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Lukas Podolski Erdverbunden, ungeschminkt

18.06.2005 ·  Lukas Podolski ist wieder daheim: Köln feiert seinen Nationalspieler vor dem Confederations Cup-Spiel gegen Tunesien - und der FC Bayern wartet schon.

Von Michael Horeni
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Nebelschwaden hängen tief zwischen den Bäumen. Plötzlich zerreißt Geschrei die Stille, und eine Horde junger Leute stößt aus dem Dickicht hervor. Lukas Podolski vorneweg, das Gesicht erdverschmiert und dem Ball vor seinen Verfolgern nachjagend.

Es ist eine Szene aus dem Werbespot von Adidas, der seit einigen Monaten im Fernsehen und im Kino läuft. Er ist mit viel Aufwand und zahlreichen Stars produziert. Der Franzose David Trezeguet ist dabei, der Italiener Alessandro del Piero, der Holländer Arjen Robben und auch der Argentinier Javier Saviola, Superstars in ihren Vereinen und Ländern allesamt. Aber der kurze Streifen will nicht die glamouröse Seite des Geschäfts ausleuchten, sondern ein urwüchsiges Bild von Fußballstars zeichnen, das es in der Wirklichkeit längst nicht mehr gibt. Junge, zu Millionären gemachte Männer, die auf der Straße oder im Wald bolzen, einfach so, aus Spaß am Spiel, aus Leidenschaft. Das ist die Botschaft.

Das ewig lachende Gesicht eines Teams

Lukas Podolski allerdings muß nicht erst mit Erde geschminkt werden, um die tatsächlichen Kräfte zu dokumentieren, die ihn antreiben. "Das ist ein Typ, der geht auch nach einem Länderspiel noch mit seinen Kumpels auf den Bolzplatz kicken", sagt Oliver Bierhoff, der Manager der deutschen Nationalmannschaft. Eine bessere Gelegenheit, als diese zwei Seiten seines Lebens am Samstag miteinander zu verbinden, wird es für den Kölner Podolski so bald nicht geben. Denn die Nationalelf tritt in der Heimatstadt des FC-Stürmers zum zweiten Gruppenspiel des Confederations Cups gegen Tunesien an. Podolski, das ewig lachende Gesicht eines Teams, das noch seinen Weg sucht, gehört mittlerweile schon wie selbstverständlich zur Startformation; sein Treffer beim 4:3 gegen Australien zum Auftakt tat ein übriges, seine Stellung weiter zu festigen.

Jedes Turnier hat seinen Helden. Beim Confederations Cup wird der Brasilianer Ronaldinho die Herzen der deutschen Fußballfans erobern. Die Stars der Mini-WM im Überblick.

Der "Hype", von dem Podolskis Berater Kon Schramm seit nun mehr als über einem Jahr spricht, wenn es um die Außenwirkung des 20 Jahre alten Stürmers geht, wird an diesem Samstag vermutlich einem neuen Höhepunkt zustreben. "Auf das Spiel gegen Tunesien freue ich mich am meisten", sagte der Kölner schon vor dem Turnier, "das ist ja mein Heimatstadion, dort wird ein besondere Stimmung sein."

Sehnsucht der Fans nach dem einfachen Jungen

Die deutschen Fans haben den in Gleiwitz geborenen Sohn eines polnischen Handball-Ehepaars, die es beide in die Nationalteams brachten, im Rekordtempo zum nationalen Idol erhoben. In der künstlichen Welt der vorgefertigten Image-Abziehbilder verkörpert "Poldi" wie kein anderer die Sehnsucht der Fans nach dem einfachen Jungen aus dem Volk, der nur eins im Kopf hat und sich nicht kirre machen läßt von dem vielen Geld, den Medien und den Sponsoren: Tore schießen. Das macht er mit einer schnoddrigen Selbstverständlichkeit, wie sie seit Gerd Müller nicht mehr vielen deutschen Spieler seines Alters gegeben war. Nach der Premiere in Frankfurt war Podolski auch der einzige deutsche Spieler, den das Publikum namentlich feierte.

An Podolski aber scheint der Rummel um seine Person wie durch eine Schutzschicht abzuprallen. "Ich habe so etwas noch nicht erlebt, und ich mache das Geschäft schon ein paar Jahre", sagt sein Berater, "wie Lukas damit umgeht, das imponiert mir fast noch mehr als seine sportliche Leistung." Auch den Bundestrainer treibt nicht für eine Sekunde die Sorge um, Podolski könnte angesichts des schnellen Ruhms irgendwann den Boden unter den Füßen verlieren. Vielmehr ist die Kölner Symbolfigur, die zusammen mit ihrem bayerischen Freund Bastian Schweinsteiger Spiel und Stimmung der DFB-Auswahl belebt, die erdige Verbindung vom gemeinen Fußballvolk zu den Höhen der Nationalelf.

Der Ball muß ins Tor, egal wie"

Aber recht besehen, paßt dieser Prototyp aus der deutschen Fußball-Urzeit gar nicht in die neue Nationalmannschaft, in das Anforderungsprofil, das Bundestrainer Jürgen Klinsmann und sein Betreuerteam seit knapp einem Jahr zeichnen. Mit generalstabsmäßiger Akribie schaffen sie Zusatzangebote, um die Persönlichkeitsentwicklung der Spieler zu forcieren, sie bieten Sprachkurse an, Medienschulung und psychologische Hilfe. Podolskis zeitlose Fußball-Wahrheit dagegen paßt in einen einzigen Satz: "Der Ball muß ins Tor, egal wie."

Auch gegen Tunesien, das ist für Podolski keine Frage. Wenn sie gewinnen, haben die Deutschen das Halbfinale erreicht. Fertig. Dann kommt das Halbfinale, dann das Finale. Er wolle das Turnier gewinnen, sagt Podolski. Dafür ist er hier. Warum auch sonst? Mittlerweile knüpfen sich an seine Tore und an seine Dynamik immer größere Hoffnungen. In der Jugend hat er mal über einhundert Tore geschossen, in der zweiten Liga waren es jetzt 24, das reichte zum Aufstieg. Vor zwei Wochen wurde er zwanzig Jahre alt, aber schon fünf Mal wurde er in der "Sportschau" zum Torschützen des Monats gewählt. Gerd Müller, der Bomber der Nation, hat dafür sein ganzes Fußball-Leben gebraucht.

Köln ist schon jetzt zu klein geworden

Natürlich ist auch der FC Bayern schon auf diesen Stürmer, dem die Experten eine große internationale Zukunft vorhersagen, aufmerksam geworden. Sein Berater will ihn daher auch als Werbeträger behutsam aufzubauen. Nur große Unternehmen kommen dafür in Frage. Sein Kumpel Schweinsteiger versucht ihn derzeit immer wieder auf seine spaßige Art, von den Vorzügen des Rekordmeisters zu überzeugen, Bayern-Manager Uli Hoeneß hat ihn dazu gar nicht erst animieren müssen. Podolski aber verweist nur auf seinen Vertrag, der in Köln bis 2007 läuft.

Köln ist jedoch schon jetzt zu klein geworden für Podolski. Auf die Straße kann er nicht mehr gehen, ohne einen Massenauflauf zu provozieren. Sein Management gibt sich aufgeschlossener. Wenn der FC bald international spiele, weshalb solle Podolski dann nicht in seinem Heimatklub bleiben, sagt sein Berater. Aber daran glaubt natürlich niemand. Falls seine stürmische Entwicklung so weitergeht, wird Köln an diesem Samstag vermutlich zum letzten Mal seinen Nationalspieler Lukas Podolski feiern.

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