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Manipulationsvorwurf Calmund wird vernommen

27.03.2006 ·  Die Vernehmung von Reiner Calmund hat begonnen. Gegen den früheren Bayer-Manager wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Köln hat zudem Hinweise, daß das Geld für Spielmanipulationen verwendet worden sein könnte.

Von Gregor Derichs, Köln
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Die Ermittlungen gegen Reiner Calmund, den im Juni 2004 zurückgetretenen Manager des Fußball-Bundesligaklubs Bayer 04 Leverkusen, wegen des Vorwurfs der Untreue könnten vor einer Erweiterung von hoher Brisanz stehen. Wie die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte, geht sie dem Verdacht nach, daß zum Abschluß der Saison 2002/03 Bundesligaspiele manipuliert worden sein könnten. Am Montag morgen begann die Vernehmung von Calmund.

Mit Siegen in den Heimpartien gegen Arminia Bielefeld (3:2) und München 1860 (3:0) sowie im Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg (1:0) hatten die Leverkusener den drohenden Abstieg vermieden. "Wir haben Hinweise mit Substanz, wir müssen dem nachgehen", sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld, nachdem die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatte, daß Calmund einen Betrag von 580.000 Euro, die aus der Vereinskasse kamen, aber deren Verbleib ungeklärt ist, nicht wie bisher behauptet für Kaufoptionen neuer Spieler verwendet haben könnte. Die Ermittlungen gegen Calmund laufen nach Angaben von Feld "in alle denkbaren Richtungen". Die Bielefelder Staatsanwaltschaft, die den Fall zunächst bis Anfang März bearbeitet hatte, hatte vor drei Wochen noch geäußert, für die Verwendung der drei Barschecks in Höhe von insgesamt 580.000 Euro gebe es keinerlei Hinweise auf Spielmanipulationen.

„Keine Scheuklappen auf“

"Wir haben bei unseren Ermittlungen keine Scheuklappen auf. Es wäre unsinnig, eine Möglichkeit wie Manipulationen auszuschließen", sagte Feld. Calmund soll zu Beginn dieser Woche zu den Verdachtsmomenten vernommen werden. In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" heißt es, Calmund habe gegenüber Mitarbeitern des Bayer-Konzerns und innerhalb des Vereins wiederholt von Spielmanipulationen gesprochen. Gegenüber dem Chefsyndikus der Bayer AG, Rainer Meyer, und gegenüber dem Vorsitzenden des Gesellschafterausschusses der Bayer Fußball GmbH, Klaus Beck, habe Calmund angedeutet, in der Partie des 33. Spieltages 2003 gegen die Münchner Löwen sei "etwas gelaufen".

In einer zwölfseitigen Stellungnahme, die der von Bayer 04 Leverkusen beauftragte Anwalt Walter Graf am 9. März der Kölner Staatsanwalt zur Verfügung gestellt hat, sollen die Aussagen Calmunds über Manipulationen enthalten sein. Der Manager soll behauptet haben, der nicht lizenzierte Bielefelder Spielerberater Volker Graul habe ihn angesprochen und 580.000 Euro verlangt, "um etwas machen zu können". 500.000 Euro seien an drei Spieler von 1860 München ausgezahlt worden, 80.000 habe Graul angeblich für sich gefordert.

Spieler der „Löwen“ werden genannt

Laut "Spiegel" äußerte sich Calmund gegenüber den Bayer-Verantwortlichen, daß der Sieg gegen München "nicht durch einen sportlichen Wettkampf, sondern durch Zuwendungen an Sportler bestimmt worden" sei. Dem Magazin, heißt es, lägen drei Spielernamen von München 1860 vor, die Calmund genannt haben soll und die in der Bayer-Stellungnahme für die Staatsanwaltschaft aufgeführt seien.

Calmund und sein Anwalt Stefan Seitz beharrten am Wochenende darauf, daß das Geld für Kaufoptionen auf Spieler verwendet worden sei. Dieser Fall hatte vor drei Wochen erste Wellen geschlagen, nachdem die Leverkusener bekanntgegeben hatten, daß der frühere Geschäftsführer nicht nur aus gesundheitlichen Gründen im Sommer 2004 sein Amt nach 27 Jahren aufgegeben hatte, sondern daß auch Calmunds "Finanzgebaren" zur Trennung geführt habe. "Ich habe keinen Dreck am Stecken", sagte Calmund. "Es gibt keine Spielmanipulationen. Das ist absolut haltlos", erklärte sein Anwalt. Bereits auf einer Pressekonferenz am 10. März in Köln hatte Calmund die Gerüchte von Spielmanipulationen zurückgewiesen. Er sei zwar eine "kleine Drecksau", aber Schiebung sei für ihn nie in Frage gekommen.

„Man spekuliert sich jetzt kaputt“

Auch in Leverkusen waren die Verantwortlichen davon ausgegangen, daß es sich bei Calmunds Andeutungen auf Manipulationen "lediglich um Schutzbehauptungen, die anderes Fehlverhalten verdecken sollten", gehandelt habe, wie Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sagte. Die Ausführungen von Calmund seien zweifelhaft gewesen, sagte Meinolf Sprink, der Sportbeauftragte der Bayer AG, am Sonntag. "Man spekuliert sich jetzt kaputt", sagte er. Mit haltlosen Verdächtigungen, wie jüngst in einem möglichen Wettskandal gegenüber dem Nationalspieler Bastian Schweinsteiger geschehen, "sollte man sehr vorsichtig sein". Weitere Stellungnahmen gebe der Verein eventuell ab, wenn Calmund sich gegenüber der Staatsanwalt geäußert habe, sagte Sprink.

"Dem Kontrollausschuß des Deutschen Fußball-Bundes liegen keine Erkenntnisse vor. Wir werden die Ermittlungen abwarten", sagte DFB-Sprecher Harald Stenger am Samstag. Von München 1860 und dem 1. FC Nürnberg wurden die Verdächtigungen zurückgewiesen. Beide Vereine werden vom Nachrichtenmagazin "Focus" in dessen neuester Ausgabe im Zusammenhang mit dem jüngst virulent gewordenen Wettskandal genannt.

Der Bericht, in dem von möglichen Spielmanipulationen die Rede ist, bezieht sich auf das Eröffnungsspiel der Münchner Allianz-Arena am 30. Mai 2005 zwischen 1860 und Nürnberg (3:2) und die drei Bundesligapartien der Nürnberger gegen Wolfsburg (1:1), Bremen (2:6) und Bielefeld (2:3). Laut "Focus" habe die Münchner Staatsanwaltschaft I Ermittlungen aufgenommen. Dagegen sagte "Club"-Sportdirektor Martin Bader: "Uns liegen keinerlei Erkenntnisse vor, daß die Staatsanwaltschaft gegen uns ermittelt - nicht mal ansatzweise."

Quelle: F.A.Z. vom 27. März 2006
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