd nicht scheitern, er werde Klose bis zur WM vertrauen, nur Verletzungen könnten einen Strich durch die Rechnung machen. „Er ist für unsere Spielweise sehr wichtig. Er bringt unser Spiel weiter“, sagte der Bundestrainer über den Torjäger vom Dauerdienst.

Mit Gerd Müller hat Klose längst über den Stellenwert des Stürmerstars aus den Siebzigern und dem Besten von heute gesprochen. Ergebnis: Klose hält Müller für „einzigartig“, er werde sich nie mit dem einstigen „Bomber der Nation“ vergleichen. Das hat er Müller sogar schon zweimal persönlich gesagt. Mit Ronaldo hat Klose allerdings noch nicht gesprochen. In Brasilien wird er das bestimmt nachholen.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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