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Manchester United Der zeitlose Alex Ferguson altert nicht

06.11.2006 ·  Als Alex Ferguson bei Manchester United zum ersten Mal das Training leitete, konnte Wayne Rooney noch nicht mal krabbeln. An diesem Montag feiert der erfolgreichste Vereinstrainer der Welt bei „ManU“ sein 20jähriges Jubiläum.

Von Christian Eichler, Brüssel
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Drei Jahre lang gab es nichts zu feiern in Old Trafford. Das soll diese Saison anders werden. Am Samstag haben sie schon mal geübt. Zur Feier des Jubiläums ihres Trainers fegte Manchester United den FC Portsmouth, noch vor wenigen Wochen überraschender Tabellenführer der Premier League, 3:0 vom Platz.

Und der Boss lobte sein Team dafür, daß es dabei "keinen Zirkus" veranstaltet habe. Den hätte man ruhig mal erwarten können, denn es war nicht irgendein Jahrestag - es war der zwanzigste für Sir Alex Ferguson bei Manchester United. Das soll ihm im Profifußball erst einmal einer nachmachen, das und die neunzehn Titel, die er dabei gewann. Von allen Seiten wurde er zu diesem Anlaß mit Würdigungen überhäuft, wie sie sonst nur beim Eintritt in den Ruhestand zu hören sind. Ferguson will davon aber nichts wissen.

Rücktrittsgedanken „skandalös“

Der Schotte, der an Silvester 65 wird, nimmt jede Aufforderung zum Rücktritt persönlich und nennt allein den Gedanken "skandalös". Er hat schon einmal aufgehört, 2003, dann aber nach wenigen Monaten den Rücktritt vom Rücktritt vollzogen, weil er sah, daß es nicht ging, United ohne Ferguson, Ferguson ohne United. Seitdem gewannen sie keinen Titel mehr. Erst war Arsenal zu gut, dann zog Chelsea davon. Doch nun sieht er sein Team als stark genug an, den aus unerschöpflicher russischer Geldquelle gespeisten Meister abzulösen (Siehe auch: Geschäftsfeld Fußball: Russische Spielwiesen). Er spüre das Selbstvertrauen, "den Geist und den Glauben in der Kabine", die es möglich machten, diese Saison Titel zu gewinnen.

ManU: Der zeitlose Alex Ferguson altert nicht

Neun Siege in elf Spielen: "Diesen phantastischen Saisonstart", so Ferguson, "müssen wir nutzen." Zum selben Zeitpunkt der letzten Saison hatte ManU schon dreizehn Punkte Rückstand auf Chelsea, nun steht man vorn. Ferguson sieht in seinem Team eine "größere Beständigkeit nach der Zeit des Um- und Neubaus". Eine Meisterleistung bot es beim 4:0 vor einer Woche beim damaligen Tabellendritten Bolton, als der Boss konstatierte: "Der Angriffsfußball der ersten 25 Minuten war der beste, den wir seit Jahren gespielt haben."

Fußball als Kunst der Attacke

Die manchmal berechenbare, stets aber mutige und oft unwiderstehliche Art, Fußball als Kunst der Attacke zu zelebrieren, ist Teil der Klub-Identität, die Ferguson in zwanzig Jahren geprägt hat: "In unserer Geschichte geht es darum, zu gewinnen, indem man Risiken eingeht. Du kannst dir dabei eine blutige Nase holen", räumt er ein, aber: "Es ist der Stil von Manchester United."

Jahrelang lief dieses Spiel auf Ruud van Nistelrooy zu, doch erst nach dem Weggang des holländischen Torjägers zu Real Madrid in diesem Sommer ist der United-Sturm wieder zu einer Wucht geworden. Ferguson hatte stets ein Gespür dafür, wann er Stars loswerden mußte, er tat es mit Hughes, Ince, Stam, Beckham im richtigen Moment, nun auch mit van Nistelrooy, der mit dem herrschsüchtigen Boss in der letzten Saison nicht mehr "konnte" und damit eher zum Hemmschuh wurde. Die Abhängigkeit von dem einen Torjäger ist passe.

Junge Weltstars

Die bereits 26 Saisontore wurden von elf verschiedenen Spielern erzielt. Vor allem der Franzose Louis Saha blüht auf, dazu kommen die funkelnde Klasse der immer noch jungen Weltstars Wayne Rooney und Cristiano Ronaldo und der dritte oder vierte Frühling einiger Klub-Antiquitäten wie Ryan Giggs (16 Jahre United-Profi), Paul Scholes (12 Jahre) oder Gary Neville (14 Jahre). Oder auch Ole-Gunnar Solskjaer: Der Norweger, der 1999 den Siegtreffer im Champions-League-Finale gegen Bayern München schoß, meldete sich nach fast zweijähriger Verletzungspause mit vier Saisontoren zurück.

Die Fähigkeit, aus Kickern Marathonmänner zu machen und Fußball zur Lebensstellung, ist eine von Fergusons besonderen Leistungen. Diese Zeitlosigkeit betrifft aber auch ihn selbst. "Er altert nicht", findet Scholes. "Er genießt immer noch den Trainingsplatz, jeden Tag, sogar in Eiseskälte." Kapitän Neville sagt: "Es würde mich nicht überraschen, wenn er noch fünf oder zehn Jahre weitermacht. Warum sollte er aufhören? Dieser Klub ist eine ständige Herausforderung, das hält ihn jung."

Und es hält sein legendäres Gedächtnis auf Trab, in dem Spieler und Spielzüge ebenso fixiert sind wie die Namen der Eltern von Jugendspielern oder die der Daten, an denen Profis die Sperrstunde überzogen haben. "Einmal rief ich ihn an und fragte ihn nach ein paar Spielern", erzählte Neil Warnock, der Trainer des Aufsteigers Sheffield United. "Und er erzählte mir von jedem einzelnen, seinen Stärken und Schwächen. Ich legte auf und sagte zu mir: ,Ich wette, er kennt sogar den Platzwart von Dunfermline.' Also rief ich noch mal an und sagte: ,Hey, Alex, ich vergaß, dich nach dem Platzwart von Dunfermline zu fragen.' Und bei Gott, er wußte seinen Namen und wo er herkommt."

Quelle: F.A.Z. vom 6. November 2006
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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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