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Manchester United Zittern im Retro-Look

08.01.2012 ·  Manchester United liefert sich mit Stadtrivale City ein turbulentes Derby im Cup und siegt 3:2. Aber die Vergangenheit überstrahlt die schmucklose Gegenwart des englischen Fußballs - Paul Scholes gibt sein Comeback.

Von Christian Eichler
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© dapd Die Lust ist wieder da: Paul Scholes gibt sein Comeback bei Manchester United

Eine Stunde war vorbei am Sonntag im Cup-Derby von Manchester, da legte der englische Fußball des Jahrgangs 2012 endgültig den guten alten Retro-Look an. Auf der Tribüne saß, stilsicher wie immer, David Beckham und diskutierte mit Sitznachbarn - vermutlich über das Comeback von Thierry Henry beim FC Arsenal, das an diesem Montag im Pokalspiel des FC Arsenal in Leeds erwartet wird.

Währenddessen zog unten auf dem Rasen einer, der noch nie ein Comeback brauchte, so leichtfüßig wie seit zwanzig Jahren seine Kreise, Ryan Giggs. Und dann machte sich auf der Bank auch noch ein uralter Kompagnon von Beckham und Giggs für seinen Einsatz bereit - den ersten seit seinem Rücktritt vom Profifußball nach 18 Jahren Manchester United: Paul Scholes.

Beckham, Henry, Giggs, Scholes - vier der größten Namen in der Geschichte der Premier League, die für die große Vergangenheit dieser einst konkurrenzlosen Liga stehen. Es ist eine Vergangenheit, die die schmucklose Gegenwart des englischen Fußballs überstrahlt.

Aber Fußball ist vergänglich. Scholes musste es gleich zwei Minuten nach der Einwechslung zur zweiten Karriere erleben. „Er war zu mir gekommen und sagte mir, dass er es zu sehr vermisse“, hatte Trainer Alex Ferguson vor dem Pokalderby bei Manchester City erzählt und seinem mittlerweile 37 Jahre alten Mittelfeldmann sieben Monate nach dem Abschied einen neuen Profivertrag für den Rest der Saison gegeben.

„Es gibt keine Kehrseiten - die Fans werden glücklich sein, ich auch.“ Als Ferguson Scholes nach einer Stunde einwechselte, brauchte er jemanden, der mit hoher Pass-Sicherheit ein aufgewühltes Derby beruhigen sollte. Einen wie den jungen Scholes. Der alte Scholes aber verlor nach Einwurf in der eigenen Hälfte den Ball.

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© AFP Nach einer umstrittenen Roten Karte gegen Citys Vincent Kompany reden die Spieler auf den Schiedsrichter ein

Das führte zum Anschlusstreffer für City durch Aguero. Und so wurde aus einem Spiel, in dem alles für United gelaufen war - frühe Führung durch den zuletzt umstrittenen Rooney, überharte Rote Karte für City-Kapitän Kompany nach nur zwölf Minuten, weitere Treffer von Welbeck und Rooney -, so also wurde aus einem Spaziergang in Überzahl eine Zitterpartie.

Nach Kolarows Freistoß zum 1:3 und Scholes’ Fehler zum 2:3 brauchte United und brauchte Scholes, um nicht ein misslungenes Comeback erklären zu müssen, das Wohlwollen von Schiedsrichter Chris Foy. Acht Minuten vor dem Ende übersah er ein Handspiel von United-Verteidiger Phil Jones am eigenen Fünfmeterraum.

Mehr Verunsicherung als alte Klasse

So wurde es zwar eine Revanche für die Niederlage im letzten Pokalhalbfinale gegen City, aber keine für die 1:6-Demütigung durch den neureichen Rivalen im Oktober. 45 Minuten lang hatte es nach einem Befreiungsschlag ausgesehen für Fergusons Team, das die beiden vergangenen Ligaspiele gegen Blackburn und Newcastle verloren und damit die Übernahme der Tabellenführung von City verpasst hatte.

Doch wie ManUnited eine 3:0-Halbzeitführung in Überzahl fast noch hergab, zeigte eher die neue Verunsicherung als die alte Klasse des Meisters. Nach dem frühen Aus in Champions League und Liga-Cup ist man wenigstens im Pokal glücklich weiter, und Ferguson durfte seinen ersten Sieg im achten Lebensjahrzehnt feiern - musste zugleich aber erkennen, dass er im Retro-Look allein nicht mehr weit kommen dürfte.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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