23.07.2006 · Am Sonntag endete im Berufungsprozeß des italienischen Fußballskandals die Anhörung der Angeklagten. Der Vorsitzende Richter Sandulli und seine Stellvertreter kommen so schnell voran, daß die Urteile wohl schon am Montag verkündet werden.
Am Sonntag endete im Berufungsprozeß des italienischen Fußballskandals die Anhörung der Angeklagten, und das Sportgericht in Rom drückt weiter aufs Tempo. Der Vorsitzende Richter Piero Sandulli und seine vier Stellvertreter kommen so schnell voran, daß die Urteile früher verkündet werden sollen als geplant. Schon am Montag abend wird wohl Sandulli die mit Spannung erwarteten Worte sprechen: „Revision abgelehnt“ oder „Revision akzeptiert“.
Damit könnte Verbandspräsident Guido Rossi der Europäischen Fußball-Union (Uefa) pünktlich am Dienstag die italienische Starterliste für die internationalen Wettbewerbe einreichen. Doch auch bei einem schnellen Urteilsspruch droht ein wochenlanges juristisches Tauziehen, denn die Klubs wollen zur Not auch auf zivilem Weg vor dem Verwaltungsgericht in Rom gegen das Urteil der letzten Sportinstanz klagen. In diesem Fall wäre eine Verschiebung des bislang für den 27. August geplanten Saisonstarts um mehrere Wochen nicht mehr zu verhindern.
Hoffnung auf Milde
Es gilt als sicher, daß das Berufungsgericht die Urteile gegen Rekordmeister Juventus Turin, Lazio Rom und AC Florenz im Grundsatz bestätigt und damit der Zwangsabstieg des Trios in die Serie B besiegelt wäre. Wie diese drei Klubs darf aber auch der AC Mailand, der in der kommenden Saison weiter in der Serie A, aber nicht in der Champions League spielen darf, jedoch im Hinblick auf die verhängten Strafpunkte auf Milde hoffen.
Doch die angeklagten Klubs signalisierten ohnehin Entgegenkommen, vor allem Turin. „Wir würden die Serie A verdienen, aber uns auch mit einem Serie-B-Start ohne Punktabzug abfinden“, sagte der neue Juve-Präsident Giovanni Cobolli Gigli, der außerdem nach wie vor hofft, zumindest einige Stars im Team halten zu können. Daß aber beispielsweise Weltmeister-Torwart Gianluigi Buffon „Juve“ die Treue halten wird, bezeichnete Gigli als so wahrscheinlich wie ein Date zwischen ihm und Italiens Schauspiel-Sternchen Monica Belucci. Fabio Cannavaro, Emerson (beide Real Madrid), Gianluca Zambrotta und Lilian Thuram (FC Barcelona) haben den Klub bereits verlassen.
Unschuldsbeteuerungen
Die zwei Anhörungstage waren derweil von Unschuldsbeteuerungen der Angeklagten und Forderungen nach geringeren Strafen geprägt. Konkretes bekamen die mehr als hundert Journalisten kaum zu hören. „Wir hoffen nur, daß die Richter es schaffen, die Dinge klar zu sehen, denn wir haben nichts Falsches getan“, sagte Diego Della Valle, Präsident des AC Florenz. Staatsanwalt Stefano Palazzi forderte dagegen abermals die strengen Strafen, die er beantragt hatte und die die erste Instanz dann leicht abschwächte. Für Juventus hatte Palazzi beispielsweise eine Zwangsversetzung in die dritte Liga gefordert.
Die Rechtsanwälte des zurückgetretenen Turiner Sportdirektors Luciano Moggi drängten auf den Freispruch ihres Mandaten, der zu einer fünfjährigen Berufssperre im italienischen Fußball verurteilt worden war. Moggi sei von den Medien verteufelt worden, es stimme nicht, daß er der Drahtzieher des Manipulationsskandals sei. Eine Verschwörungstheorie entwarf Schiedsrichter Massimo De Santis, der wegen der Verwicklungen in den Skandal nicht bei der WM in Deutschland pfeifen durfte. „Ich bin als Monster bezeichnet worden, und nach alle dem können sie nicht mehr zugeben, daß ich unschuldig bin.“