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Magath im Interview „Mir kann keiner einreden, daß die Saison schlecht sein soll“

08.05.2006 ·  Bayern-Trainer Felix Magath im Interview mit der Sonntagszeitung über den Hund von Uli Hoeneß, fehlende Anerkennung, die Qualität der Bundesliga, die Zeit nach Michael Ballack und seine Zukunft beim FC Bayern München.

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Bayern-Trainer Felix Magath im Interview mit der Sonntagszeitung über den Hund von Uli Hoeneß, fehlende Anerkennung, die Qualität der Bundesliga, die Zeit nach Michael Ballack und seine Zukunft beim FC Bayern München.

Gibt es etwas Besseres als Bayern-Trainer zu sein?

Hund bei Uli Hoeneß, glaube ich. Ich kann mich erinnern, als ich anfing in München, hat unser Manager gesagt, er könne sich nur zwei schönere Dinge vorstellen im Leben: Trainer bei Bayern oder Hund bei Hoeneß zu sein.

Trotzdem haben Sie vor kurzem gesagt, es fehle Ihnen ein wenig die Anerkennung.

Ich habe weniger von mir gesprochen, sondern mehr vom FC Bayern. Natürlich: Wer will keine Anerkennung, ich will sie auch. Aber daß ich sie bekomme, das habe ich mir im Bundesliga-Geschäft schon abgeschminkt.

Haben Sie deshalb laut nachgedacht über einen Job im Ausland? Das überrascht am Ende einer Saison, in der Sie das Double zum zweiten Mal gewonnen haben, schon etwas.

Ich habe doch nur gesagt, was ich schon seit zehn Jahren sage. Es war immer schon ein Wunsch von mir, irgendwann einmal im Ausland zu arbeiten. Mich interessiert, ob ich dort mit meinen Fähigkeiten, mit meiner Persönlichkeit zurechtkommen würde. Das hat gar nichts mit Deutschland oder dem FC Bayern zu tun.

Sehen Sie diese Bayern-Saison trotz des sportlichen Erfolgs ebenso mit gemischten Gefühlen wie andere, die vor allem an der Spielweise Anstoß nehmen?

Dagegen wehre ich mich. Mir kann mit diesen Erfolgen keiner einreden, daß diese Saison schlecht sein soll.

Aber Ihr Renommee hat schon gelitten - gerade nach dem Mailand-Spiel, weil Sie die Gründe für die Niederlage nicht bei der Mannschaft suchten und die Verliererrolle nicht annahmen.

Ja, das war sicher nicht gut für mich.

Würden Sie es wieder machen?

Ja, natürlich. Ich habe mir das Spiel noch mal angeschaut, und ich bin auch jetzt der Meinung, daß wir genauso gut gespielt haben wie Mailand, uns aber katastrophale Fehler unterliefen, die uns normalerweise nicht passieren. Wir hatten einen schlechten Tag, deshalb sind wir ausgeschieden.

Der Anspruch des FC Bayern ist, wenn ein neuer Trainer kommt, der begeisternde, offensive Fußball. Das war bei Ottmar Hitzfeld am Anfang so, was sich dann später in der Realität auf dem Platz bald änderte, und auch bei Ihnen können die guten Spiele in diesem Jahr an einer Hand abgezählt werden.

Das stimmt.

Wollen Sie die Spielphilosophie deshalb verändern?

Mit dem Weggang von Michael Ballack als spielbestimmende Persönlichkeit ändert sich sowieso viel in der Mannschaft. Für einen Trainer ist das eine hochinteressante Aufgabe. Nichts gegen Michael Ballack - er ist ein kompletter Spieler mit großer Stärke im Abschluß, aber eben weniger der Vorbereiter. Wenn jetzt ein neuer Spielertyp kommt, der mehr vorbereitet als selbst abschließt, dann ändert sich unsere gesamte Spielweise. Wir werden mehr spielen.

Keine schlechte Voraussetzung.

Man weiß nicht, ob wir damit genauso erfolgreich sind. Mit Michael Ballack war unser Spiel sehr effektiv. Diese Effektivität dürfen wir nicht ganz verlieren.

Wie sehen Sie derzeit die harsche Kritik an Michael Ballack? Schont er sich auf Kosten des FC Bayern für andere Aufgaben?

Ich finde es ungerecht, wie Michael behandelt wird. Die Jahre beim FC Bayern waren nicht nur für ihn, sondern auch für den Klub sehr erfolgreich. Natürlich hat er keine Riesenrückrunde gespielt, was an seiner persönlichen Situation liegt. Es hätte mich wirklich gewundert, wenn er in dieser Phase in Bestform brillieren würde. Deshalb war es wahrscheinlich im Nachhinein sein einziger Fehler, daß er nicht frühzeitig gesagt hat, daß er ins Ausland will. Das ist ja nichts Verwerfliches, hat aber viel Unzufriedenheit hervorgerufen. Das schlägt jetzt zurück.

Wie sieht jetzt Ihre Vision vom Bayern-Spiel aus, nach der Sie wohl auch Ihre Neuverpflichtungen auswählen werden?

Es wird immer so getan, als könnte ein Trainer frei jonglieren. Ich werde mit dem arbeiten, was da ist.

Es fallen neue Namen wie Lincoln oder van Buyten. Ist das nicht das alte Konzept des FC Bayern, sich vor allem in der Bundesliga zu bedienen, um erst einmal die Konkurrenz im eigenen Lande zu schwächen? Als die Bundesligaspieler noch gehobene Klasse hatten, funktionierte das. Aber heute ist damit international wenig zu gewinnen.

Was wollen wir machen? Wen wollen Sie denn vom internationalen Markt wegkaufen? Es ist viel teurer, einen Spieler dort wegzuholen als einen aus der Bundesliga.

Sie müssen also das Beste aus dem machen, was in der Bundesliga herumläuft, bleibt's dabei?

Ja klar, und damit habe ich kein Problem. Ich sehe nicht ein, weshalb aus Bundesligaspielern nicht eine Mannschaft zusammengestellt werden könnte, die international erfolgreich sein kann. Ich bin überzeugt, daß so eine Mannschaft den Europapokal gewinnen kann.

Wirklich?

Es wird für mich die Aufgabe sein, im Urlaub darüber nachzudenken, wie ich das umsetzen will.

Beim FC Bayern gibt es derzeit viele widersprüchliche Aussagen. Willy Sagnol fordert mehr Risiko bei der Transferpolitik. Uli Hoeneß sagt, man werde nicht viel investieren. Und Owen Hargreaves sieht plötzlich in Roque Santa Cruz, der gerade wieder ein Spiel von Anfang an bestritten hat und vor seiner Verletzung meistens nur Ergänzungsspieler war, einen wie Kaka, was nichts anderes heißt, als daß die bestehende Mannschaft ohne Ballack in Zukunft ausreichendes Potential habe für höhere Ziele. Ist das nicht sehr konfus?

Das sind für mich Momentaufnahmen. Ein Spiel, und schon wird eine Meinung gebildet. So kann ich als Trainer nicht arbeiten. Ich muß eine Linie haben. Bei so vielen Meinungen ist es natürlich schwierig, seine Linie beizubehalten. Ich habe immer gesagt, schon vor dem Ausscheiden aus dem Europapokal, daß wir natürlich in der Lage sind, international mitzuspielen mit den sogenannten Großen.

Sie haben einmal gesagt, daß Sie drei Jahre als Trainer bei einem Verein für einen guten Zeitraum halten. Ihr Vertrag läuft 2007 aus, dann wären Sie genau drei Jahre beim FC Bayern - so lange wie nirgendwo zuvor.

Nein, ich bin Rekordhalter in Stuttgart, da war ich dreieinhalb Jahre. So lange wie dort kein anderer Trainer zuvor.

Bei Bayern wird es mit einem Rekord aber schwierig.

Vielleicht. Die Frage ist, ob jemand hundertprozentig hierher paßt. Wenn ja, wäre die Länge der Zusammenarbeit ausdehnbar.

Passen Sie hundertprozentig zum FC Bayern?

Was soll ich sagen? Es gab Dinge, die ich erst begreifen mußte. Denn Bayern ist schon anders als jeder andere Bundesligaklub. Insofern habe ich mich hier ziemlich anpassen müssen. Aber ich glaube, daß ich gut herpasse.

Das Gespräch führten Michael Ashelm und Elisabeth Schlammerl.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.05.2006, Nr. 18 / Seite 18
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