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Miroslav Klose Bitterer Abgang nach einem vermeidbaren Fehltritt

19.06.2010 ·  Der frühe Platzverweis von Klose beim 0:1 gegen Serbien traf die deutsche Mannschaft hart, kam aber nicht überraschend. Der Schiedsrichter vertrat eine strenge Linie. Sogar aus Sicht von Löw war Klose selbst verantwortlich.

Von Michael AshelmPort Elizabeth
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Mit einem Rollkoffer in der Hand, den er hinter sich herzog, kam Miroslav Klose aus dem Kabinentrakt des Stadions. Die Abfahrt der deutschen Reisegesellschaft stand kurz bevor. Man hatte den Eindruck, Klose habe einen ganz normalen Arbeitstag hinter sich. Doch dieser Auftritt des erfahrenen Angreifers in Port Elizabeth hatte es in sich gehabt. Klose erlebte in der Stadt am Indischen Ozean einen der bittersten Momente seiner Karriere und sorgte damit nach der 0:1-Niederlage gegen Serbien für reichlich Gesprächsstoff.

Er selbst konnte immer noch nicht fassen, weshalb er nach dieser Gelb-Roten Karte in der 37. Minute so frühzeitig im zweiten Gruppenspiel vom Platz musste. „Ich bin todtraurig. Ich habe versucht, den Ball zu spielen. Es war kein böses Foul, der Schiedsrichter hätte mich auch noch mal ermahnen können, statt Gelb zu zeigen“, sagte der Stürmer und gab dem Vorfall einen größeren Rahmen: „Fußball ist ein Kampfsport, und dazu gehören nun mal Zweikämpfe.“

Wie nicht anders zu erwarten, fehlte Klose jegliches Verständnis für die Entscheidung des Unparteiischen aus Spanien. Aber alles Hadern nutzte nichts mehr: Er war draußen, nachdem ihn Schiedsrichter Alberto Undiano zwei Mal in der ersten Halbzeit verwarnt hatte und ihn den Regeln entsprechend ausschloss. So wurde die 37. Minute zum Schockerlebnis für die deutsche Elf, die so eindrucksvoll in das Turnier gestartet war und plötzlich bei steigendem Druck in Unterzahl von ihrer geplanten Linie abkam.

Zu allem Übel geriet die dezimierte Elf von Bundestrainer Joachim Löw kurz nach Kloses Abgang in Rückstand und verringerte im Spiel gegen die Serben ihre Chancen innerhalb weniger Momente. Die Enttäuschung stand am Ende nicht nur Klose im Gesicht. Mit gesenktem Kopf sah Vizekapitän Bastian Schweinsteiger in dem Schiedsrichter den Schuldigen für die Enttäuschung gegen Serbien. „So macht Fußball keinen Spaß, wenn man nicht mehr in Zweikämpfe gehen kann, ohne zu wissen, ob man vielleicht Gelb bekommt.“

Kleinliche Pfiffe und schnelle Karten von Undiano

Von Beginn an hatte Undiano aber gezeigt, dass er an diesem Tag nicht mit sich reden lassen wollte. Eigentlich keine schlechte Herangehensweise für einen Unparteiischen, doch dass den vielen kleinlichen Pfiffen auf beiden Seiten recht bald auch der schnelle Griff in die Brusttasche folgte, damit hatten die deutschen Spieler nicht gerechnet.

Klose, vom Bundestrainer wieder als einzige Spitze vor der Dreier-Mittelfeldreihe mit Özil, Podolski und Müller aufgeboten, schaute verwundert, als ihm der spanische Schiedsrichter gleich in der 12. Minute die erste Gelbe Karte vor die Nase hielt. Der Angreifer hatte beim Zurücklaufen den Serben Branislav Ivanovic leicht am Hinterfuß berührt, so dass dieser bei voller Geschwindigkeit die Balance verlor. Kloses Missgeschick sah nicht nach Absicht aus. doch der Unparteiische wertete den Kontakt wohl als sogenanntes „taktisches Foul“, welches aus seiner Sicht zum Ziel hatte, den serbischen Konter zu unterbinden.

Schiedsrichter bringt sich mit Karten in Zugzwang

Auch Sami Khedira hatte auf ähnliche Weise in der ersten Halbzeit eine Verwarnung erhalten. Die von der ersten Minute strenge Haltung Undianos führte für die mit Gelb vorbelasteten deutschen Spieler zu einem Problem. Jeder weitere Körperkontakt mit dem Gegner könnte schlimm enden und die eigene Mannschaft stark benachteiligen. Zugleich brachte sich der Schiedsrichter mit seinen Entscheidungen in Zugzwang, weiterhin seine harte Linie durchzuziehen.

Klose, der nach so langer Erfahrung im internationalen Fußball die Linie des Schiedsrichters nicht übersehen haben konnte, wollte gar nicht mehr hinschauen, als er in der 37. Minute zum zweiten Mal verwarnt wurde. Eine Attacke von der Seite auf die Beine des serbischen Kapitäns Dejan Stankovic am Mittelkreis, der mit Inter Mailand im Mai die Champions League im Finale gegen den FC Bayern gewonnen hatte, ahndete der Schiedsrichter seiner Linie entsprechend.

„Kein böses Foul, aber er hätte vorsichtiger sein müssen“

Sogar aus Sicht des Bundestrainers ist Klose selbst verantwortlich. „Das war kein böses Foul, aber er hätte vorsichtiger sein müssen“, sagte Löw zum traurigen Abgang des 32 Jahre alten WM-Oldies. Beim ersten Spiel der Deutschen in Durban gegen Australien war Klose noch so furios zurückgekommen und hatte mit einem wuchtigen Kopfball getroffen. Es war ein hoffnungsvolles Comeback für einen der besten WM-Torschützen, der sich beim Turnier vor vier Jahren in Deutschland als erfolgreichster Stürmer präsentiert hatte.

Wochenlang hatte sich zuletzt sein Aufbautraining hingezogen. Wegen seiner Reservistenrolle in München verlor er die für eine WM nötige Form. Doch Klose arbeitete in der Vorbereitung hart, mit nur einem Ziel, seine Gefährlichkeit vor dem gegnerischen Tor wieder unter Beweis zu stellen. Nun folgte seiner vielversprechenden Rückkehr einer seiner schwersten Momente.

Cacau: „Ich ärgere mich noch über die Fehlentscheidung“

Klose wird vom Internationalen Fußball-Verband für ein Spiel gesperrt werden und fehlt der jungen deutschen Elf somit im entscheidenden dritten Gruppenspiel am nächsten Mittwoch gegen Ghana (20.30 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker). Die Partie findet dann in Johannesburg statt. Seine Rolle in der Angriffsspitze könnte nun Cacau übernehmen, der zuletzt immer wieder für Klose eingewechselt worden war und auch beim Bundestrainer einen guten Eindruck hinterlassen hatte.

An seine große WM-Chance, womöglich von Beginn an für Deutschland stürmen zu können, wollte der Deutsch-Brasilianer am Freitag allerdings noch nicht denken. Stattdessen sprang er dem Kollegen bei: „Ich ärgere mich noch über die Fehlentscheidung. Es tut mir leid für Miro, außerdem wollten wir hier alles klar machen“, sagte der eingebürgerte Angreifer aus Stuttgart. Wer hätte nach den ersten Eindrücken vom vergangenen Sonntag nun mit einem solch niederschmetternden Resultat gerechnet. Klose ist erst einmal aus dem Spiel – ein Happyend ist aber auch für ihn immer noch möglich bei seiner dritten WM.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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