28.12.2003 · Er ist ungebildet, vorbestraft, fettleibig, herzkrank, verfolgt von Drogenproblemen, Alimenten, Steuernachforderungen. Er ist der unvergleichlichste Fußballspieler, den es je gab. Ein ganz anderer Jahresrückblick.
Von Christian EichlerEr ist ungebildet, vorbestraft, fettleibig, herzkrank, verfolgt von Drogenproblemen, Alimenten, Steuernachforderungen. Er ist der unvergleichlichste Fußballspieler, den es je gab. Nun kommt das Leben von Diego Armando Maradona als Musical heraus. Doch das kann nur ein Irrtum sein. Dieses Leben läßt sich nicht in einem Stück, an einem Abend darstellen. Es schreit nach einer vielstaffeligen Telenovela, einer TV-Doku-Soap mit offenem Ende. Wir halten zu diesem Zweck die Ereignisse der 43. Staffel fest (Produktionsquartale 1 bis 4/2003).
Folge 1: Flüssiges Spiel
21. Januar 2003, Havanna. In Kuba, wo Maradona seit einer Drogenentziehungskur vor drei Jahren in der Klinik La Pradera lebt, als persönlicher Freund Fidel Castros, hat er einen neuen Lebenssinn gefunden: das Golfspiel. "Ich kann zwölf Stunden ohne Pause spielen", sagt er. "Es ist der perfekte Sport: Du spielst es mit einem Ball, mußt nicht rennen, kannst von Loch zu Loch fahren, und der Caddy trägt deine Tasche. Das einzige Problem ist, daß die anderen Golfer mich immer böse angucken, weil ich die ganze Zeit rumschreie." Leider hat er in den letzten Monaten einige Golffreunde verloren. Mauricio Vergara, sein kolumbianischer "Diätberater", wurde auf dem Flughafen von Cali mit zwei Kilo Kokain, versteckt in Laptop und Kamera, festgenommen. Und der alte Kumpel Carlos Ferro Viera, des Handels mit Ecstasy verdächtigt, dementierte, er sei derjenige, der für Maradona die Drogen kaufe: "Er ist alt genug, sie sich selber zu kaufen." Ferro Viera eröffnete zudem Einblicke in die flüssigen Freundschaftsdienste, die er und Guillermo Coppola, der Berater Maradonas, während dessen aktiver Zeit leisteten: "Wißt ihr, wie oft wir in diese Fläschchen gepinkelt haben, um Diego vor Dopingtests zu retten? Danach bestachen wir die Ärzte, und er konnte weiterspielen." Beim Golf wird das nicht nötig sein.
Folge 2: Bombige Nachmieter
1. Februar, Neapel. 28 Pakistaner werden in Neapel festgenommen. Die Polizei findet Sprengstoff und Karten von amerikanischen und Nato-Zielen im Haus der mutmaßlichen Terroristen, das einst dem Mafiaboß Carmile Guiliano gehörte. Im Volksmund heißt es "Casa Maradona", weil Maradona in seiner Zeit beim SSC Neapel dort oft zu Gast war.
Folge 3: Teure Schüsse
28. März, Buenos Aires. Claudia Maradona läßt sich nach vierzehn Jahren Ehe scheiden und bekommt das Sorgerecht für die beiden Töchter. Die Vereinbarung mit dem Ex ist nach Zeitungsberichten 15 Millionen Dollar wert. Weiteren Berichten zufolge ist Maradona mit den Alimentezahlungen für eine uneheliche Tochter in Argentinien und einen unehelichen Sohn in Italien im Rückstand. Außerdem klagt einer der Journalisten, auf die Maradona 1994 mit einem Luftgewehr schoß, auf Zahlung des immer noch ausstehenden Schmerzensgeldes. Von Klagen abgesehen haben (aus Erleichterung, daß er in Kuba bleibt) Maradonas letzte Nachbarn in Buenos Aires, die er mit nächtlichen Böllerschüssen und einer Bin-Ladin-Gesichtsmaske terrorisierte, bis sein Haus im Februar 2002 abbrannte - die Feuerwehr war nicht durchgekommen, weil Maradonas panzerähnlicher Geländewagen die Einfahrt blockierte.
Folge 4: Ein Schutzengel
14. April, Bagdad. Gustavo Sierra, Reporter der Zeitung "Clarin" im Irak-Krieg, schildert, wie ihm Maradona vielleicht das Leben rettete, als er von bewaffneten Irakern bedroht wurde. "Sie fragten, wo wir herkämen, ich antwortete: Argentinien. Und dann, ganz plötzlich, sagten sie die magischen Worte: Argentinien? Maradona! Ihre Stimmung schlug um, sie begannen zu lachen und ließen uns gehen, ohne einen Kratzer."
Folge 5: San Diegos Gral
16. April, Neapel. Der Stadtrat beschließt mit großer Mehrheit, das San Paolo Stadion nach Maradona zu benennen. Der SSC Neapel, mittlerweile auf den hinteren Rängen in der zweiten Liga, wurde durch Maradona 1987 und 1990 italienischer Meister. Es gibt nur ein kleines Problem: In Italien dürfen staatliche Gebäude nur Namen von Personen tragen, die mindestens zehn Jahre tot sind.
Folge 6: Der verlorene Sohn
20. Mai, Fiuggi: Maradona trifft zum ersten Mal seinen siebzehnjährigen unehelichen Sohn Diego Armando junior. Dieser hat sich unter einem Vorwand Zutritt zu einem Golfplatz bei Rom verschafft. Maradona, der dort ein Benefizturnier spielt, hält den Jungen zunächst für einen Autogrammjäger und will im Golf-Cart fliehen. Dann, als der Sohn sich zu erkennen gibt, umarmt er ihn.
Folge 7: Schlag ins Wasser
27. Mai, Madrid. Die spanische Zeitschrift "Diez Minutos" veröffentlicht Fotos von Maradona beim Golf. Das erste zeigt ihn mit Shorts, Muskelshirt und Kugelbauch, als er auf einer kleinen Holzbrücke zum Schwung ansetzt. Auf dem nächsten Bild bricht die Brücke durch. Maradona landet im Wasserhindernis.
Folge 8: König Diego I.
5. Juni, Rom. Der italienische Schriftsteller Giuseppe Mentesano enthüllt die Handlung seines neuesten Werkes "Cuba libre": Eine Gruppe junger Neapolitaner, große Maradona-Fans, reist nach Kuba, um ihn umzubringen, damit das San-Paolo-Stadion endlich nach ihm benannt werden kann. Doch zu der Party, auf der sie ihn vergiften wollen, kommt Maradona verkleidet als Fidel Castro und Fidel Castro als Maradona. So wird also Castro vergiftet und "Diego Armando I." zum König von Kuba ernannt.
Folge 9: Klappe, Maradona
27. August, Monte Carlo. Der bosnische Filmregisseur Emir Kusturica kündigt einen Spielfilm über das Leben von Maradona an. Kusturica outet sich als großer Fan des Argentiniers. Das erste Wort, das in seinem letzten Film "Schwarze Katze, weißer Kater" gesprochen wurde, war der Schrei "Maradona".
Folge 10: Nr. 10 ist eine Flasche
4. September, Santiago de Chile. Der chilenische Winzer Eduardo Arevalo bringt einen Wein heraus, der Maradona gewidmet ist. Er soll "Divino" ("Göttlicher") heißen, auf 50 000 Flaschen gefüllt werden und, so der Winzer, "stark sein und einen vollen Körper haben" - was zum Namensgeber paßt. Das Etikett wird die Nummer zehn tragen. Es ist nicht das erste Mal, daß Arevalo einen Gedenkwein herausbringt: Den Wein "Capitan General" hatte er dem chilenischen Diktator Pinochet gewidmet.
Folge 11: Unser Mann in Havanna
8. September, Neapel. Maradona soll eine Fernsehshow in Italien bekommen. Jeden Freitag will man ihn aus Havanna im Kanal La7 zuschalten. Ein paarmal soll er sogar persönlich die Mattscheibe füllen.
Folge 12: Verona ist geholfen
14. September, Berlin. Verona Feldbusch und ihr Mann Franjo Pooth haben sich auf einen Namen für ihren Sohn geeinigt. Er soll San Diego Franjo Pooth heißen. "San Diego bedeutet der heilige Diego. Ein cooler, männlicher Name. Und Franjo ist total happy, daß er so heißt wie Diego Maradona", sagt die junge Mutter.
Folge 13: Wanderschuhe
1. Oktober, Buenos Aires. Maradona erhält eine Wanderausstellung. Unter den 400 Objekten, die zunächst in Argentinien ausgestellt werden und dann durch die Fußballwelt tingeln sollen, sind die Schuhe, mit denen er 1986 das schönste Tor der WM-Geschichte schoß (dabei wäre nur der linke nötig, mit dem er den Ball elfmal berührte, ehe er ihn an sieben Engländern vorbei ins Tor gedribbelt hatte). Titel der Ausstellung: "M 10". Ausstellungsmacher Oscar Goldadler nennt sie "eine Ehrung jenes Namens, der so gleichbedeutend mit Argentinien ist wie Rindfleisch und Tango".
Folge 14: Diego unser
30. Oktober, Buenos Aires. Die "Iglesia Maradoniana", die Kirche Maradonas, feiert mit etwa zweihundert anwesenden Jüngern in der "Pizzeria Banana" in Buenos Aires den Geburtstag ihres Heilands. Der Tag markiert für sie den Beginn des Jahres "43 nach Diego". Zu den etwa 20 000 Maradona-Gläubigen aus aller Welt gehört eine 23jährige Frau, die Maradonas Rückennummer offiziell in ihren Namen aufgenommen hat: Ana (10) Espinosa. Die Kirche hat die zehn Gebote umgedichtet ("Liebe den Fußball über alles andere") und auch das Vaterunser: "Diego unser, der du bist in Kuba . . ."
Folge 15: Peking-Ente
12. November, Peking. Anders als der Papst küßt Maradona bei seiner Ankunft auf dem Flughafen nicht den Boden, sondern eine Angestellte des Bodenpersonals. Die dreiwöchige China-Reise zur Vorstellung seiner Autobiographie wird allerdings ein Fehlschlag, weil er so gut wie keine Verabredung einhält und die Chinesen mit der Aussage beleidigt, sie hielten ihre finanziellen Zusagen nicht ein. Den von den Asiaten besonders verehrten David Beckham nennt Maradona "zu hübsch für einen Fußballer" - er sehe aus "wie eine Frau".
Folge 16: Steuersparmodell
28. November, Neapel: 132 Unternehmen wollen ein Wohltätigkeitsspiel in Neapel organisieren, um Maradonas Steuerschulden (angeblich drei Millionen Euro) zu tilgen. Die Einnahmen sollen direkt auf ein Konto der italienischen Regierung fließen. Damit will man das Verfahren gegen Maradona stoppen, der wegen der Zahlungsrückstände aus seiner Zeit in Neapel von 1984 und 1991 bei Einreise nach Italien die Steuerfahndung auf den Fersen hat, so wie im September 2002 auf dem Flughafen von Rom, als er den Beamten sagte: "Tut mir leid, ich habe nicht genug dabei, um es zu bezahlen." Zu jenem Zeitpunkt war Maradona bester Laune, denn einer seiner größten Feinde, der argentinische Richter Benasconi, der Maradonas Berater Coppola 1999 als Drogenhändler angeklagt hatte, wurde kurz zuvor, im August 2002, wegen Fälschung von Beweisen zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt.
Folge 17: Maradona wird 80
5. Dezember, Buenos Aires. Maradona bekommt ein Musical. "Nummer zehn - zwischen Himmel und Hölle" soll das Leben des Diego aus der Sicht eines achtzigjährigen Maradona erzählen. Premiere für das mit Tangomusik drapierte Stück wird im Januar in Buenos Aires sein. Direktor Hector Berra will es auch ins Englische übertragen und im Londoner West End und am New Yorker Broadway aufführen. Unterdessen arbeitet das Theater im Stadthafen Rostock in aller Stille auf eine epochale Premiere am 16. Januar hin: "Die Hand Gottes - frei nach Maradona". Aber bis dahin kann im Leben des Diego noch eine Menge passieren.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |