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Lukas Podolski Großer Sprung in kleinen Schritten

12.09.2006 ·  „Ich komme rein und gebe Gas.“ Lukas Podolski scheint für seine Einsätze von der Bank aus eine simple Strategie entwickelt zu haben. Doch nach seinem ersten Bayern-Tor sind die Chancen auf einen Champions-League-Einsatz von Beginn an gut.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Es muß ein schönes Gefühl gewesen sein für Lukas Podolski in den vergangenen Wochen. Natürlich nicht, daß er bei seinem neuen Verein FC Bayern München die meiste Zeit auf der Bank saß, sondern daß sich ebendeshalb beinahe die ganze Fußball-Republik um sein Seelenheil gekümmert hatte. Um sich selbst hat Podolski sich offenbar nicht allzu große Sorgen gemacht. „Ich habe nie gesagt, daß ich Frust habe.“

Und tatsächlich hat sich „Poldi“, wie er landauf, landab genannt wird, auch noch nie über seine Rolle als Ersatzspieler in München beschwert. Das erledigten andere für ihn. In erster Linie schwang sich natürlich der Boulevard als großer Fürsprecher des deutschen Nationalstürmers auf; dort wurde nach den vier Toren von Podolski im Europameisterschafts-Qualifikationsspiel gegen San Marino am vergangenen Mittwoch sogar gefragt: „Spinnen die Bayern?“ Was man beim Meister von derlei Schlagzeilen hält, ließ Bayern-Manager Uli Hoeneß auf sehr deutliche Weise wissen: „Vier Tore gegen eine Busfahrertruppe sind kein Argument für einen Stammplatz.“

Gegen Moskau wohl von Anfang an

Schon eher der Auftritt im Pokal beim FC St. Pauli am Samstag. „Nicht das Tor“ (zum 1:1), sagt Trainer Felix Magath, Podolskis erstes für den FC Bayern in einem Pflichtspiel, sei wichtig gewesen, „sondern die Art und Weise, wie er gespielt hat“. Dabei war sein Einsatz gar nicht geplant, denn Magath hätte Podolski nach der Länderspielwoche gerne geschont, sah nach dem Rückstand der Münchner aber in der Halbzeit Handlungsbedarf. Des Trainers lobende Worte lassen nun den Schluß zu, daß Podolskis Bankzeit zu Ende ist und er an diesem Dienstag beim Champions-League-Auftakt der Bayern gegen Spartak Moskau (20.45 Uhr im FAZ.NET-Liveticker) in der Allianz Arena zum ersten Mal von Anfang an dabeisein wird. Gründe dafür, ihn wieder nur einzuwechseln, gibt es tatsächlich kaum mehr. „Mal sehen, ob ich noch welche finde“, scherzte Magath.

Die Frage lautet also höchstens noch, wer nun draußen bleiben muß: Roque Santa Cruz oder Roy Makaay. Bisher hatte Podolski stets Makaay ersetzt, wenn er ins Spiel kam, auch weil Magath offenbar findet, daß der ehemalige Kölner mit seiner Spielweise besser zu Santa Cruz paßt. Aber der Paraguayer hat bisher noch kein Tor erzielt, Makaay dagegen zwei. Er war außer am Samstag stets der auffälligere der beiden Münchner Stürmer. Aber der letzte Eindruck zählt wohl, und der könnte für Santa Cruz sprechen. „Roy war wieder nicht aktiv genug, so kann er nicht neben Lukas spielen“, sagte Magath.

„Ich komme rein und gebe Gas“

Podolski schert sich natürlich wenig darum, wem er den Platz wegnimmt, eben genausowenig, wie ihn die Situation in den vergangenen Wochen beim FC Bayern belastet hat. „Ich komme rein und gebe Gas. Alles andere kommt von alleine.“ Vermutlich hat er selbst genau gewußt, daß er nach der Weltmeisterschaft und der damit verbundenen kurzen Vorbereitung noch nicht in Bestform sein kann. Dazu kam der Ein- und Umgewöhnungsprozeß, denn der Wechsel vom Absteiger 1. FC Köln zum Rekordmeister FC Bayern, hob der Aufsichtsratsvorsitzende Franz Beckenbauer hervor, „das ist ein großer Sprung“.

Diesen großen Sprung bewältigte Podolski mit Hilfe von Magath in kleinen Schritten: Zwei Minuten hat er gegen Dortmund gespielt, zwölf in Bochum, 33 gegen Nürnberg und nun eine Halbzeit und eine Verlängerung lang beim FC St. Pauli - rechtzeitig zum Start der Champions League mit den vielen englischen Wochen scheint er angekommen zu sein in München. „Jetzt ist er soweit“, sagt Magath, der Podolskis Integrationsprozeß behutsam vorantrieb - gegen viele Widerstände.

Die kamen nicht nur von außen, sondern sogar aus der Führungsriege des eigenen Vereins, denn der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hatte vor dem Saisonstart sanft eine Stammplatzforderung für Podolski formuliert. „Wir haben ihn langsam herangeführt“, sagt nun, knapp zwei Monate später, Magath. „So, wie es gelaufen ist, haben wir alles richtig gemacht.“ Zumindest bisher.

Quelle: F.A.Z. vom 12. September 2006
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