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Maracanã-Stadion : Ikone mit Problemen

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Brasiliens prominenteste WM-Baustelle ist mächtig im Verzug. Das legendäre Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro will einfach nicht fertig werden. Doch der Spielplan steht und die Arbeiten laufen auf Hochtouren - rund um die Uhr.

          Wenn man mit der grünen „Linie 2“ der Metro in den Norden Rios fährt, erhebt sich kurz vor der „Estação Maracanã“ auf der linken Seite majestätisch Brasiliens legendärer Fußball-Tempel, das Maracanã-Stadion. Hier wird am 13. Juli 2014 der nächste Weltmeister gekürt. Hier erlebte die stolze Fußball-Nation Brasilien 1950 aber auch ihr Trauma, als die siegessichere „Seleção“ den WM-Titel durch ein 1:2 gegen Uruguay verlor. Eine ganze Nation verfiel damals in Schockstarre.

          Gespannt starrt das Land auch jetzt auf das Maracanã, wo schon in diesem Sommer das Confed-Cup-Endspiel ausgetragen werden soll. Im April muss die Sanierung weitgehend abgeschlossen werden, so diktiert es die Fifa. Doch es bestehen Zweifel. Es wäre wohl ein nationales Fiasko, wenn ausgerechnet die Ikone Maracanã nicht rechtzeitig fertig würde. Zwei Mal schon ging das zuständige öffentliche Bauunternehmen EMOP in die Verlängerung, weil Termine nicht eingehalten werden konnte.

          Das Stadion in Rio ist noch von gigantischen Kränen und vielen Baugerüsten umstellt. Riesige orange und schwarze Plastikplanen flattern von der oberen Kante des Stadions im Wind. Rund um das Maracanã türmen sich Zement-, Sand- und Steinhügel. Alles muss noch verbaut werden. Auf einem großen Scania-LKW werden Generatoren und Lichtmasten angekarrt und dann um das Stadion herum verteilt. „Nach Karneval laufen auch die Außenarbeiten nachts“, sagte einer der inzwischen über 6000 Arbeiter. „Wir arbeiten 24 Stunden, damit das Stadion eröffnet werden kann.“

          Die Reform kostet mindestens 860 Millionen Reais (rund 321 Millionen Euro), doch viele vermuten, dass es zum Schluss eine Milliarde Reais werden. Um das Stadion herum werden die ersten Palmen gepflanzt. Es entstehen neue Zugangswege und Drainagen. Täglich zerpflügen noch Baulaster und Bagger die Wege, auf denen man knöcheltief im Matsch versinkt. Die Zeit läuft, denn am 2. Juni sollen das Maracanã mit einem Testspiel zwischen Brasilien und England eröffnet werden. Rund zwei Wochen später findet dort das zweite Spiel des Confederations Cups (15. bis 30. Juni) statt, bei dem Italien auf Mexiko trifft. Auch das Turnier-Finale wird im Maracanã angepfiffen.

          Ein Stadion der Superlative

          Der Boss des nationalen Fußballverbandes CBF, José Maria Marin, weiß, das Prestige des Rekordweltmeisters steht auf dem Spiel. Er habe Garantien bekommen, dass das Maracanã im April fertig werde, sagt er zuversichtlich. Das Stadion wurde im April 2010 für die Renovierung geschlossen. Es erhält ein neues und modernes Dach und wird eine Kapazität von rund 79.000 Zuschauern haben. Neue Restaurants, Bars und Vip-Bereiche entstehen. Rolltreppen und Aufzüge werden eingebaut, eine hochmoderne Lichtanlage installiert und Toiletten komplett saniert.

          Und vor dem Maracanã soll eine Statue von Brasiliens Jahrhundertfußballer Pelé stehen, der dort sein erstes Länderspieltor schoss und 1969 seinen 1000. Treffer erzielte. Kurzum: Es soll ein Stadion der Superlative werden. Eine Planänderung gab es im unmittelbaren Umfeld der Sportarena, denn dort gibt es einen historischen Bau, der früher ein Indio- Museum beherbergte und seit Jahren schon von Indios besetzt wird.

          „Ich gehe hier nicht weg. Eher sterbe ich“

          Eigentlich sollten dort WM-Parkplätze entstehen, doch die Indios, die durch jahrelanges Gewohnheitsrecht praktisch zu Hausherren wurden, wehrten sich. „Ich gehe hier nicht weg. Eher sterbe ich“, sagt der 37-jährige Karai, der schon seit sieben Jahren vor dem völlig ramponierten schlossähnlichen Gebäude in einem kleinen Anbau lebt. Die Behörden signalisierten, das Gebäude erhalten und sanieren zu wollen. Die Parkplätze müssen nun an einem anderen Ort gebaut werden.

          Doch ist das praktisch ein „Nebenkriegsschauplatz“. Die Schlacht um Fristen, Planung und Bauverzug werden im Maracanã geschlagen. Das allererste Probe-Spiel soll dort unter Ausschluss der Öffentlichkeit am 24. April stattfinden. Für die Partie gibt es keine Tickets und auf Zuschauerplätzen sitzen nur Arbeiter der Baustelle. Die sollten dann - wenn denn alles nach Plan läuft - ihr Werk vollbracht haben.

          Quelle: FAZ.NET/dpa

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