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Lukas Podolski Der degradierte Kölner Prinz

25.07.2011 ·  Am Schluss war es keine Überraschung mehr: Kölns neuer Trainer Solbakken entschied sich gegen Lukas Podolski und machte den Brasilianer Pedro Geromel zum neuen FC-Spielführer. Sieht so „volles Vertrauen“ aus

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Auf dem Trainingsplatz ließ Lukas Podolski sich nichts anmerken. Der Stürmerstar des 1. FC Köln verrichtete gewissenhaft seine Arbeit und erweckte lachend den Eindruck, Spaß daran zu haben. Nach dem Montagsdienst am Ball aber hatte er es eilig. Podolski wollte das Thema des Tages nicht kommentieren, obwohl er selbst im Mittelpunkt der heikelsten Kölner Personalfrage vor Beginn der Fußball-Bundesligasaison stand, die in knapp zwei Wochen beginnt.

Während Podolski das Geißbockheim schweigend durch einen Hinterausgang verließ, erläuterte sein Vorgesetzter in wohlgesetzten Worten, warum er dem beliebtesten Kölner Profi das Kapitänspatent entzogen und Abwehrchef Pedro Geromel zum neuen Spielführer ernannt hat. „Geromel steht im Zentrum der Mannschaft, er wird als Kapitän die neue Kultur des Teams vorleben und unser sportliches Gesamtkonzept verkörpern“, sagte Stale Solbakken.

Geromel mittendrin, Podolski nur dabei? Das könnte an der Basis (und wohl nicht nur dort) Überraschung und Unverständnis hervorrufen. Damit rechnet sogar der Trainer. Er könne sich vorstellen, „welche Reaktionen diese Entscheidung auslöst, und „verstehe die Enttäuschung einiger Fans“, sagt Solbakken. Der norwegische Fußball-Lehrer ließ sich von der Absicht leiten, „die besten Voraussetzungen für den sportlichen Erfolg des Teams zu schaffen.“ Dafür sieht er Geromel als idealen Mann. „Er ist der akzeptierte Sprecher und Vertreter der Mannschaft, übernimmt Verantwortung auf dem Platz, setzt das taktische Konzept um und ist ein wichtiger Leistungsträger“.

Überraschende Erkenntnis

In den Augen des Trainers verkörpert Podolski all diese Vorzüge offenbar nicht in dem Maße, wie es notwendig wäre, um weiterhin die Kapitänsbinde zu tragen. „Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden muss, auch ohne Kapitänsbinde sind die Erwartungen an Lukas Podolski sehr hoch.“ Das klingt, als müsste ein 89-maliger Nationalspieler, der in der Stadt und im Verein den Status einer Ikone besitzt, vor dem Druck geschützt werden, den die Kapitänswürde mit sich bringt. Diese vermeintliche Erkenntnis kommt für viele überraschend. Podolskis Mitspieler wollten sich zu der Entscheidung nicht äußern.

Podolski war erst im Januar vom damaligen Trainer Frank Schaefer, seinem früheren Förderer und Jugendcoach, zum Spielführer ernannt worden und danach in einem nervenaufreibenden Abstiegskampf durch Tatkraft und Durchsetzungsvermögen aufgefallen. Dass Spieler dieser Art und Güte auch ein gewisses Ego vor sich her tragen, ist gerade in Köln nichts Neues, von der Masse aber akzeptiert und sogar gewollt. Der Ausgebootete hatte jedenfalls nicht vor, sich dem angeblichen Druck zu beugen. Als sich vor ein paar Tagen abzeichnete, was der Trainer für Pläne mit (oder besser: ohne ihn) haben könnte, bekräftigte Podolski, wie stolz es ihn mache, FC-Kapitän zu sein. Er denke gar nicht daran, seine Position zur Verfügung zu stellen, sagte er.

Um so deprimierender muss es Podolski als einem der berühmtesten und beliebtesten Kölner vorkommen, nicht einmal zweite Wahl zu sein, sondern auch noch Neuzugang Sascha Riether, einen unscheinbaren Profi aus Wolfsburg, als Ersatzkapitän vor die Nase gesetzt zu bekommen. Die Frage ist, ob Solbakken wirklich glaubt, dass Geromel und Riether als Führungskräfte geeigneter sind, oder ob er sich, als in Deutschland noch unbekannter Trainer, rasch Respekt verschaffen will.

Sieht so „volles Vertrauen“ aus?

Indem er angeblich Druck von Podolski nehmen wollte, hat der Norweger sich selbst Druck geschaffen. Dem kann er nur standhalten, wenn sich rasch Erfolg einstellt. Solbakken verkauft die Entscheidung gegen Podolski als Maßnahme im Interesse der Mannschaft. Das zeugt zumindest von Mut. Der Trainer hat das Recht und die Pflicht, eigene Akzente zu setzen und die Struktur der Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu verändern, um den Erfolg zu steigern - bei Podolski damit anzufangen, erscheint riskant.

Um den Schmerz des entthronten Fußball-Prinzen zu lindern, hielt Solbakken am Montag - nicht nur auf Geromel - eine kleine Laudatio. „Lukas Podolski genießt mein volles Vertrauen.“ Das Trainerteam sei überzeugt von der „herausragenden spielerischen Qualität und der Leistungsbereitschaft“ des kölschen Idols, das aufgrund seiner Persönlichkeit weiter „eine Verantwortung über den Verein hinaus“ zu tragen habe. Aber sieht so „volles Vertrauen“ aus? Jedenfalls nicht, wenn es um eine Frage der Ehre geht, wie es Podolski sieht. Egal wie Solbakken seinen Entscheid etikettiert - letztlich läuft es doch auf eine Degradierung Podolskis hinaus - das ist ein Plot, der besonders in Köln viel Konfliktstoff birgt.

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