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Im Stadion geirrt : Talentscout reist nach Island statt nach Qatar

Nicht mal Licht: Diesen Flutlichtmasten Laugardalsvoeullur Nationalstadion von Reykjavik sah der Scout von Manchester United nur im ausgeschalteten Zustand Bild: Reuters

Scout heißt eigentlich Pfadfinder: Ein Talentspäher von Manchester United wollte das Spiel Island gegen Tschechien verfolgen. Er reiste dafür ins kalte Reykjavik – zu dumm, dass das Testspiel in Qatar stattfand.

          Das Wort Scout heißt übersetzt Pfadfinder. Besser gesagt: So lautete mal die gängige Übersetzung, darauf muss man spätestens nach dieser Verirrung eines sogenannten „Scouts„ in dieser Woche Wert legen. Denn heutzutage dürften schon Englisch-Anfänger „Scout“ vermutlich eher mit „Talentspäher“ übersetzen als mit dem guten alten Wort „Pfadfinder“. Denn auch jene Menschen, die im Auftrag von Profi-Sportklubs auf der Suche nicht nach neuen Wegen, sondern neuen Spielern durch die Welt reisen, nennen sich eben Scout.

          Ein Vertreter dieser Gattung hat, sofern die schöne Geschichte sich nicht als modernes Märchen erweist, nun den Nachweis erbracht, dass dem Scout moderner Prägung eine Grundtugend des Pfadfinders vollends verloren gegangen ist: Ein Späher von Manchester United, der beim Spiel Island gegen Tschechien nach neuen Talenten Ausschau galten wollte, hat nämlich nach einem Bericht der isländischen Fußball-Website fotbolti.net das Ziel aus dem Auge verloren und ist versehentlich nach Reykjavik gereist statt nach Doha, also in die isländische Hauptstadt statt in die qatarische, an den Polarkreis statt auf die arabische Halbinsel.

          Bemerkt haben soll der Scout seinen Fehler, als er vor dem verschlossenen und unbeleuchteten Nationalstadion Islands stand. Erst dann wurde er gewahr, dass seine Zugangsberechtigung, die er ordnungsgemäß beim isländischen Verband beantragt hatte, nicht an einem Kassenhäuschen in Reykjavik, sondern an den Toren des Abdullah Bin Khalifa Stadions hinterlegt sind, rund 9000 Kilometer entfernt. Dort besiegte Tschechien den WM-Debütanten Island übrigens mit 2:1.

          Welche Folgen die Irrfahrt für den Scout von Manchester United hat, ist noch nicht bekannt. Aber man ahnt natürlich Böses, da der Cheftrainer José Mourinho bei kleinen Fehlleistungen seines Personals nicht gerade dafür bekannt ist, mit alten Pfadfinder-Tugenden wie „Ein Pfadfinder ist ein Freund aller seiner Mitmenschen“ oder „Ein Pfadfinder ist höflich“ zu reagieren. Einst feuerte er bei Chelsea die Mannschaftsärztin Eva Carneiro, weil sie kurz vor Spielende zur Behandlung des Spielers Eden Hazard aufs Feld eilte, wodurch dieser Spieler die nächste Spielsituation von der Seitenauslinie verfolgen musste. Der Streit war später vor Gericht eskaliert, es ging um Millionenforderungen der Ärztin.

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