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Mali beim Afrika-Cup Fußball in Zeiten des Krieges

Mali steht an diesem Samstag (19.30 Uhr) beim Afrika-Cup im Viertelfinale gegen Gastgeber Südafrika. Das ist erfreulich und nebensächlich zugleich. Spieler und Trainer sind Botschafter der Aussöhnung für ihre zerrissene Heimat.

© AFP Vergrößern Ein Symbol des malischen Fußballs: Kapitän Seydou Keita

Vuvuzelas in Timbuktu? Djembe-Trommeln auf den Boulevards von Bamako? Es werde keine Fanfeste in Mali geben, sagt Seydou Keita, der Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft des kargen Wüstenstaates. „Wir haben Krieg.“ Es sei selbst in der Hauptstadt Bamako zu gefährlich, nachts auf den Straßen zu feiern.

Gleichzeitig spielen er und seine Mannschaft hier, in Südafrika, beim Afrika-Cup, der kontinentalen Meisterschaft und vertreten ein zerrissenes Land. Und sie vertreten es gut. Gerade erst hat Mali durch ein 1:1 gegen Kongo das Viertelfinale erreicht - ein schönes Ergebnis in einer schlimmen Zeit. Am Samstag (19.30 Uhr) wartet in Durban Gastgeber Südafrika im Kampf um den Einzug in die Vorschlussrunde.

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„La Paix au Mali“ - Friede in Mali - stand in roten Versalien auf dem weißen T-Shirt, das der in der vergangenen Woche 33 Jahre alt gewordene Keita, bis zu seinem Wechsel nach China langgedienter Mittelfeldspieler des FC Barcelona, nach dem 1:0 Malis gegen Niger als „Man of the Match“ zur Pressekonferenz trug. Der Schütze des Siegtores ergänzte die Friedensforderung auf dem Hemd: „un people, un but, une foi“ - ein Volk, ein Ziel, ein Glaube.

Keita ist Muslim. Gefragt, wem er den Sieg und das Tor widme, antwortet der Spieler mit dem dünnen Kinn-Bart im schmalen, sanften Gesicht mit leiser Stimme: „Dem ganzen malischen Volk. Auch meiner Familie in Bamako, besonders meiner Frau und meinen Kindern. Sie haben mir vor dem Spiel eine Nachricht geschickt, um mich zu ermutigen, ein Tor zu schießen - als Botschaft an das ganze malische Land.“

Mit der Tricolore auf Erfolgskurs: der französische Trainer Patrice Carteron © AP Vergrößern Mit der Tricolore auf Erfolgskurs: der französische Trainer Patrice Carteron

Seit einem Jahr halten Islamisten und terroristische Vereinigungen den Norden besetzt und quälen den Großteil der Bevölkerung mit der Scharia. Jegliche Art von (Fußball-)Party ist verboten. Wie auch das berühmte „Festival in the Desert“, bei dem neben Künstlern aus aller Welt auch die in der Szene weltbekannten Musiker Malis wie Salif Keita oder die Sängerin Rokia Traoré auftraten.

Selbst in der noch freien Hauptstadt Bamako finden wegen der verworrenen Lage keine Konzerte und eben auch keine Fußballfeiern statt. Vor Ort hingegen, in den Stadien von Port Elizabeth und Durban, tröten, trommeln und tanzen über tausend Mali-Fans, schwenken ausgelassen grün-gelb-rote Nationalfahnen. Hier ist der Krieg weit weg.

„Die Franzosen werden uns vor den Islamisten retten“

Auch die französische Tricolore weht in der Fan-Gruppe. Nicht wegen des französischen Trainers Patrice Carteron, nicht wegen der 13 Spieler, die in Frankreich ihr Geld verdienen. „Ich habe die französische Fahne aus Dank für die militärische Intervention umgehängt“, sagt Oumou aus Bamako. „Die Franzosen werden uns vor den Islamisten retten.“ Seit einem Jahr herrsche Krieg und Terror in Mali, erzählt Carteron, der Trainer, mit vorwurfsvollem Gesicht.

„Doch erst seit das französische Militär am 11. Januar eingriff, nimmt die Welt das Drama in Mali zur Kenntnis.“ Seit der „Operation Serval“ wende sich die Lage zum Besseren, hat der Trainer aus der Hauptstadt erfahren. In Bamako hatte Carteron aus „Solidarität zu den Menschen“ die Mannschaft in den vergangenen Wochen bis zu Beginn des Turniers vorbereitet. Und nicht in Südafrika wie die meisten anderen Nationen.

An diesem Samstag treffen die Malier im Viertelfinale auf Gastgeber Südafrika © AFP Vergrößern An diesem Samstag treffen die Malier im Viertelfinale auf Gastgeber Südafrika

Drei Profis seines Kaders spielen noch für die Hauptstadt-Klubs Stade Malien und AC Djoliba Bamako. Was hin und wieder enttäuschten Trainern und Spielern nach Niederlagen als tröstende Floskel über die Lippen rutscht, ist aus dem Mund Seydou Keitas Fakt: „Was in Mali passiert, ist wichtiger als ein Fußballspiel.“ Dennoch dürften sie nicht „den Fokus verlieren“, sagt er. „Wir wollen den Menschen in Mali ein bisschen gefühltes Glück und Freude bringen.“

Seydou Keita ist ein feinsinniger Diplomat. Diesen Charakter wusste auch Pep Guardiola bald zu schätzen, nachdem er den Afrikaner 2008 von Sevilla zum FC Barcelona geholt hatte. „Ich habe selten einen Menschen mit dieser Tiefsinnigkeit und Menschlichkeit kennengelernt“, hat der künftige Trainer des FC Bayern München einmal gesagt. „Keita war mein moralischer und ethischer Berührungspunkt.“ In den vier Jahren gewann Keita mit Barça 14 Titel, darunter zweimal die Champions League. Seit vergangenem Sommer verdient er Millionen in China, beim Klub Dalian Aerbin, und hielt sich nach dem chinesischen Saisonende im November beim FC Barcelona in Form.

„Wir haben keine Angst, müssen aber aufpassen“

Krieg und Fußball in Afrika. Neben Mali nehmen auch die vom Terror akut bedrohten Nachbarn in der Krisenregion Sahel am „Afcon“ teil: Algerien, in dessen Süden Dschihadisten ein Massaker im Gasfeld Ain Amenas verübten. Niger, dessen von ähnlichen Terroranschlägen bedrohte Uran-Anlagen im Norden seit ein paar Tagen von französischen Spezialeinheiten geschützt werden.

Der deutsche Nationaltrainer Nigers, der 59 Jahre alte frankophile Badener Gernot Rohr, weiß um die Gefahren seines Aufenthalts. Die französische Botschaft in der Hauptstadt Niamey hat ihm und seinen beiden französischen Assistenten zu Beginn ihrer Arbeit im September 2012 dringend davon abgeraten, Liga-Spiele in Arlit und Agadez im Norden zu besuchen.

Allah is great! Mubarak Wakaso aus Ghana beim Torjubel © AP Vergrößern Allah is great! Mubarak Wakaso aus Ghana beim Torjubel

„Zu gefährlich.“ Auch soll er selbst in Niamey nachts nicht auf die Straße gehen, obwohl der Verband ihm einen Koloss von Bodyguard zur Seite gestellt hat, „der mir auf Schritt und Tritt folgt“. Rohr räumt die Geiselgefahr ein: „Ich weiß um das Risiko, auf das ich mich eingelassen habe. Wir haben keine Angst, müssen aber aufpassen.“

Nach der 0:1-Niederlage Malis gegen Ghana sorgte abermals die Aufschrift auf einem Spielerhemd für besondere Aufmerksamkeit. Nach dem verwandelten Elfmeter stülpte der Ghanaer Mubarak Wakaso (Espanyol Barcelona) sein Trikot über den Kopf und wurde deswegen mit der Gelben Karte bestraft. Es war die zweite, er fehlte deshalb im letzten Gruppenspiel gegen Niger. Auf Wakasos Unterhemd stand vom Hals bis zur Taille: Allah is great!

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 02.02.2013, 16:04 Uhr

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