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Manipulationsskandal Die „italienische Komödie“ geht weiter

26.07.2006 ·  Juventus Turin droht mit dem Gang durch alle Instanzen, Verbandschef Rossi mit Rücktritt und der Serie A eine Verschiebung des Saisonstarts: Nach den abgemilderten Urteilen im Berufungsprozeß droht dem italienischen Fußball ein Chaos.

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Rekordmeister Juventus Turin droht mit dem Gang durch alle Instanzen, Verbandschef Guido Rossi mit Rücktritt und der Serie A eine Verschiebung des Saisonstarts auf Mitte September: Nach den überraschend abgemilderten Urteilen beim Berufungsprozeß im italienischen Fußballskandal droht im Land des Weltmeisters in den kommenden Wochen heilloses Chaos.

„Dieses Urteil ist ein Skandal. Juve zahlt für alle. Wir werden auch beim Olympiaverband CONI Einspruch einreichen. Wir werden nicht halt machen, bis dieses Urteil rückgängig gemacht wird“, sagte Juve-Präsident Giovanni Cobolli Gigli. Die „alte Dame“ und ihre Anwälte rechnen weiter fest mit dem Verbleib in der Serie A. Auch der vermeintliche Drahtzieher des Manipulationsskandals, Luciano Moggi, scheint trotz der eigenen Verfehlungen kein Verständnis für die Bestrafung von Juventus zu haben. „Ich bin sprachlos. Dieses Urteil ist unannehmbar. Nur Juve ist für die Affäre verantwortlich gemacht worden“, sagte Moggis Rechtsanwalt Fulvio Gianaria.

Gewinner Mailand

Moggi zählt zu den wenigen Angeklagten im Verfahren, für die die erstinstanzliche Strafe bestätigt wurde. Der Manager wurde mit einer fünfjährigen Berufssperre bestraft. Dagegen feierten der AC Florenz und Lazio Rom am Mittwoch die überraschende Rückkehr in die Serie A. Das Berufungsgericht hatte den Zwangsabstieg der beiden Traditionsklubs zurückgenommen und statt dessen nur Punktabzüge zum Saisonstart auferlegt. So muß Florenz mit 19 und Lazio mit 11 Minuspunkten in die neue Spielzeit starten. Als größter Gewinner der Berufungsverhandlung fühlte sich dagegen der vom Zwangsabstieg verschonte AC Mailand.

Im italienischen Fußballskandal hat ein Berufungsgericht die Strafen für die vier beschuldigten Spitzenklubs deutlich abgemildert. So dürfen Lazio Rom und AC Florenz nun doch in der Ersten Liga bleiben, für Juventus Turin und den AC Milan wurden die Strafpunkte reduziert.

Die Punktabzüge für die abgelaufene Saison wurden derart reduziert, daß Milan nun sogar wieder an der Qualifikation für die „Königsklasse“ teilnehmen darf. Denn mit nur 30 statt bisher 44 Punkten Abzug ist der Klub des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in der „bereinigten Tabelle“ Dritter der Meisterschaft 2005/2006. Dafür muß Milan aber mit 8 Minuspunkten in die kommende Saison starten und erhielt zudem eine Platzsperre von einem Spiel. Das Rechtsanwälte-Team von Juve sowie die Anwälte von Florenz und Lazio wollen nun bei einem römischen Verwaltungsgericht Einspruch gegen die Urteile einreichen. Das Verwaltungsgericht wird Mitte August die Einsprüche der Klubs überprüfen.

Hohn und Spott

Nach Angaben italienischer Medien ist eine Verschiebung des am 27. August geplanten Beginns der Serie A unumgänglich. Der Saisonstart könnte am 10. September nach den beiden ersten EM-Qualifikationsspielen der italienischen Nationalmannschaft erfolgen.
Mit Hohn und Spott reagierten die italienischen Medien auf die milden Urteile. „Eine italienische Komödie“ bezeichnete die römische Tageszeitung „La Repubblica“ das Ergebnis des Berufungsprozesses. „Mildere Strafen, doch die Klubs feiern nicht. Alle Verbände wollen Einspruch einreichen. In die Serie B geht nur Juve. Dies bestätigt seine zentrale Rolle im Skandal. Es war logisch, daß der Turiner Klub mehr als die anderen für die Affäre zahlen würde“, kommentierte die Sporttageszeitung „Gazzetta dello Sport“.

Völlig desillusioniert zeigte sich auch der kommissarische Präsident des Fußballverbandes (FIGC), Guido Rossi. Rossi reagierte empört auf die abgeschwächten Urteile und denkt derzeit über einen Rücktritt nach. Der ehemalige Mailänder Staatsanwalt Gerardo D'Ambrosio sprach von einer verlorenen Gelegenheit, um den italienischen Fußball zu säubern. „In Italien besteht eine verbreitete Illegalität, die man nur schwer ausmerzen kann“, betonte D'Ambrosio. Offenbar auch ein Grund, warum Inter Mailands Präsident Massimo Moratti eine vorübergehende Tätigkeit als kommissarischer Ligapräsident ablehnte.

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