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Veröffentlicht: 22.11.2012, 13:27 Uhr

Mario Götze Der deutsche Lionel Messi

Die schwarz-gelbe Offensivkraft deutet auf einen goldenen Frühling in der Champions League hin. Das 4:1 in Amsterdam ist vor allem die Gala des Mario Götze. Nur Dortmunds Trainer Jürgen Klopp wollte es mit dem Einzellob nicht übertreiben.

von , Amsterdam
© dpa Zwei, die sich verstehen: Marco Reus und Mario Götze

Die Amsterdamer waren gewarnt. In Windeseile hatte sich ein Videoclip vom Abschlusstraining der Dortmunder Borussen in ihrer Arena verbreitet - mit Mario Götze in der Hauptrolle als Zauberkünstler ohne Ball. Der war gerade nicht in der Nähe, als das 20 Jahre alte Wunderkind des deutschen Fußballs ein Kaugummi ausspuckte, es viermal auf seinem rechten Fuß tanzen ließ, ehe er es mit einem Kick durch die Luft wirbelte und mit dem Mund wieder auffing. Guten Appetit!

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Tags darauf schienen die Abwehrspieler von Ajax Amsterdam von Panikattacken geschüttelt, wenn dieser 1,76 Meter große Wirbelwind auf sie zustürmte und seine Gegenspieler auf atemraubende Weise zu ignorieren schien. Götze war am Mittwoch die kleine Majestät in einem königlichen Spiel des deutschen Meisters, in dem sich der BVB als Gruppenerster schon am vorletzten Spieltag der Gruppe D für das Achtelfinale der Champions League qualifizierte.

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Der 4:1-Triumph in der Amsterdam-Arena beflügelte die Phantasie, denn die schwarz-gelbe Wirklichkeit dieses Herbstes deutet auf einen womöglich goldenen Frühling, in dem die Borussia international weitere Glanzlichter setzen kann. Wohin die Westfalen ihr schwindelerregender Aufstieg auf die europäischen Fußballgipfel noch führen wird, bleibt abzuwarten.

Alles ist jedenfalls möglich für dieses Perpetuum mobile des Meistertrainers Jürgen Klopp. Auch wegen Mario Götze, der gegen Ajax drei Treffer, erzielt von Reus (8. Minute) und Lewandowski (41./67.) mit zielstrebiger Eleganz vorbereitete, und das 2:0 nach einem seiner spektakulären Sololäufe selbst erzielte (36.). Das eine Törchen für Ajax durch Hoesen (86.) nahm er von der Bank aus, auf die er in der 70. Minute unter donnerndem Applaus von rund 5000 Dortmunder Fans wechselte, en passant zur Kenntnis.

Dortmunder Offensivkraft: Lewandowski, Reus und Götze Dortmunder Offensivkraft: Lewandowski, Reus und Götze © dpa Bilderstrecke 

Der Abend, an dem der achtmalige deutsche Meister in seiner Gruppe selbst von Real Madrid nicht mehr eingeholt werden konnte, geschweige von Ajax oder Manchester City, spiegelte eine Ensemble-Leistung de luxe, bleibt aber auch als Gala des deutschen Lionel Messi in der Erinnerung.

Wie der aus dem Allgäu stammende Fußballästhet an seinen Gegenspielern vorbeirauschte, wie er seinen Freund Reus und den geschätzten Kollegen Lewandowski in die allerbeste Torschussposition brachte, wie er selbst mit seinen Rasenslalomläufen auf Touren kam und zum Vollstrecker wurde, das kam der Magie des argentinischen Traumkickers schon sehr nah, zumal Messi wie Götze ihre Auftritte noch immer mit einer Unschuldsmiene absolvieren, als könnten sie kein Wässerchen trüben.

„Mario spielt auf einem unglaublichen Niveau“

Klopp wollte es an einem Tag, da alle Schwarz-Gelben eine kleine europäische Reifeprüfung nach zwei europäischen Lehrjahren summa cum laude bestanden hatten, mit dem Einzellob nicht übertreiben und sagte über seinen Überflieger nur so viel: „Mario hat außergewöhnlich gespielt - seinen Fähigkeiten entsprechend.“ Sportdirektor Michael Zorc wirkte da schon schwärmerischer: „Mario spielt auf einem unglaublichen Niveau, fast in jedem Spiel. Mit zwanzig Jahren ist das überragend.“

Das Dortmunder Kronjuwel selbst reihte sich in die Schar der glücklichen Borussen ein und beschrieb die positive Grundstimmung innerhalb seiner Mannschaft angesichts der Konkurrenz in dieser Gruppe mit dem deutschen, dem spanischen, dem englischen und dem holländischen Meister so: „Wir hatten immer Lust auf Fußball und haben uns auf jeden Gegner gefreut. Ich selbst bin einfach froh, dass ich (nach einer ihn lange quälenden Schambeinentzündung) wieder gesund bin und mich sehr fit fühle.“

Die Borussia mischt in Europa wieder mit

Nun, da er seine Widersacher wieder jugendfrisch austrickst, mischt die Borussia, wenn schon nicht die Bundesliga, so doch zumindest Europa auf. Mit dem 4:1 in der Amsterdam-Arena erzielte sie ihren höchsten Auswärtssieg in der „Königsklasse“, gewann im vierzehnten Versuch als erste deutsche Mannschaft in einem europäischen Wettbewerb bei Ajax und qualifizierte sich erstmals wieder seit 2003 für die K.o.-Runde dieser Elitekonkurrenz.

Klopp hatte allen Grund, von „einem großen Moment, den man nicht kleiner machen muss als er ist“, zu sprechen. Borussia Dortmund hat aufgepasst im letzten Jahr, als dem Team der Europapokal-Lohn für all den Aufwand versagt blieb.

Schwarz und Gelb sind begehrt - so wie 1997

Innenverteidiger Mats Hummels nannte am Mittwoch zwei Gründe für den unübersehbaren Fortschritt seiner Mannschaft: „Erstens: die Effektivität. Wir haben im Vorjahr doppelt so viele Chancen wie jetzt gehabt und weit weniger Tore geschossen. Zweitens: die Defensive. Wir haben in der vergangenen Saison Tore hergeschenkt, in dieser Spielzeit nicht mehr.“

Die Borussia hat ihre Lektion beispielhaft gelernt. Einige Ajax-Profis schienen am Mittwoch sogar stolz darauf, sich nach dem Schlusspfiff das Trikot des deutschen Meisters überstreifen zu können. Die Farben Schwarz und Gelb sind derzeit begehrt in Europa - so wie 1997, als Borussia Dortmund als erster deutscher Klub die Champions League gewann.

Quelle: FAZ.NET

 

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