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Mario Balotelli Inter Mailands Feind im eigenen Lager

 ·  Mario Balotelli will der beste Fußballer der Welt werden. Doch zur WM darf er nicht. Auch bei Inter Mailand ist der dunkelhäutige Stürmer in Ungnade gefallen. Balotelli wird in Italien zum Maßstab, wie das Land mit Rassismus umgeht.

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Er ist dunkelhäutig - und er ist Italiener. In diesem Land jedoch ist das zuweilen ein Widerspruch. „Es gibt keine italienischen Neger!“, schallt es Mario Balotelli immer wieder von den Rängen der maroden Stadien entgegen. Der Neunzehnjährige von Inter Mailand ist einer der talentiertesten Stürmer Italiens, er ist der erste farbige Fußballstar in einem Land, dass einst ethnisch vollkommen homogen war.

Und doch gab es für viele kaum eine schlimmere Vorstellung, als dass ihn Nationaltrainer Marcelo Lippi für die Weltmeisterschaft in Südafrika nominieren würde. Also verzichtete er darauf, obwohl es eine große Geste gewesen wäre. Sie hätte symbolisiert: Die Hautfarbe ist egal, nur die Leistung zählt.

Wann genau Balotelli in der Öffentlichkeit in Ungnade gefallen ist, kann inzwischen niemand mehr genau sagen. Ihren Höhepunkt erlebte die Entwicklung Anfang Mai im Pokal-Endspiel von Inter gegen den AS Rom. Mit voller Wucht trat Francesco Totti gegen die rechte Wade von Balotelli und musste mit Rot vom Platz.

„Ciao, Super-Mario. Du existiert für uns nicht mehr.“

Schon zwei Wochen zuvor war er im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona von den eigenen Fans beschimpft und ausgepfiffen worden. Verärgert warf Balotelli nach Spielende sein Trikot auf den Boden, wurde danach in der Tiefgarage von einigen Ultras überfallen. Einen Tag später erklärten sie: „Ciao, Super-Mario. Wir haben dich ausgepfiffen, weil du in deiner typischen Arroganz über den Platz getrabt bist, während zehn unserer Spieler Blut gespuckt haben. Du existiert für uns nicht mehr.“

Einige sehen Balotelli als Provokateur, der sich auf dem Platz oft genug nur allzu theatralisch fallen lässt und mit aufreizender Lässigkeit unterwegs ist. Auch Trainer José Mourinho hat ihn schon wiederholt aus der ersten Mannschaft verbannt, weil die Trainingsleistungen von Balotelli nicht seinen Ansprüchen genügten und er den Angreifer zudem für allzu undiszipliniert hielt. Wegen abfälliger Gesten gegenüber den Anhängern wurde Balotelli auch vom Sportgericht schon zu Geldstrafen verurteilt.

„Es ist eine Schande, dass die Leute mehr auf mich böse sind als auf die Leute, die mich permanent beschimpfen“, sagt er. Inzwischen würde er am liebsten gar nicht mehr auffallen, selbst nach Toren traut er sich kaum noch zu jubeln. Als Profi eines Vereins, der das Weltoffene quasi im Namen trägt: Internazionale Mailand. Dort ist Balotelli derzeit einer von nur fünf Italienern im Kader.

„Ich will einmal der beste Spieler der Welt werden“

Er hat die Frisur eines Kriegers, stellt seine Haare über dem Scheitel nach oben. Auch sein Spiel auf dem Platz erinnert an einen Kämpfer. Balotelli ist schnell und wendig, vor allem aber arbeitet er viel mit seinem beeindruckenden Körper: 1,89 Meter ist er groß, wiegt 85 Kilogramm. „Ich will einmal der beste Spieler der Welt werden“, sagt Balotelli. Die „Gazetta dello Sport“ taufte ihn einst „Super-Mario“, und es klang, als sei er einer von ihnen. Balotelli wurde als Sohn ghanaischer Einwanderer 1990 in Palermo geboren, wuchs jedoch bei einer Pflegefamilie in Brescia auf und spricht norditalienischen Dialekt.

Mit fünf begann er, Fußball zu spielen, mit vierzehn lud ihn Barcelonas Talentschmiede La Masia ein; die Spanier verpflichteten ihn nur deshalb nicht, weil sie keinen Streit mit dem italienischen Verband wollten. Mit fünfzehn debütierte Balotelli für AC Lumezzane in der dritten Liga. Knapp zwei Jahre später folgte der Wechsel zu Inter Mailand. Am 12. August 2008 bekam er die italienische Staatsbürgerschaft. „Ich fühle mich als Italiener“, sagt er selbst. „Sono Italiano.“ Aber das wollen die Anhänger auf den Tribünen gar nicht mehr hören.

Längst ist das Schicksal dieses jungen Mannes zu einer Probe für ein ganzes Land geworden. „Es tut mir leid für Balotelli, er sollte in Ruhe gelassen werden und einfach nur Fußball spielen“, sagt der Journalist Antonio Stella, der für den „Corriere della Sera“ schreibt. „Aber er ist zu einem Symbol für die kulturelle Veränderung in Italien geworden und der Maßstab, inwieweit uns der Wandel gelingt.“

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