Home
http://www.faz.net/-gtm-qftg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Magath im Porträt "Quälix"

01.05.2005 ·  Felix Magath hat eine Wandlung vollzogen: Er ist für die Profis nicht mehr so zum Fürchten, kein „Quälix“ mehr. Beim FC Bayern hat er nach größeren Startschwierigkeiten gelernt, Kompromisse mit den Spielern zu finden.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Auf die Bierdusche hätte Felix Magath gut verzichten können, zumal er keinen Alkohol trinkt. Aber sie gehört nun mal dazu, wenn der FC Bayern München deutscher Fußball-Meister wird. Da muß selbst ein Trainer auf der Hut sein, der nicht gerade das Image hat, ein guter Kumpel der Spieler zu sein. Magath gab sich am Samstag nach dem vorzeitigen Titelgewinn nachsichtig mit seinen übermütigen Spielern. "Es ist zwar ein wenig klebrig", sagte der bald 52 Jahre alte Bayern-Trainer, "aber es ist ein tolles Gefühl, das Ziel endlich erreicht zu haben."

Lang genug hatte der Trainer Magath auf eine Meisterfeier warten müssen. Als Spieler holte er mit dem Hamburger SV dreimal den nationalen Titel, zuletzt 1983, dazu zweimal den Europacup, später als Manager des HSV noch den DFB-Pokal (1987). Aber dann war erst einmal Schluß mit Titeln und Erfolgen für Magath. Nach seiner aktiven Karriere wollte der gebürtige Aschaffenburger Trainer werden, stellte diesen Wunsch aber zurück, weil ihm der HSV anbot, als Manager einzusteigen. Als er zwei Jahre später, 1988, entlassen wurde, legte er erst einmal eine Fußball-Pause ein und übernahm für ein knappes Jahr die Leitung eines Sportinstituts, ehe der frühere Nationalspieler sich wieder als Manager versuchte, zunächst beim 1. FC Saarbrücken, später bei Bayer Uerdingen.

Vorliebe für schweißtreibende Konditionseinheiten

1992 sah er die Zeit reif, auf die Trainerbank zu wechseln. Nach ein paar Jahren in Amateurligen übernahm er 1995 die HSV-Profis. Er führte den Klub in seiner ersten Bundesliga-Saison vom vorletzten Tabellenplatz auf Rang fünf und damit in den Uefa-Cup. Ein Jahr später wurde er wegen sportlichen Mißerfolgs vorzeitig entlassen. Auch auf seinen nächsten Stationen 1. FC Nürnberg, Werder Bremen und Eintracht Frankfurt dauerte der anfängliche Jubel nicht an.

Entweder Magath legte sich mit den Verantwortlichen an und trat selbst zurück - oder er wurde nach einem Leistungsabfall der Mannschaft entlassen. In diesen Jahren hat er sich den zweifelhaften Ruf des "Quälix" erworben, wegen seines absolutistischen Führungsstils und seiner Vorliebe für schweißtreibende Konditionseinheiten. "Ich weiß nicht, ob Felix Magath die Titanic gerettet hätte, aber die Überlebenden wären auf jeden Fall topfit gewesen", sagte einmal der norwegische Profi Jan-Age Fjörtoft über seinen damaligen Trainer bei Eintracht Frankfurt. Magath hat jede Emotionalität und Nähe abgelehnt: "Ich bin nicht der Papi der Spieler."

Gelernt, sich zurückzunehmen

Vermutlich hätten es die Spieler seiner früheren Klubs nicht gewagt, sich dem Trainer derart respektlos mit dem großen Weißbierglas zu nähern, wie es die Bayern am Samstag auf dem Betzenberg in Kaiserslautern getan haben, als der Gewinn des 19. Meistertitels der Münchner feststand. Aber Magath hat auch eine Wandlung vollzogen: Er ist nicht mehr so zum Fürchten. Beim VfB Stuttgart hat er es erstmals geschafft, eine Mannschaft nicht nur nach oben zu führen, sondern sie auch langfristig in der Spitze zu etablieren. Er gab sich gegenüber Spielern und Verantwortlichen weniger schroff als früher.

Beim Starensemble des FC Bayern hat er nach größeren Startschwierigkeiten gleich in seiner ersten Saison gelernt, sich noch mehr zurückzunehmen, Kompromisse mit den Spielern zu finden. Die haben ihn mittlerweile schätzengelernt, obwohl sie ihn vielleicht nie so lieben werden wie seinen Vorgänger Ottmar Hitzfeld.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Mai 2005
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche

Nicht gewonnen, nicht verloren

Von Peter Heß

Im Formel-1-Tempo sollte in der durch Korruptionsvorwürfe durchgeschüttelten Fifa aufgeräumt werden. Im Moment bewegt sie sich mit der Geschwindigkeit eines Motorrollers. Mehr 1

Ergebnisse, Tabellen und Statistik