Home
http://www.faz.net/-gtm-75f5g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Lionel Messi Der Beste der Besten

Lionel Messi hat im Jahr 2012 die Frage nach dem größten Fußballspieler geklärt. Er ist ein Weltenzertrümmerer und Weltenerschaffer - dabei ist er ein guter Mensch geblieben.

© dpa Vergrößern Kein einsames Genie: Lionel Messi hat das Glück, in die beste Mannschaft der Welt hineingeboren zu sein. In ihr hat er seinen Platz gefunden – mittendrin, als Bester der Besten.

Das Jahr 2012 wird in die Fußballgeschichte als jenes Jahr eingehen, in dem die Glaubenskriege endeten, um Platz für die Herrschaft des Friedens und der Eintracht zu machen. Denn es hat letzte Zweifel beseitigt und selbst die starrköpfigsten Ketzer verstummen lassen. Sie stellen nicht mehr die gotteslästerliche Frage, ob Lionel Messi derzeit der beste Fußballspieler der Welt sei, weil auch sie begriffen haben, dass es längst um etwas Größeres, Wichtigeres geht, um eine Frage, die Messi selbst in den nächsten Jahren am besten beantworten kann: ob er der größte Fußballspieler aller Zeiten ist, der Primus inter Pares im Kicker-Olymp, flankiert von Pelé und Puskas, Beckenbauer und Cruyff, Maradona und Zidane.

Jakob Strobel y Serra Folgen:  

Es ist keine Frage von geschmacklichen Präferenzen, ob Messi dieser Rang gebührt, sondern von guten Gründen. Vielleicht der beste von allen ist die Permanenz seiner Qualität. Seit er auf dem Fußballplatz steht, wird er immer besser, übertrifft sich von Jahr zu Jahr, sprengt Grenzen im Akkord, setzt einen neuen Rekord nach dem anderen. Wo, fragt man sich manchmal etwas bang, soll das alles noch enden, der Junge ist doch erst fünfundzwanzig? In der schnelllebigen Fußballbranche, in der Weltkarrieren oft nur zwei Saisons lang halten und dann in einer Agonie aus Übergewicht, Dauerparty und Drogensumpf enden, ist Messi ein Phänomen an Beständigkeit - kein Ronaldo, kein Ronaldinho, kein Kaká, sondern eine Qualitätskonstante, die offenbar gar nicht weiß, was eine Formkurve, und schon gar nicht, was eine Formkrise ist. Dass sich Messi so gut wie nie ernsthaft verletzt, hilft ihm dabei natürlich sehr und ist gleichzeitig ein Ausweis seiner herausragenden spielerischen Intelligenz.

Harmonie in Höchstgeschwindigkeit

Messis größte Gabe jedoch ist seine Mühelosigkeit. Es kostet ihn scheinbar nichts, phantastisch Fußball zu spielen, keine Kraft, keine Anstrengung, keine Überwindung. Er spaziert mit einer Leichtigkeit durch die Abwehrreihen, als wäre er ein vergnügter Flaneur, er lupft Bälle über Torhüter, als schnippte er einen Krümel vom Tisch, er schießt ansatzlos aus zwanzig Metern ins Tordreieck, als kickte er übermütig gegen eine Bierdose auf dem Gehweg. Nie sieht man Messi verzweifelt, erschöpft, leidend, hadernd, nicht einmal richtig zu schwitzen scheint er. Aber auch nie sieht man ihn desinteressiert, lustlos, mürrisch, enerviert. Wenn er Fußball spielt, ist er ganz bei sich, in einem vollkommenen Gleichgewicht und offensichtlich in einem Zustand höchsten inneren Glücks und Friedens.

- © AFP Vergrößern Er hört nicht auf zu treffen: Gerd Müllers Torrekord hat Messi im Vorbeigehen übertroffen

Diese Sphäre der Harmonie hat nichts mit einschläferndem Harfengeklimper zu tun. Vielmehr herrscht in ihr Höchstgeschwindigkeit. Messi lebt in einer Welt, die ganz eigenen physikalischen Gesetzen zu gehorchen scheint. Manchmal hat man den Eindruck, auf dem Platz gebe es zwei Tempi: das normale der beiden Mannschaften und das beschleunigte von Messi, dieses atemraubende Schnelldurchlauftempo, mit dem er plötzlich zu einem Dribbling ansetzt, ein halbes Dutzend Gegenspieler wie erstarrt aussehen lässt und dann seine physische Schnelligkeit mit seiner Gedankenschnelligkeit kombiniert, indem er als Einziger die Lücke zum Schuss erkennt, die sich nur für Sekundenbruchteile öffnet.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Argentiniens Fußball Stillstand statt Aufbruch

Der beim FC Barcelona gescheiterte Trainer Martino soll Argentiniens Fußball runderneuern. Doch zur WM-Revanche gegen Deutschland setzt er auf die alten Kräfte. Ein nachhaltiges Nachwuchskonzept gibt es in Argentinien nicht. Mehr

03.09.2014, 19:34 Uhr | Sport
FC Barcelona sieht kein Problem in Sperre von Suarez

Beim Freundschaftsspiel gegen den FC Leon könnte der Neuzugang aus Uruguay trotz seiner viermonatigen Sperre spielen. Auch Neymar wird nach seiner Rückenverletzung womöglich kurz auflaufen. Mehr

18.08.2014, 08:32 Uhr | Sport
2:4 gegen Argentinien Deutschland öffnet die Tore

Die WM-Final-Neuauflage verliert der Weltmeister: Argentinien nutzt die Schwächen und führt 0:4. Die DFB-Elf verhindert die Blamage noch. Schürrle verkürzt. Und wieder erzielt Götze das letzte Tor. Mehr

03.09.2014, 22:45 Uhr | Sport
Fußball Brazuca wird in Pakistan gefertigt

Fußball spielt in Pakistan nicht so eine große Rolle wie in anderen Teilen der Welt, und doch entscheidet das Land indirekt mit, welche Nation sich im Juli zum Weltmeister krönt. Der WM-Ball Brazuca wird in einer pakistanischen Fabrik hergestellt und dort auch harten Tests unterzogen. Mehr

05.06.2014, 07:30 Uhr | Sport
Fußball-Nationalmannschaft Löw holt Sam und verteidigt Gomez

Trotz zahlreicher Ausfälle nominiert Bundestrainer Löw nur einen neuen Spieler für das EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland nach. Kein Verständnis zeigt er für die Pfiffe der Fans gegen Gomez. Mehr

04.09.2014, 14:27 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 31.12.2012, 12:28 Uhr

Ein Trainer als Spielball

Von Frank Heike

Das Traditionshaus hält viel auf seinen Namen, seinen Stil. Doch die sportlichen Angestellten fliegen reihenweise. Mirko Slomka hatte beim HSV keine Chance und reiht sich ein bei vielen Teilzeitarbeitern. Mehr 1 1