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Manipulationsskandal Berufungsprozeß in Rom beginnt

22.07.2006 ·  Der Berufungsprozeß im italienischen Fußball-Skandal hat begonnen. Acht Tage nach dem ersten Urteilsspruch in der beispiellosen Manipulationsaffäre kämpfen die Klubs Juventus Turin, Lazio Rom, AC Florenz und AC Mailand gegen die teilweise drakonischen Strafen.

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In Rom hat am Samstag das Berufungsverfahren vor dem Sportgericht begonnen. Vor den im Luxushotel „Parco dei Principi“ versammelten Richtern erschienen die Anwälte der vier beschuldigten Spitzenklubs Juventus Turin, AC Florenz, Lazio Rom und AC Mailand.

Die Vereine hoffen auf Milde: Doch vor allem für Rekordmeister „Juve“ gilt es als unsicher, ob der Zwangsabstieg in die zweite Liga noch zu verhindern ist. Unterdessen droht weitere Unbill: Die Regierung in Rom legte ein neues Gesetz für die TV-Fußball-Übertragungsrechte vor - Spitzenklubs drohen drastische Mindereinnahmen. Das Gericht steht unter enormem Zeitdruck: Schon Anfang nächster Woche wird ein Urteil erwartet. Spätestens am Dienstag muß der italienische Fußballverband (FIGC) der Uefa die Teilnehmer für die europäischen Wettbewerbe mitteilen. „Trotzdem garantieren wir ein gerechtes Urteil“, versprach der Vorsitzende Richter Piero Sandulli.

Mafiöses System

In der ersten Instanz hatte das Gericht entschieden, daß Juve, Florenz und Lazio wegen Spielmanipulationen in die zweite Liga absteigen müssen. Zudem erhalten die Strafpunkte. Der AC Mailand bleibt zwar in der Serie A, darf aber nicht an der Champions League teilnehmen. Beim größten Skandal in Italiens Fußballgeschichte soll über Jahre in einem „mafiösen System“ die Zuteilung von Schiedsrichtern für Spitzenspiele beeinflußt worden sein. Wie italienische Zeitungen berichten, erhoffen sich vor allem Florenz und Lazio, daß sie in der ersten Liga (Serie A) bleiben dürfen. Mailand will ohne die in erster Instanz verhängen 15 Minuspunkte in der Ersten Liga spielen. Dagegen würde sich Juve möglicherweise in den Zwangsabstieg fügen. Der Rekordmeister will aber nicht, wie in erster Instanz vorgesehen, mit 30 Strafpunkten ins Rennen gehen.

Während die Vereine auf Milde hoffen, pocht die Anklage, die ebenfalls in die Berufung gegangen ist, auf Härte. Sie hatte unter anderem verlangt, daß Juve in die dritte Liga oder noch tiefer absteigt. Die Richter zogen sich am Samstag bereits nach kurzer Anhörung der Anwälte zu internen Beratungen zurück. Zudem droht in Rom weiteres Prozeßchaos: Manche Vereine ließen bereits durchsickern, sie würden möglicherweise auch vor Zivilgerichte ziehen. Unterdessen bekräftigte Inter Mailands Präsident Massimo Moratti den Anspruch seines Vereins auf den Meistertitel 2005/2006.

Nach Berichten italienischer Medien vom Samstag will die Regierung in Rom die umstrittenen TV-Übertragungsrechte im Fußball ändern. Der präsentierte Gesetzentwurf würde zu erheblichen Mindereinnahmen für die Spitzenvereine führen. Die Hälfte der Fernseheinnahmen von etwa 500 Millionen Euro sollen an alle Vereine der Serie A zu gleichen Teilen ausgeschüttet werden. Die andere Hälfte soll je nach TV-Quoten und sportlichem Erfolg verteilt werden. Allerdings muß zunächst das Parlament zustimmen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von sid
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