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Lionel Messi : Der Beste der Besten

Kein einsames Genie: Lionel Messi hat das Glück, in die beste Mannschaft der Welt hineingeboren zu sein. In ihr hat er seinen Platz gefunden – mittendrin, als Bester der Besten. Bild: dpa

Lionel Messi hat im Jahr 2012 die Frage nach dem größten Fußballspieler geklärt. Er ist ein Weltenzertrümmerer und Weltenerschaffer - dabei ist er ein guter Mensch geblieben.

          Das Jahr 2012 wird in die Fußballgeschichte als jenes Jahr eingehen, in dem die Glaubenskriege endeten, um Platz für die Herrschaft des Friedens und der Eintracht zu machen. Denn es hat letzte Zweifel beseitigt und selbst die starrköpfigsten Ketzer verstummen lassen. Sie stellen nicht mehr die gotteslästerliche Frage, ob Lionel Messi derzeit der beste Fußballspieler der Welt sei, weil auch sie begriffen haben, dass es längst um etwas Größeres, Wichtigeres geht, um eine Frage, die Messi selbst in den nächsten Jahren am besten beantworten kann: ob er der größte Fußballspieler aller Zeiten ist, der Primus inter Pares im Kicker-Olymp, flankiert von Pelé und Puskas, Beckenbauer und Cruyff, Maradona und Zidane.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Es ist keine Frage von geschmacklichen Präferenzen, ob Messi dieser Rang gebührt, sondern von guten Gründen. Vielleicht der beste von allen ist die Permanenz seiner Qualität. Seit er auf dem Fußballplatz steht, wird er immer besser, übertrifft sich von Jahr zu Jahr, sprengt Grenzen im Akkord, setzt einen neuen Rekord nach dem anderen. Wo, fragt man sich manchmal etwas bang, soll das alles noch enden, der Junge ist doch erst fünfundzwanzig? In der schnelllebigen Fußballbranche, in der Weltkarrieren oft nur zwei Saisons lang halten und dann in einer Agonie aus Übergewicht, Dauerparty und Drogensumpf enden, ist Messi ein Phänomen an Beständigkeit - kein Ronaldo, kein Ronaldinho, kein Kaká, sondern eine Qualitätskonstante, die offenbar gar nicht weiß, was eine Formkurve, und schon gar nicht, was eine Formkrise ist. Dass sich Messi so gut wie nie ernsthaft verletzt, hilft ihm dabei natürlich sehr und ist gleichzeitig ein Ausweis seiner herausragenden spielerischen Intelligenz.

          Harmonie in Höchstgeschwindigkeit

          Messis größte Gabe jedoch ist seine Mühelosigkeit. Es kostet ihn scheinbar nichts, phantastisch Fußball zu spielen, keine Kraft, keine Anstrengung, keine Überwindung. Er spaziert mit einer Leichtigkeit durch die Abwehrreihen, als wäre er ein vergnügter Flaneur, er lupft Bälle über Torhüter, als schnippte er einen Krümel vom Tisch, er schießt ansatzlos aus zwanzig Metern ins Tordreieck, als kickte er übermütig gegen eine Bierdose auf dem Gehweg. Nie sieht man Messi verzweifelt, erschöpft, leidend, hadernd, nicht einmal richtig zu schwitzen scheint er. Aber auch nie sieht man ihn desinteressiert, lustlos, mürrisch, enerviert. Wenn er Fußball spielt, ist er ganz bei sich, in einem vollkommenen Gleichgewicht und offensichtlich in einem Zustand höchsten inneren Glücks und Friedens.

          Er hört nicht auf zu treffen: Gerd Müllers Torrekord hat Messi im Vorbeigehen übertroffen

          Diese Sphäre der Harmonie hat nichts mit einschläferndem Harfengeklimper zu tun. Vielmehr herrscht in ihr Höchstgeschwindigkeit. Messi lebt in einer Welt, die ganz eigenen physikalischen Gesetzen zu gehorchen scheint. Manchmal hat man den Eindruck, auf dem Platz gebe es zwei Tempi: das normale der beiden Mannschaften und das beschleunigte von Messi, dieses atemraubende Schnelldurchlauftempo, mit dem er plötzlich zu einem Dribbling ansetzt, ein halbes Dutzend Gegenspieler wie erstarrt aussehen lässt und dann seine physische Schnelligkeit mit seiner Gedankenschnelligkeit kombiniert, indem er als Einziger die Lücke zum Schuss erkennt, die sich nur für Sekundenbruchteile öffnet.

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