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Lothar Matthäus Von Falle zu Falle

21.09.2011 ·  Wieder einmal ist Lothar Matthäus nun auf der Suche. Doch mit dem Leben, das er führt und liebt, wird sein Traum von einem großen Trainerjob unerfüllt bleiben.

Von Peter Heß
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© dpa Bulgarien ist Vergangenheit, Lothar Matthäus muss sich einen neuen Trainerjob suchen

Wenn ihn der Rauswurf getroffen hat, an der Stimme ist es Lothar Matthäus nicht anzumerken. Aufgeräumt, als hätte der bulgarische Fußballverband seinen Vertrag als Nationaltrainer verlängert und nicht vorzeitig beendet, erzählt der deutsche Rekordnationalspieler von seiner letzten Festanstellung.

„Da sieht man wieder mal, wie schnell es im Fußball gehen kann“, stellt er ohne Anflug von Traurigkeit fest und berichtet von der großen Zufriedenheit, die in Bulgarien noch vor sechs Wochen ob seiner Arbeit geherrscht hätte. Per Handschlag sei sein Vertrag bis zum Ende der WM-Qualifikation für die Endrunde in Brasilien 2014 verlängert worden, Verbandspräsident Borislaw Michailow habe ihn schon beauftragt, die Verbände von Italien und Tschechien wegen der Organisation der Länderspiele anzuschreiben.

Am Montag war von dem Respekt, den Matthäus meinte, sich erarbeitet zu haben, nichts mehr zu spüren: „Bulgarien hat unter ihm nur ärmliche Resultate erreicht, und es gibt Spannungen zwischen ihm und den Spielern“, gab Präsident Michailow dem 50 Jahre alten deutschen Fußball-Lehrer zum Abschied mit auf den Weg. Matthäus mag diese Aussagen nicht kommentieren. Für ihn gebietet es die Professionalität, sauber aus einer Trennung herauszugehen. Vielleicht wird es ihm aber auch als Zeichen von Schlichtheit ausgelegt, wenn er sagt: „Ich habe viele Freunde in Bulgarien zurückgelassen und werde mit Sicherheit zurückkommen.“

„Schlag den Lothar“ ist in Deutschland schon seit längerem ein beliebtes Spiel. Das Ansehen, das sich der Fußballprofi während seiner über 20 Jahre währenden Karriere aufgebaut hat, ist in den vergangenen 15 Jahren durch die Schlagzeilen in der Boulevardpresse über sein bewegtes Privatleben atomisiert worden. Dazu hat er selbst beigetragen, durch viele ungeschickte Kommentare und durch den Versuch, mit einigen Medien zu kungeln. Seine Vorstellung, die Berichterstattung über seinen Öffentlichkeitsdrang kontrollieren oder auch nur lenken zu können, hat sich als fatal erwiesen. Matthäus wurde immer wieder bloß gestellt, in einem Ausmaß wie kaum ein anderer Prominenter.

„Es gibt einige sehr hübsche Cheerleader“

Bis nach Bulgarien wurde das Bild vom Testosteron gesteuerten Mann mit der Neigung für junge Frauen transportiert. Selbst der bulgarische Ministerpräsident Bojko Borissow meinte, den deutschen Fußball-Helden verhöhnen zu müssen. Sogar seine Mannschaft Vitosha Bistritsa aus der dritten Liga würde besser als die Nationalelf verteidigen, wurde der Politiker zitiert. Und überhaupt wäre Matthäus bei seinem Heimatklub gut aufgehoben: „Er würde sich hier nicht langweilen. Es gibt einige sehr hübsche Cheerleader.“ Solche Beleidigungen gegen Idole wie Franz Beckenbauer oder Rudi Völler gerichtet, würde einen deutsch-bulgarischen Fußball-Krieg in der Boulevard-Presse auslösen, im Fall Matthäus wurden die Spitzen nur genüsslich zitiert.

„Das ist ungerecht, anderen wird ihr Privatleben verziehen, nur mir nicht.“ Bei diesem Satz ist die Verärgerung bei Lothar Matthäus deutlich herauszuhören. Er nennt die Namen der Fußballgrößen, deren Fehltritte von der Öffentlichkeit verdrängt wurden. Später ruft Matthäus noch einmal an und möchte, dass die Namen nicht zitiert werden, weil er keinen Ärger bekommen möchte.

„Ich brauche Spaß, um erfolgreich arbeiten zu können“

Dumm ist Matthäus nicht, auch wenn diese Eigenschaft in das Bild passt, das viele von ihm haben möchten. Aber er ist zu impulsiv, um jeder Falle auszuweichen, die ihm gestellt wird. Und er liebt das Leben, das er führt, zu sehr, als dass er verstehen könnte, dass er es aufgeben muss, um eines Tages einen richtigen Trainerjob zu bekommen, in der Bundesliga oder in der Champions League. „Ich will mich nicht Tag und Nacht einsperren, um einen Job zu bekommen. Ich brauche Spaß, um erfolgreich arbeiten zu können.“ Er wisse auch, dass er eine Vorbildfunktion bei den Spielern erfüllen müsse, aber das tue er am Rasen. „Ich habe meine Aufgaben als Trainer immer professionell erfüllt, und werde es bis an mein Lebensende immer tun.“

Dass Lothar Matthäus ein guter Trainer ist, wird ihm immer wieder bestätigt. In Ungarn, wo er als Nationalcoach an seinem größten Tag Deutschland besiegte. In Belgrad, wo er mit Partizan Meister wurde und sich für die Champions League qualifizierte. Und auch in Bulgarien fanden sich viele Stimmen, die sein Engagement und sein Konzept lobten, bis Anfang September zwei Niederlagen innerhalb von fünf Tagen, das 0:3 gegen England und das 1:3 gegen die Schweiz, ihn aus dem Sattel hoben.

In Bulgarien kam es zu Spannungen mit Nationalspielern

„Ich gehe mit reinem Gewissen“, sagt Matthäus über seine Zeit in Bulgarien. In einem Land mit großen finanziellen Schwierigkeiten und einem gewissen Korruptionsproblem hat er mit Leidenschaft versucht, Talente heranzuführen und ältere Profis zu motivieren. Dass es zu Spannungen mit einigen Spielern kam, das kann er bestätigen: „Mit solchen, die die Nationalmannschaft genutzt haben, um andere Dinge zu erledigen als so gut wie möglich für ihr Land zu spielen.“

Matthäus ist von seinem Rauswurf nicht überrascht, die Gegenkräfte hätten immer stärker Rückenwind bekommen. Einen Plan für seine Zukunft habe er dennoch nicht entwickelt. Zunächst wolle er Kraft sammeln und danach schauen, was sich ergibt. Ob bei einem Verband oder einem Klub, sei ihm einerlei. Ob der Hamburger SV schon mit ihm Kontakt aufgenommen hat? „Nein.“ Es klang nicht so, als ob Lothar Matthäus es erwartet hätte.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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