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Mesut Özil Vertrauen ist alles

 ·  Lange buhlte der türkische Fußball-Verband um Mesut Özil. Nun wurde der Bremer erstmals für die deutsche Nationalelf nominiert. Auf Schalke als „Schnösil“ und „Gierig-Profi“ bezeichnet, findet Özil bei Werder derzeit die nötige Nestwärme.

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Was für ein Ärger. Mesut Özil erlebt gerade die wichtigsten Tage seiner Karriere, aber er fühlt sich nicht wohl. Özil ist erkältet, er hüstelt, als er im Presseraum des Bremer Weserstadions erklärt, dass er künftig für die deutsche Nationalmannschaft spielen wird und nicht für die türkische (siehe auch: Nationalelf: Löw verzichtet auf Podolski - Özil und Beck als Neulinge ). Özil sitzt rund 30 Journalisten gegenüber, er blickt in ein Dutzend Kameras, und das behagt ihm noch weniger als seine Erkältung.

Er ist erst 20 Jahre alt, aber er hat schon einige schlechte Erfahrungen gemacht mit Medien. Er wirft ihnen vor, dass sie von ihm ein Bild zeichnen, das nicht der Realität entspricht. „Schnösil“ wurde er schon genannt, weil sich die Entscheidung für ein Nationalteam über Monate hinzog. Vor einem Jahr war er der „Gierig-Profi“, der seinen Vertrag bei Schalke 04 auf einmal nicht verlängern wollte.

Özil trägt keines dieser Etiketten zu Recht. Er ist ein zurückhaltender, eher harmoniebedürftiger Typ, und wenn es manchmal aufgesetzt klingt, was er in ein Mikrofon sagt, dann steckt da vor allem die Angst dahinter, wieder etwas Falsches zu sagen. Natürlich hat Özil sich im Streit mit Schalke 04 nicht klug verhalten. Natürlich hätte er seine längst gefällte Entscheidung für die deutsche Nationalmannschaft nicht noch einmal in Frage zu stellen brauchen.

Aber das hatte nichts mit Raffgier oder Überheblichkeit zu tun, sondern lag höchstens an der falschen Beratung. Sein Umfeld hatte ihm damals auch dazu geraten, auf stur zu schalten und das Schalker Angebot nicht anzunehmen. Aber selbst das verrät, was Özil am meisten sucht und braucht: Vertrauen und ein vertrautes Umfeld. Sein engster Berater ist sein Vater.

Nach seinem Wechsel nach Bremen ist es mit Özil steil bergauf gegangen. Er wurde erst Stammspieler und jetzt Nationalspieler, und wenn man ihn fragt, woran das liegt, dann sagt er: „Hier gibt mir jeder Rückendeckung: der Verein, die Mannschaft und die Fans.“ Özil ist eng mit Aaron Hunt befreundet, mit anderen Teamkollegen wie Boenisch und Pizarro geht er fast jeden Tag im selben Restaurant in der Nähe des Stadions essen.

Der Aspekt der Vertrautheit gab auch den Ausschlag für die deutsche Nationalelf: Özil ist in Gelsenkirchen geboren, er spricht besser Deutsch als Türkisch. „In der Türkei sind meine Wurzeln“, sagt er, „aber ich habe alle deutschen Jugendteams durchlaufen. Ich war dort immer glücklich.“ Am Freitag sprach er noch einmal mit Bundestrainer Joachim Löw, am Montag empfing ihn DFB-Präsident Theo Zwanziger. Das war für Özil Vertrauensbeweis genug. Der türkische Nationalcoach Fatih Terim hat sich nie persönlich gemeldet (siehe auch: Mesut Özil: Unentschlossen zwischen den Fußball-Kulturen).

Özils Eltern sind in der Türkei geboren, aber sie tragen seine Entscheidung mit. „Sie haben es mir selbst überlassen“, sagt er. Am Samstag sieht er sie wieder, dann spielt er mit Werder bei Schalke (15.30 Uhr / Live bei Premiere und im FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker). Es ist ein wichtiges Spiel gegen den alten Klub, wer es verliert, kann seine hohen Saisonziele begraben. Özil sagt einen typischen Özil-Satz dazu: „Schalke hat viel Potential, aber wir halten dagegen.“ Damit tut er niemandem weh.

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