28.10.2007 · Marcell Jansen spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über gute Erziehung unter Fußballprofis, den gar nicht so glamourösen FC Bayern und die Nacktfotos seiner Freundin.
Er ist das „Babyface“ des Millionen-Ensembles: Marcell Jansen, 21 Jahre alt, jüngster Neuzugang des FC Bayern und zuletzt ein wenig im Schatten der Megastars Toni, Klose, Ribéry. Sein blasser Teint, seine gewellten Haare, die er mit einem Band zusammenhält, lassen den Verteidiger sogar noch ein bisschen jünger erscheinen. Aber Jansen, der zwölf Millionen Euro Ablöse gekostet hat, ist auf dem Fußballplatz alles andere als harmlos und unscheinbar.
Alle reden über Toni, Ribéry, Klose, kaum einer über den Jungstar der Nationalmannschaft und des FC Bayern: Sind Sie genervt?
Nee! Das kann man überhaupt nicht vergleichen. Das sind internationale Topstars, Weltmeister, Vizeweltmeister, Superspieler. Und es wird ja auch so viel über sie geredet, weil das noch dazu Supertypen sind. Wenn die jetzt überheblich wären, dann weiß ich nicht, ob dann noch so positiv über sie berichtet würde. Luca lacht immer, Franck ist für jeden Spaß zu haben, die gehen nicht mit gehobener Nase durch die Kabine. Also ganz im Gegenteil. Ich freue mich darüber, erlebe die drei aus nächster Nähe und habe als Abwehrspieler sowieso eine ganz andere Aufgabe. Ich bin also weder genervt, noch bedrückt mich das.
Überheblich ist ein gutes Stichwort. Sie scheinen nämlich alles andere als das zu sein. Nach dem Training tragen Sie sogar die Wasserflaschen der Kollegen vom Platz. Das machen normalerweise die jungen Ersatzspieler.
So bin ich halt. Ich erzähle Ihnen ein anderes Beispiel: Gerade eben wieder in der Küche bei uns im Spielertrakt, da hat der Miro ein gebrauchtes Glas in die Spülmaschine gestellt und nicht irgendwo stehenlassen. Und Miro ist Torschützenkönig der WM. Ich durfte mal bei einer WM teilnehmen, bin noch auf dem Weg, etwas zu gewinnen. Und meinem Alter entsprechend gehört das dann erst recht dazu, wenn es auch ein Miro Klose macht. So was bekommst du vom Elternhaus mit. Ich bin mir nie zu schade für was.
Das klingt so normal. Und wir denken seit Jahrzehnten, der FC Bayern ist Glamour, ist der FC Hollywood und so . . .
Ich weiß ja nicht, was hier Glamour sein soll. Ein überschaubares, schönes Trainingsgelände; die Spieler unterschreiben nach jedem Training, machen Fotos mit den Fans. Wir haben jetzt auch keine Riesenkatakomben da unten, sitzen alle in einer gemütlichen Küche zusammen, essen, trinken und quatschen. Das war ja selbst in Gladbach alles größer. Und ich finde es jetzt nicht schlimm, wenn sich einer mal gut kleidet. Oder mal in die Disco geht.
Bayern München ist also ein ganz normaler Verein?
Einfach heißt, trotz des Erfolges, trotz der Ausstrahlung, trotz des ungeheuren Selbstbewusstseins die immer noch menschliche und einfache Art.
Viele junge Spieler sind an diesem Bayern-Mythos schon zerbrochen.
Da bin ich noch nicht in der Lage, das jetzt schon einschätzen zu können. Ich denke aber, dass es allgemein schwierig ist als Bundesliga-Profi, der relativ berühmt ist. Man bekommt natürlich immer dreimal auf die Finger geschaut. Ich persönlich komme halt aus einfachen, guten Verhältnissen, wo jeder weiß, dass er hart dafür arbeiten muss. Ich habe mich hier sofort wohlgefühlt, weil ich gemerkt habe, dass das hier in München genauso ist. Und wenn man das so hört, FC Hollywood und so, da habe ich mich am ersten Tag erst mal erschrocken, wie die Abläufe in der Realität sind. Da kommt jeder mal in die Kabine rein, Betreuer, Physio, da hat jeder eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Da wird nicht gesagt: "Was läuft der denn da rum? Der hat hier nichts zu suchen." Hier heißt es: "Na servus." Jeder kennt jeden, ein lockerer Umgang. Das hat mich beeindruckt.
Haben Sie keine Angst, zu versagen, wie etwa Roque Santa Cruz und viele andere?
Wenn ich jetzt zu den Bayern gegangen wäre und gesagt hätte: "O mein Gott, was mache ich denn jetzt?", dann wäre es schwierig geworden. Ich habe es mir natürlich zugetraut, dass ich mich hier zeigen kann. Ich bin auch kein Typ, der sich zu weit aus dem Fenster lehnt. Hier gibt es viele Spieler, die weit mehr erreicht haben als ich, und da möchte ich auch hinkommen. Und genau deshalb nehme ich diesen Konkurrenzkampf an. Der macht mir keine Angst, der macht Spaß.
Waren Sie immer so ehrgeizig?
Das war schon früher so. Ich wollte immer mit mir zufrieden sein. Das Schlimmste ist, wenn man mit sich selbst unzufrieden ist und sich eingestehen muss, man hat nicht alles versucht. Ich habe auch oft mit meinem Vater darüber gesprochen. Schon in der Jugend fängt es an, dass du sehr früh sehr abgezockt spielen musst. Das war teilweise erschreckend. Das war ich nicht, das musste ich lernen. Ich musste also noch mehr Ehrgeiz entwickeln, damit ich dann auch gesehen wurde. Deshalb habe ich auch erst spät mit der "U 18"-Nationalmannschaft angefangen. Was Besseres konnte mir im Nachhinein nicht passieren. "U 15", "U 16", da muss man aufpassen, dass man auf dem Boden bleibt. Das ist schwierig, weil es viele Charaktere gibt, die sich von den anderen Spielern abgehoben haben, die nur Niederrhein- oder Kreisauswahl gespielt haben. Mein Vorteil war, dass ich immer von unten kam.
Bei der WM im letzten Jahr waren Sie jüngster deutscher Nationalspieler, heute sind Sie schon beim großen FC Bayern. Geht Ihnen Ihr Erfolg zu schnell?
Ich hatte nie einen Karriereplan. Fußball ist kein Selbstläufer, das ist alles harte Arbeit. Bei einem Jugendspiel von mir stand mal ein Schild. Da stand drauf: "Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen." Das ist eher ein trauriges Lebensmotto, das man allerdings verinnerlichen sollte. Anders geht es offenbar in der heutigen Zeit nicht mehr. Ehrgeiz ja, aber ich bin nicht der Typ, der mit beiden Ellenbogen versucht, seine Ziele durchzusetzen. Ich versuche es auf die menschliche Art, ich werde nie mit irgendwelchen Tricks arbeiten.
Und irgendwann kam dann das erste große Geld.
Wenn die anderen sagen: "Du hast ja jetzt viel Erfolg, du hast ja jetzt viel Geld", dann sage ich: "Okay, hab ich vielleicht. Ich verdiene auch mehr, das ist im Fußball so." Aber ich weiß, wo ich herkomme. Meine Eltern stehen morgens um vier, fünf Uhr auf, da drehe ich mich noch dreimal um, und da habe ich sogar noch ein schlechtes Gewissen. Also kämpfen bis 35 und hoffen, dass man sagen kann: "Jetzt habe ich so viel erlebt und mitgenommen, jetzt kann ich mich in Ruhe darauf konzentrieren, wie mein Leben weitergeht." Und mich nicht darauf ausruhen, sonst würde ich mich selber bescheißen und meine Eltern auch. Es kann nicht sein, dass ich auf "Ich bin der Tollste" mache, und meine Eltern stehen morgens auf und gehen knochenhart arbeiten. Für mich gilt der Satz: Die wahre Größe eines Menschen misst sich daran, wie er mit den kleinen Leuten umgeht. Geld, Ruhm, Schulterklopfen - all das Gedöns zählt nicht.
Sie kamen nach der WM in die Schlagzeilen, weil Ihre Freundin Julia Nacktaufnahmen für ein Männermagazin gemacht hatte. Wie sehen Sie das nachträglich?
Ich hatte kein Problem damit, da muss man drüberstehen. Man ist in einem Beruf, der so beliebt ist, dass da Sachen aus dem Privatleben kommen, die dann anders dargestellt werden. Aber ich bin auch nicht der Typ, der sagt: "O mein Gott, ich bereue alles." Nein. Ich weiß, was ich tue, was Julia für ein Mensch ist. Ich weiß, wie alles zustande gekommen ist, und ich stehe voll dazu, habe also überhaupt kein Problem damit. Meine Freundin hat zwei Fotoshootings gemacht, die auch gar nicht so schlecht waren. Die Fotos sehen ja auch toll aus. Sie ist kein Model, und sie hat auch keine Modelkarriere gemacht. Am Anfang war das natürlich ein leichter Schock, weil wir uns nicht vorstellen konnten, dass das jetzt so viel Interesse einnimmt.
In der Öffentlichkeit festigte sich aber das Klischee vom Kicker mit Geld und Girl.
Das ist schade, dass es so ist. Dass man aufpassen muss, dass man nicht in eine bestimmte Schublade rutscht, aus der man dann nicht mehr rauskommt. Ich habe ja nie zu Julia gesagt: "Komm, mach mal noch ein Shooting, damit wir wieder in der Zeitung stehen." Das ist ja Quatsch. Heute können wir darüber nur schmunzeln. Wir beide stehen zu den Fotos. Schlimmer finde ich im Internet diese ganzen Fanseiten, wenn die Leute meine Frisur diskutieren. Das unterstütze ich gar nicht. Die haben wohl zu viel Langeweile, die sollten sich ein neues Hobby suchen. Und wenn ich mir meine Haare bis zum Arsch wachsen lasse, dann lasse ich sie mir bis zum Arsch wachsen. Das mache ich einfach so, wie ich lustig und launig und nicht weil ich was Besseres bin. Später habe ich vielleicht gar keine Haare mehr, dann lasse ich sie lieber jetzt lang.
Das Gespräch führte Thilo Komma-Pöllath.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |