02.07.2010 · Deutschlands Spielmacher Mesut Özil und Argentiniens Star Lionel Messi prägen ihre Teams. Nun treffen sie im WM-Viertelfinale aufeinander. In Argentinien ist der Vergleich mit Messi aber fast ein Fall von Majestätsbeleidigung.
Von Michael Horeni, PretoriaEs ist noch nicht lange her, dass Matthias Sammer ein dreifaches „Hipphipphurra“ auf die alten deutschen Fußball-Tugenden anstimmte. Es war im Frühjahr dieser Saison, als der FC Barcelona den VfB Stuttgart in der Champions League spielend leicht auseinander nahm, und mittendrin in diesem Wirbel, dem Khedira und Kollegen im Mittelfeld nicht gewachsen waren, brillierte Lionel Messi, der beste Fußballer der Welt.
Der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes aber plusterte sich am Spielfeldrand auf, als wäre er persönlich beleidigt über diese Niederlage. Das Spiel der Stuttgarter nannte er „Kindergarten-Fußball“. Das war verächtlich gemeint, und inhaltlich bedeutete es, dass man dieser zauberhaften Mannschaft um Lionel Messi nur hätte beikommen können, wenn man wie früher mal ordentlich dazwischen gehauen hätte. Zur Not muss es eben mit Gewalt gehen, glaubte Sammer, aber Treten und Schlagen ist im Kindergarten ja bekanntlich verboten.
Vor dem Viertelfinale der Weltmeisterschaft, wenn am Samstag in Kapstadt (16.00 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) wieder ein deutscher Fußball-Kindergarten gegen Messi und Co. antritt, ist es jedoch ziemlich erfreulich, dass der Bundestrainer auch in dieser Sache nicht auf den Sportdirektor hören wird. Dem argentinischen Wunderkind begegnet Joachim Löw viel lieber mit einem deutschen Wunderkind: Mesut Özil, den die Mitspieler auf dem Platz schon mal Messi nennen. Jetzt bekommt er es mit dem Original zu tun.
Horst Hrubesch ist zuletzt sogar so weit gegangen, den 21 Jahre alten Mittelfeldspieler aus Bremen direkt mit dem 23 Jahre alten Superstar aus Barcelona gleichzusetzen. „Unser Messi ist Özil”, sagte der Europameistermacher der U 21 und bezeichnete Özil ebenfalls als „Jahrhunderttalent“. Aber für den Bundestrainer ist das dann doch ein bisschen zu viel des Guten. „Im technischen Bereich ist Mesut sicher ein überragendes Talent“, sagt Löw, „aber um konstant in der Weltspitze zu sein, muss er noch einiges dazulernen.“
„Sie sind die Ferraris, die Besten ihrer Epoche“
In Argentinien ist es schon ein Fall von Majestätsbeleidigung, falls man es wagt, einen andern Spieler dieser Generation mit Messi auf eine Stufe zu stellen. Der einzige Maßstab, den man für den Superstar des Nationalteams und der WM für akzeptabel hält, ist der eigene Trainer. Wer in Argentinien nicht als Fußball-Banause erscheinen will, darf nur Maradona mit Messi vergleichen - und Messi nur mit Maradona.
Der Konditionstrainer der Südamerikaner, Fernando Signorini, der Maradona nach Verletzungen und Drogensucht wieder auf die Beine half und die aktuellen Nationalspieler neben der Fitness auch noch mit Literatur versorgt, formulierte in der „Süddeutschen Zeitung“ das Messi-Maradona-Dogma des Landes: „Sie sind die Ferraris, die Besten ihrer Epoche. Es gibt viele Elendige, die die Atmosphäre prägen. Zu viele Leute wollen ihren eigenen Ruhm begründen, indem sie von den Messis und Maradonas zehren. Kurzum: Lio ist ein phantastischer, wunderbarer Spieler aus einer anderen Galaxie. Wenn man so egoistisch und unsensibel ist, dass man nicht bereit ist, die Wunder zu genießen, die der Mann vollbringen kann, der die Nummer 10 der argentinischen Nationalelf trägt, fällt mir auch nichts mehr ein.“
„Messi war in den letzten Jahren kaltschnäuziger im Abschluss“
Mit seinen 1,69 Metern ist Messi seinem Trainer anatomisch und spielerisch tatsächlich viel ähnlicher als dem um elf Zentimeter größeren, kreativsten deutschen Mittelfeldspieler. Er dribbelt „sehr schnell, von hinten und von der Seite nach vorne“, sagt Özil über den Star aus Argentinien, der den Ball bei höchstem Tempo ganz eng am Fuß führt und immer wieder Tritte einstecken muss, weil die Gegner wissen und fürchten, dass eine einzige von Messi zum Abschluss gebrachte Aktion die Entscheidung bedeuten kann. „Es ist sicher auch so, dass Messi in den letzten Jahren kaltschnäuziger im Abschluss war“, sagt Löw zur großen Stärke des Argentiniers, viele Spiele schon im spektakulären Alleingang entschieden zu haben. Özil dagegen hat sich auch bei der WM viele Chancen erspielt, aber verschludert.
Die Treffsicherheit Messis gilt weit stärker für seine Auftritte beim FC Barcelona, wo Trainer Guardiola und Ballverteiler Iniesta viel besser um seine Stärken wissen als seine argentinischen Landsleute. Bei der Weltmeisterschaft warten das Land als auch Messi selbst nach vier Spielen weiter sehnsüchtig auf seinen ersten Treffer. Doch die Diskrepanz zwischen seinen katalanischen und argentinischen Auftritten ist mittlerweile deutlich geringer als in der Vergangenheit. Argentinien versteht Messi immer besser, gegen Deutschland soll sich das endlich auch in Toren zeigen.
„Man kann ihn nur durch das Kollektiv stoppen“
„Messi spielt jetzt schon seit drei, vier Jahren national auf dem höchsten Niveau. Er hat schon viele Titel gewonnen. Er sucht Eins-gegen-eins-Situationen und schafft mit seiner Dribbelstärke Raum für andere Spieler“, sagt Löw vor dem Duell im Viertelfinale. Von diesem Freiraum haben in Südafrika vor allem die beiden Stürmer Higuain und Tevez profitiert, und so geht es für den Bundestrainer vor allem darum, den Einfluss Messis einzugrenzen, aber dafür gleichzeitig an anderer Stelle so wenig Spielraum wie möglich preiszugeben.
„Man kann ihn nur durch das Kollektiv stoppen“, sagt Khedira nach den Erfahrungen aus der Champions League. Es geht darum, Messi nicht hohes Tempo aufnehmen zu lassen, ihn vom Ball abzuschirmen und die Passwege zu blockieren - viel leichter gesagt als getan, aber in der Champions League hat das Inter Mailand, wie Löw nicht entgangen ist, im Halbfinale ohne Nebenwirkungen exzellent bewerkstelligt.
„Mesut lebt nicht von der Dribbelstärke wie Messi“
Das deutsche Spiel ist weniger abhängig von Özil als Argentinien von Messi. Aber ohne Özil verschwindet eine ständige Anspielstation, die den Ball mit Ruhe, Übersicht und Intuition ganz einfach an die nächstbeste Stelle befördert. „Mesut hat die Gabe, die ganz einfachen Dinge perfekt zu beherrschen und Pässe mit dem richtigen Timing in die Tiefe zu spielen. Er hat auch ein ausgezeichnetes Orientierungsvermögen, um andere genial einzusetzen“, sagt der Bundestrainer. Özil selbst sieht sich mehr in der Position des Spielmachers, von der aus er seine, wie er sagt, „tödlichen Pässe“ spielen kann.
Auch seine Fernschüsse wie beim 1:0 gegen Ghana hält er für eine seiner großen Stärken, aber auch die Fähigkeit zum Tempodribbling. Aber da drosselt ihn der Bundestrainer lieber ein bisschen mit Blick auf das Gemeinschaftswerk. „Mesut lebt nicht von der Dribbelstärke wie Messi, sondern vom Kombinationsspiel“, sagt der Bundestrainer. „Er ist in diesem Kombinationsspiel ein ganz wichtiger Faktor für uns, weil er die Dinge zu Ende bringt.“ Und wie er vor dem Duell gegen Messi und Argentinien gerne hinzufügt: zu einem guten Ende.
Maradonna, Messi , Zico & co
Ya Guza (yaguza)
- 02.07.2010, 15:13 Uhr
Porsche!
Detlef Stark (wool-web)
- 02.07.2010, 15:33 Uhr
Auf dem Boden bleiben...
A. Loha (aloha77)
- 02.07.2010, 15:48 Uhr
Wunderkind Özil
Udo Herrmann (udo123454321)
- 02.07.2010, 15:50 Uhr
Spät erkannt
Thomas Seifert (Thomas_Seifert)
- 02.07.2010, 16:16 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |