Home
http://www.faz.net/-gtm-79lsd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Mario Gomez Die loyale Teilzeitkraft

Auf Mario Gomez ist Verlass: Er schießt beständig seine Tore und verbreitet keine Unruhe, wenn er auf der Bank sitzt. Denn im Kurzpasskunstwerk ist nur noch selten Platz für ihn. An Angeboten mangelt es nicht.

© REUTERS Vergrößern Weiß mit Druck umzugehen: Mario Gomez schultert Arjen Robben

Wie der Matchwinner führte sich Mario Gomez nicht auf. Als seine Mannschaftskollegen in der Bayern-Fankurve des Berliner Olympiastadions den 3:2-Pokalsieg über den VfB Stuttgart ausgelassen feierten, zu dem er mit seinen Treffern zum 2:0- und 3:0-Zwischenstand einen wesentlichen Beitrag geleistet hatte, da stand er mit einem Bierglas in der Hand 30, 40 Meter entfernt auf dem Spielfeld, neben den Ersatzspielern.

Mehr zum Thema

Peter Heß Folgen:  

Erst als die Siegermannschaft nach einigen Minuten mit Trainer Jupp Heynckes begann, eine Polonaise zu bilden, ging der Torjäger gemessenen Schrittes auf die Gruppe zu und fügte sich als Letzter in die Reihe. Und auch auf dem Festbankett spät in der Nacht hielt Gomez ein wenig Abstand, betrat die Örtlichkeit ein paar Sekunden nach den Mitspielern.

Die Szenen beschreiben die Gesamtsituation des Mario Gomez in der Bayern-Gemeinschaft. Einerseits ist der 26 Jahre alte Stürmer mit seinen Toren ein wichtiger Bestandteil. 19 Tore in den 32 Begegnungen der drei Triple-Wettbewerbe klingen zwar nicht außergewöhnlich gut. Dennoch spielte kein Bundesligaprofi effektiver als er, weil Gomez sein Berufsleben in dieser Saison als Teilzeitkraft bestreitet.

„Killer werden immer gebraucht“

Nur in sechs Partien erlebte er sowohl den Anpfiff als auch den Abpfiff auf dem Spielfeld. So kommt die herausragende Quote von 79 Minuten für ein Tor heraus. Schon die Erfolgsbilanz zeigt, dass der Deutsche mit spanischen Wurzeln nicht richtig dazu gehörte. Als Gomez nach einer langen Verletzungspause zum Saisonstart wieder fit wurde, setzte ihn Heynckes nur dann ein, wenn er meinte, dass sein Stürmer Nummer 1, Mandzukic, eine Pause benötigte.

Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© F.A.Z., Impire AG Vergrößern FAZ.NET-Torvideo: Gomez drückt ihn rein

Für einen Profi mit den Ansprüchen und dem Selbstverständnis eines Mario Gomez ein schwer zu ertragender Zustand. Doch der Nationalspieler, der auch bei Bundestrainer Joachim Löw keine Stammplatzgarantie hat, ließ sich nicht hängen. In den ersten Wochen nach seiner Verletzung, als er noch nicht erwarten musste, den erfolgreichen Mandzukic nicht wieder verdrängen zu können, setzte er sich in Interviews noch launig mit seiner Situation auseinander.

In der vergangenen Saison habe er immer gespielt und keinen Titel geholt, da würde er gerne Joker bleiben, wenn dabei der Champions-Leage-Titel herausspringen würde, sagte er. In dieser Phase betonte der Stürmer auch, dass er sich um seine Zukunft keine Sorgen mache: „Killer werden immer gebraucht.“

Seit einigen Wochen spricht Gomez so gut wie nicht mehr mit den Medien. Was sollte er auch sagen? Dass er unzufrieden ist, wäre die Wahrheit gewesen, hätte aber vielleicht Unruhe in die Mannschaft gebracht und ihn zum Egoisten gestempelt. Aber Gomez ist kein Egoist und auch kein Lügner. Es blieb ihm nichts übrig als zu schweigen und innerlich ein bisschen auf Distanz zu den Bayern zu gehen.

Bayern Munich's Gomez scores a goal against VfB Stuttgart's goalkeeper Ulreich during their German soccer cup (DFB Pokal) final match at the Olympic Stadium in Berlin © REUTERS Vergrößern Zur rechten Zeit am rechten Platz: Gomez mit dem 2:0

Dass er an seiner Lage in München zu knabbern hat, ließ er über seinen Berater Uli Ferber im April kommunizieren: „Natürlich ist Mario nicht glücklich über die Situation. Und es ist auch klar, dass das kein Dauerzustand sein kann. Mario verhält sich absolut sauber, ist loyal und immer bereit. Er hätte es verdient, wenn der Trainer auf ihn setzt“, sagte Ferber damals.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Miserabler Bundesliga-Start Der Bayern-Schreck

Die Stimmung beim FC Bayern München ist angespannt. Da gibt es keine Ausreden, es muss einfach mehr von uns kommen, sagt Abwehrspieler Jerome Boateng. Der HSV hingegen glaubt wieder an sich - dank Trainer Josef Zinnbauer. Mehr

21.09.2014, 10:29 Uhr | Sport
Hätte mir gewünscht, dass Gomez fit gewesen wäre

Stürmer Mario Gomez steht nicht im deutschen Aufgebot für die Fußball-WM in Brasilien. Das sagte Bundestrainer Joachim Löw am Donnerstag bei der Bekanntgabe seines vorläufigen Kaders für die Fußball-WM. Mehr

08.05.2014, 14:34 Uhr | Sport
Matthias Sammer im Interview Hoeneß’ Geist bleibt bei uns

Bayerns Sport-Vorstand Matthias Sammer denkt bei seinen Entscheidungen an den ehemaligen Präsidenten des Vereins. Das sagte er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Und er verteidigt Mario Götze gegen Kritik. Mehr

27.09.2014, 16:38 Uhr | Sport
Der noch größere Verein als Bayern

Mit dem FC Bayern hat er alles gewonnen, jetzt freut sich Fußball-Weltmeister Toni Kroos über seine neue Aufgabe bei Real Madrid. Mehr

17.07.2014, 22:06 Uhr | Sport
Bayern besiegen Paderborn An die Wand gespielt

Feinkost in Maßen: Der deutsche Meister fügt dem SC Paderborn beim 4:0 nicht nur die erste Niederlage in der Bundesliga zu, sondern löst den Aufsteiger auch als Tabellenführer ab. Und das trotz angezogener Handbremse. Mehr Von Christian Eichler, München

23.09.2014, 21:56 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 02.06.2013, 17:23 Uhr

Kein Staats-Geld für Steuer

Von Anno Hecker

Die Eislauf-Trainerkarriere des ehemaligen Stasi-Spitzels Ingo Steuer ist gefährdet. Wer im Fall Ingo Steuer von einem Berufsverbot für den Eislauftrainer spricht, verkennt die Realität. Mehr