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Miroslav Klose Aller Verkrampfung entledigt

14.06.2010 ·  Miroslav Klose schießt sich aus der Krise und strahlt nach seinem Tor gegen Australien wie lange nicht mehr. Der Stürmer bleibt ein Mann für die große Bühne. Bundestrainer Joachim Löw hat Recht behalten.

Von Christian Eichler, Durban
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Da saß er auf dem Hosenboden und strahlte, wie man es lange nicht gesehen hatte. Es war kurz vor neun an einem milden Winterabend in Durban, wenige Meter vom Indischen Ozean entfernt, und Miroslav Klose hatte sich gerade mit dem 2:0 für Deutschland gegen Australien (das Spiel endete 4:0) all der Verkrampfung einer verkorksten Klubsaison entledigt. Früher hatte er seine Tore gern mit einem Vorwärtssalto gefeiert, dann aber zunehmend darauf verzichtet, um kein Verletzungsrisiko einzugehen. Stattdessen kam nun die triumphierende Faust und dann jene rätselhafte Geste, die Klose immer wieder zeigt: mit Daumen und Zeigefinger eine Null, mit den anderen Fingern eine Drei. Sollte es in Durban nun heißen: Vorbei mit der Nullnummer? Oder: Klose, der dritte Streich?

In jedem Fall sagte es aus, dass Klose der Mann für die große Bühne bleibt, für Weltmeisterschaften und besonders für deren Auftakt. Im ersten deutschen Spiel bei der WM 2002 (gegen Saudi-Arabien) traf er dreimal, bei der WM 2006 (gegen Costa Rica) zweimal - und er kam bei beiden Turnieren auf je fünf Tore. Und mit einem treffsicheren Klose spielte Deutschland stets bis zum Ende um den Titel mit.

Mit seinem Tor und der folgenden Leistung, bei der er mehrmals nur knapp seinen zweiten Treffer verpasste, gab der 32-jährige Stürmer Bundestrainer Joachim Löw recht, der trotz dessen miserabler Saison beim FC Bayern München mit nur drei Bundesligatoren an ihm festgehalten hatte - und das, obwohl zuletzt Cacau und Gomez deutlich mehr Torgefahr verbreitet hatten. Löw verließ sich aber auf Erfahrung und Trainingseindrücke. „Ich habe ein gutes Gefühl, dass er langsam in Form kommt und seine körperliche Frische findet. Dies ist für sein Spiel ganz wichtig“, hatte Löw vor einer Woche gesagt. Zuletzt fand Löw ihn „psychologisch im Aufwind. Es geht aufwärts. Ich merke, dass er diese Woche die Handbremse löst“.

Klose hat oft einen Hang zur negativen Körpersprache, zur lethargischen Gesamterscheinung, wenn es nicht läuft. So wirkte er in einem deutschen Team, das von Beginn an vor Spielfreude und Selbstvertrauen strotzte, zunächst wie ein Fremdkörper – was kein Wunder war, denn Klose war der einzige in der deutschen Elf, der in seinem Klubteam in dieser Saison keinen Stammplatz hatte.

Die Befreiung gelingt in der 26. Minute

Nach sieben Minuten verdarb er eine gute Gelegenheit, als er seinen Schuss unplaziert direkt auf Torwart Mark Schwarzer abgab. Kurz danach stand er im Abseits, doch der Ball kam zum Glück nicht zu ihm, sondern zu Thomas Müller, der seinen Rückpass hinter Klose hindurch perfekt auf Lukas Podolski brachte, die perfekte Vorlage zum 1:0 - es war ein Treffer, bei dem die einzige deutsche Spitze wie zuletzt fast gewohnt wieder nur Statist war. So lief das gute deutsche Spiel zunächst weiter an Klose vorbei, bis zur 24. Minute, als Podolski von links eine glänzende flache Hereingabe brachte, präzise auf den Fuß von Klose – und der drückte den Ball aus zentraler Position völlig freistehend hoch am Tor vorbei. Auf der Bank schlug sich Löw die Hände vors Gesicht.

Mit dem Fuß ging es einfach nicht. So gab Klose ein Zeichen, wie es gehen musste. Als Philipp Lahm halbrechts an den Ball kam, tippte Klose sich gegen den Kopf. Der kleine Kapitän sah es offenbar und schlug seine Flanke mit perfekter Flugkurve an den Fünfmeterraum. Klose brachte die Stirn einen Augenblick vor der Hand von Schwarzer an den Ball - und hörte im nächsten Moment das erlösende Geräusch, mit dem die satt getroffene Kugel das Netz ausbeulte. Es war das 2:0 in der 26. Minute, es war das 49. Tor von Miroslav Klose im 97. Spiel für Deutschland, und es war wie eine Befreiung, auch auf der Bank.

Fast jeder deutsche Spieler strahlt Torgefahr aus

Nur zwei Minuten später war Klose schon wieder so selbstbewusst, mit einem feinen Direktpass Özil freizuspielen, der nur knapp den Treffer zum 3:0 verpasste. Den besorgte später, als Deutschland das Spiel längst fest im Griff hatte, Müller Mitte der zweiten Halbzeit, und da wechselte Löw Klose aus und gab ihm eine lange Umarmung. Kaum saß Klose auf der Bank, traf auch sein Ersatz Cacau. Fast jeder Spieler strahlt Torgefahr aus in diesem deutschen Team – das tun nun auch wieder alle seine Torjäger.

Unter den deutschen Stürmern hat Miroslav Klose mit seinem elften Treffer bei einer WM Jürgen Klinsmann eingeholt, nur Gerd Müller hat noch mehr, vierzehn. Gewiss ist Klose nicht mehr in der Form des Jahres 2006, als er 25 Tore in 26 Bundesligaspielen erzielte, WM-Torschützenkönig wurde und auch noch „Fußballer des Jahres“. Das wird er nun wohl nicht mehr, aber vielleicht eine Neuentdeckung: als Mann der Stunde.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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