Macht hoch die Tür, die Tor macht weit - was man auf dem Kontinent nur singt, wird auf der Insel alle Jahre wieder auch in die Tat umgesetzt. Tore an Weihnachten, eine alte Tradition. Teil dieser Tradition ist es, dass in den englischen Wochen rund um Weihnachtsfest und Jahreswechsel mancher den festen Boden unter den Füßen verliert und so die Punkte einbüßt, die am Ende fehlen - und dass unter diesen Strauchelnden nie Manchester United ist. Das Team von Alex Ferguson ist von legendärer Winterhärte.
Auch in dieser Saison, in der es überfordert schien und zweimal gedemütigt wurde wie seit vielen Jahren nicht mehr, hat es sich zuletzt zu alter Zuverlässigkeit aufgerappelt. Ende Oktober hatte es die historische 1:6-Blamage im Derby gegen Manchester City gegeben, das danach mit fünf Punkten Vorsprung die Tabelle anführte. Und Anfang Dezember das 1:2-Debakel beim FC Basel, durch das United die K.o.-Runde der Champions League verpasste. Ferguson pflegt nach solchen Nackenschlägen zu sagen, es komme immer auf die Antworten an, die ein Team gebe. Es gibt sie in der Premier League. Seit der Niederlage im Derby hat es nur noch beim 1:1 gegen Newcastle vor einem Monat Punkte verloren, alle anderen acht Partien aber gewonnen, und das zuletzt immer überzeugender.
Drei Tore als verspätetes Weihnachtsgeschenk
Dem 5:0 bei Fulham vor einer Woche folgte am „Boxing Day“, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, ein 5:0 gegen Wigan, bei dem es eine Wiederentdeckung gab. Dimitar Berbatow, in der letzten Saison dank einiger früher Schützenfeste gemeinsam mit Carlos Tevez mit 21 Treffern Torschützenkönig der Premier League, am Ende aber mehr und mehr aufs Abstellgleis geraten, schoss in Fulham als Einwechselspieler sein erstes Saisontor. Nun durfte der Bulgare, der einst für Bayer Leverkusen 69 Bundesliga-Tore schoss, erstmals 90 Minuten durchspielen - und lieferte drei Tore als verspätetes Weihnachtsgeschenk.
Die noch willkommeneren Präsente verteilte die Konkurrenz. Chelsea kam gegen Fulham nicht über ein 1:1 hinaus, ebenso wie Liverpool gegen Blackburn. Vor allem stockte erstmals die Tormaschine von City, die zuvor in 17 Spielen 53 Tore geschafft hatte, und erreichte nur ein 0:0 bei West Bromwich Albion. Damit ist der Fünf-Punkte-Vorsprung aufgezehrt, nur die Tordifferenz hält City noch vor United (um fünf Treffer). Dem Lokalrivalen sitzt Fergusons Team wieder im Nacken, und die alten Konkurrenten Chelsea, Arsenal oder Liverpool hält es um beruhigende zehn Punkte oder mehr auf Abstand.
Zündstoff vor Glasgower Derby
Es sind Weihnachtsfeste, wie sie Ferguson liebt. Allzu besinnlich ist er es von klein auf gar nicht gewohnt. In seiner schottischen Heimat wurde nun gar an Heiligabend gespielt. Und weil dabei Tabellenführer Rangers überraschend 1:2 in St. Mirren verlor und der Vorsprung vor Celtic, der zwischenzeitlich zwölf Punkte betragen hatte, auf einen Punkt schrumpfte, ist ordentlich Zündstoff gesichert vor der Neuauflage der „Old Firm“ an diesem Mittwoch. Es ist die 397. Auflage des Glasgower Derbys, des vielleicht hitzigsten in Fußball-Europa.
Welcher der beiden Lokalrivalen wird das Jahr 2011 an der Spitze beenden? Darum geht es nicht nur in Fergusons Heimat Glasgow, auch in seiner zweiten Heimat Manchester. Und wohl niemand wird dort einen Penny dagegen wetten, dass es Manchester United sein wird, zumindest für diesen einen Tag. Denn City spielt erst am Neujahrstag in Sunderland. United spielt aber schon an Silvester, daheim gegen Blackburn. Es ist der 70. Geburtstag von Sir Alex.