27.07.2010 · DFB-Sportdirektor Sammer und Nationalelf-Manager Bierhoff sind sich nicht immer einig. Im FAZ.NET-Interview spricht Sammer über sein Fehlen bei der WM, seine Bundestrainer-Ambitionen und einen neuen Fußballlehrer-Lehrgang für ehemalige Nationalspieler.
Präsident Theo Zwanziger spricht von Amtsmüdigkeit, Sportdirektor Matthias Sammer und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff sind nicht nur einmal unterschiedlicher Ansicht - beim Deutschen Fußball-Bund herrscht keine Ruhe, auch wenn Bundestrainer Joachim Löw seinen Vertrag bis 2012 verlängerte. Im FAZ.NET-Interview spricht Sammer über sein Verhältnis zu Löw und die Sehnsucht nach dem nächsten Titel.
Präsident Zwanziger ist amtsmüde. Hoffen Sie, dass er weitermacht?
Der Präsident muss für sich selbst seine Gefühle hinterfragen und prüfen, ob er die innere Bereitschaft spürt, für weitere drei Jahre zu kandidieren. Als Sportdirektor kann ich nur sagen, dass ich hoffe, dass Theo Zwanziger weitermacht.
In einem Interview sagte der DFB-Präsident, dass es ihn belastet, den Feuerwehrmann zu spielen, auch in der Beziehung zwischen Ihnen und Nationalmannschaftsmanager Bierhoff. Können Sie Zwanziger beruhigen, auf diesem Feld künftig weniger Arbeit zu haben?
Die Regelung bezüglich der U 21 zugunsten der Gesamtverantwortung des Sportdirektors im sportlichen und administrativen Bereich hat klare Strukturen geschaffen. Theo Zwanziger wird es in dieser Beziehung sicher leichter haben.
Waren die Streitigkeiten mit Bierhoff rein sachlicher Natur, oder ging es ins Persönliche?
Das Persönliche sollte man im Interesse des DFB zurücknehmen. Man muss sich nicht immer gut verstehen, um etwas zu erreichen. Ich habe mich mit Oliver Bierhoff häufiger gerieben, aber am Ende des Tages hat der DFB davon profitiert. Wir werden auch weiter nicht immer einer Meinung sein, aber ich sehe die Sache gelassener, und wir haben stets das gleiche Ziel: Wir wollen mit unserem Team erfolgreich sein.
Wird der Kompromiss die Kommunikation zwischen Ihnen und der Führung der Nationalmannschaft erleichtern?
Ich sehe in der Entscheidung keinen Kompromiss: Die Zuständigkeit ist geregelt worden. Es gibt jetzt eine klare Verantwortlichkeit für die personellen, inhaltlichen und organisatorischen Entscheidungen der U 21. Da einige U-21-Spieler zum Kader der A-Mannschaft gehören, ergibt sich weiterhin ein ganz, ganz enger Austausch. Wir werden uns ständig mit Bundestrainer Löw beraten, wobei es keinen Zweifel gibt, dass das A-Team absolute Priorität genießt.
Am 11. August wird die Zusammenarbeit schon mal einer Prüfung unterzogen. Die A-Nationalmannschaft hat ein wenig geliebtes Testländerspiel gegen Dänemark, bei dem WM-Spieler nach Möglichkeit geschont werden sollen, die U 21 ein wichtiges Qualifikationsspiel gegen Island, das unbedingt gewonnen werden muss. Werden jetzt U-21-Spieler die A-Mannschaft auffüllen oder junge A-Nationalspieler in der U 21 eingesetzt?
Darüber werden wir noch sprechen, Joachim Löw hat noch ein paar Tage Urlaub. Ich habe mir Gedanken gemacht, will aber unseren Gesprächen nicht vorgreifen. Nochmals: Das A-Team genießt Priorität, aber für den deutschen Fußball ist es auch wichtig, dass die U 21 als Titelverteidiger eine gute Mannschaft aufbietet und die Chance wahrnimmt, gegen Island zu gewinnen. Wir müssen gemeinsam die bestmögliche Lösung für den DFB finden, nicht für einzelne Positionen oder Personen.
Dann wird man einiges für die Zusammenarbeit ablesen können, je nachdem, wie die Kader zusammengestellt sein werden.
Das ist kleingeistig gedacht. Der Trainer ist für die Tagesarbeit die wichtigste Instanz, er hat immer das letzte Wort bei der Nominierung und Aufstellung. Der Sportdirektor hat die Aufgabe, Perspektiven aufzuzeigen. Ich sehe da gar keine Probleme. Wir haben doch schon 2009 gesehen, als bei der U-21-Europameisterschaft alle aus dem A-Kader spielten, die das Team stark gemacht haben, dass wir gut harmonieren und uns in wichtigen Fragen problemlos verständigen können. Man braucht kein Spannungsfeld aufzubauen, wo kein Spannungsfeld ist.
Haben Sie die gleiche Auffassung von Fußball wie der Bundestrainer? Ticken Sie wie Löw?
Erstens glaube ich, dass der DFB sehr stark von der Art und Weise profitiert, wie Jogi Löw seine Aufgabe ausfüllt. Der Bundestrainer hat eine klare Philosophie und eine klare Vorstellung davon, wie er die Mannschaft führt. Zweitens erkenne ich schon auch Unterschiede zwischen ihm und meiner Person. Diese Unterschiede sind aber auch für den DFB sehr wertvoll, wie ich meine. Der Verband profitiert nicht nur in diesem Fall von der Unterschiedlichkeit von Personen. Die jeweiligen Unterschiede dürfen nur nicht als Schwäche des anderen definiert oder ausgelegt werden. Dazu sind allein schon die Aufgabenfelder von Bundestrainer und Sportdirektor zu verschieden. Wichtig ist, dass wir in puncto Siegermentalität und Spielphilosophie auf einer Welle funken und somit die gleiche Basis haben. Bei mir liegt das an meiner persönlichen Entwicklung. Ich gehörte zur Mannschaft, die 1996 den letzten Titel für das deutsche A-Team bei der EM in England gewonnen hat. Ich weiß, wie sich das anfühlt, und erkenne auch eine gewisse Sehnsucht im Verband nach einem weiteren Titel.
Die Nationalmannschaft hat in Südafrika begeistert. Die Leistung wird Löw und mit Abstrichen Hrubesch zugeschrieben, nicht Ihnen. Ist der Posten des Sportdirektors undankbar?
Für mich ist es völlig unwichtig, was gedacht, geschrieben oder gesagt wird. Oder ob der Erfolg der A-Mannschaft, der U 21, der U 19 oder der U 17 als das Ergebnis einer einzelnen Person angesehen wird oder ob mir ein Anteil daran zugeschrieben wird. Schon als Spieler habe ich zuallererst an die Mannschaft gedacht. Das ist heute auch noch so - mir geht es um das Ganze. Als Sportdirektor ist es wichtig, in allen Phasen des Erfolges und Misserfolges eine Linie zu haben. Meine Linie ist es, dass es für die erfolgreiche Entwicklung des deutschen Fußballs - in der Nationalmannschaft und in den Klubs - keine Alternative zu einer starken kontinuierlichen Nachwuchsförderung gibt. Dafür schaffe ich mit meiner strategischen Planung und der Arbeit des gesamten Umfelds die Voraussetzung. Die Trainer Löw, Hrubesch (Europameister mit der U 21 und U 19) und Pezzaiuoli (Europameister mit der U 17) haben diese Voraussetzungen mit ihrer eigenen Handschrift versehen und eindrucksvolle Erfolge gefeiert, wofür sie höchste Anerkennung verdienen. Ich weiß, wie wichtig die Arbeit des einzelnen Trainers ist, und werde das immer richtig einschätzen.
Wir geben zu, wir hätten der Nationalmannschaft die großartige Leistung in Südafrika nicht zugetraut und waren von Hrubeschs überschwänglichen Aussagen nach dem 4:0 über Australien überrascht, der sofort vom Titel sprach. Haben Sie gewusst oder geahnt, welches fußballerische Nitroglyzerin Löw in Händen hat?
Fußballerisch war ich zu 100 Prozent von der Mannschaft überzeugt. Aber ich wusste nicht, wie stabil die jungen Spieler im mentalen Bereich sein würden, da sind junge Leute ja Schwankungen unterworfen. Doch da haben die Führungsspieler wie Schweinsteiger und Lahm unter der Vorgabe des Bundestrainers Hervorragendes geleistet, so dass sich die Jungen orientieren konnten. Was ich mit viel Freude vernommen habe, waren die übereinstimmenden Aussagen so unterschiedlicher Charaktere wie Özil, Khedira, Marin, Boateng oder Neuer: Wenn wir bei der WM sind, wollen wir auch den Titel gewinnen.
Sie waren als DFB-Sportdirektor nicht einen Tag bei der WM. Warum?
Das lag an der ungeklärten Vertragssituation von Joachim Löw und seinem Stab. Das führte auch zu vielen Spekulationen um meine Person. Ich betrachtete es als meine Verantwortung, mich völlig zurückzunehmen. Denn eine junge Mannschaft kann, solange die vertragliche Position des Bundestrainers nicht geklärt ist, keine Unruhe gebrauchen. Und durch meinen Besuch wären von außen automatisch wieder Spekulationen geschürt worden. So erfüllte ich meine eigentliche Aufgabe in meinem Kerngeschäft, habe die Finalspiele um die deutsche A- und B-Jugendmeisterschaft besucht und langfristige Arbeiten erledigt.
Sie sprachen es selbst an: Für die Öffentlichkeit waren Sie der neue Bundestrainer, wenn Löw nicht verlängert hätte. Hatte die Öffentlichkeit recht mit der Spekulation?
Die Öffentlichkeit hat jedes Recht zu spekulieren. Aber die Realität sieht oft anders aus. In den Gedankengängen von Dr. Zwanziger und Wolfgang Niersbach war das kein Thema. Und auch meine Botschaft war klar und eindeutig: Ich bin gerne Sportdirektor. Ich bin ein Mensch, der übertragene Aufgaben abschließt. Und meine Arbeit als Sportdirektor sehe ich noch nicht als abgeschlossen an. Das wissen der Präsident und der Generalsekretär.
Dann werden Sie nie Bundestrainer, als Sportdirektor gibt es immer etwas zu tun.
Es gibt schon Entwicklungsstufen und Abschnitte. Ich sehe noch mindestens drei große Herausforderungen für mich. Die Fitnesstrainer zum Beispiel werden immer wichtiger. Im Spitzenfußball, aber auch im Nachwuchsbereich. Der Verband sollte eine sportartspezifische Ausbildung entwickeln. Genauso bei den Torwarttrainern. Jörg Daniel erarbeitet gerade ein Konzept. Natürlich wird dabei auch Andreas Köpke eine Rolle spielen. Und dann bin ich mit Oliver Bierhoff einer Meinung, dass wir irgendwann ein Leistungszentrum benötigen. Außerdem plädiere ich dafür, dass wir ehemalige Spieler wie Stefan Effenberg, Oliver Kahn, Mehmet Scholl, Jens Lehmann und Bernd Schneider für den Fußball gewinnen müssen. Als Trainer oder auf eine andere Art. Deshalb überlege ich, ob wir wieder einen Fußballlehrer-Lehrgang für ehemalige Nationalspieler anbieten, bei dem diesmal allerdings nichts zeitlich abgekürzt werden sollte.
Wie sehen Sie sich und Ihre Karriere, welche Ziele haben Sie noch?
Ich denke nicht so sehr über mich nach, eher über den Verband und wie wir uns aufstellen müssen, um weiter erfolgreich zu sein. Für mich ist es befriedigend, dass selbst solche Persönlichkeiten wie Uli Hoeneß erkannt haben, dass unsere Nachwuchsarbeit alternativlos für die Entwicklung der Spieler ist. Mit der Liga und den Leistungszentren möchte ich weiter eng und zielstrebig zusammenarbeiten, dass sich etwas Gutes entwickelt. Und ich wäre sehr froh, wenn wir wieder mal mit der Nationalmannschaft oder einem Klub einen Titel gewinnen würden. Gottlieb Daimler hat gesagt: „Das Beste oder nichts“. Und Adi Dasslers Motto war: „Strebe nach Perfektion.“ Das charakterisiert mich ein bisschen und spiegelt manchmal gewisse Verhaltensweisen von mir wider, die nicht immer alle verstehen können.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |