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Lars und Sven Bender Es kann nur einen geben

 ·  Sie sehen nicht nur gleich aus, sie spielen auch gleich: Die Fußball-Nationalspieler Lars und Sven Bender sind Zwillingsbrüder und Konkurrenten.

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© dpa Handlungsreisende in Sachen Fußball: Lars (l.) und Sven Bender

Eigentlich sollten die Benders nach zweieinhalb Jahren Pause wieder mal gemeinsame Sache machen. Ganz sicher auf der Pressekonferenz in Bremen, um für das Testländerspiel gegen Frankreich zu werben, vielleicht aber auch am Mittwoch (Anstoß: 20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker) auf dem Spielfeld. Die Chancen standen gut für Lars und Sven, als zweites Zwillingspaar nach den Schalkern Helmut und Erwin Kremers (1973 gegen Österreich und 1974 gegen Ungarn) gemeinsam in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu spielen.

Die beiden sind in ihren Teams Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund so etwas wie die Aufsteiger des Jahres, und seit der Verletzung von Bastian Schweinsteiger herrscht eine Vakanz auf ihrer Position im defensiven deutschen Mittelfeld. Aber dann erwischte es Sven am Sonntagabend im Bundesligaspiel gegen Hannover. Ein Tritt gegen den Kopf - schwere Augapfel- und Nasenprellung. Der 22 Jahre alte Profi musste nach fünf Minuten ausgewechselt werden und seine Teilnahme am Länderspiel absagen.

Und so war Lars am Montag wieder ohne seinen Bruder in offizieller Mission unterwegs, woran er sich längst gewöhnt hat, seitdem im Sommer 2009 der gemeinsame Weg vom TSV Brannenburg über die SpVgg Unterhaching zu 1860 München mit ihren Wechseln nach Dortmund und Leverkusen beendet war. „Ich bin enttäuscht, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden“, sagte Lars Bender. Er versuchte, es von der positiven Seite zu nehmen: „Wenigstens ist es nicht so schlimm ausgegangen, wie zu befürchten war.“

Lars war im Dortmunder Stadion Augenzeuge des Unfalls gewesen und hatte wie viele Zuschauer einen Nasenbeinbruch bei seinem Bruder befürchtet. Zum Beweis, dass es schlimm genug für eine Absage war, schickte Sven Bender Bundestrainer Joachim Löw über Handy ein Foto von seinem angeschwollenen Gesicht. Als eines möchten die Benders nämlich nicht gelten: als weich.

Von kleinauf befinden sie sich in einem Konkurrenzkampf, der erst nachdem sie die 20 Jahre überschritten hatten, nette Züge angenommen hat. „Als Kinder konnte keiner vertragen, vom anderen besiegt zu werden. Es war uns unerträglich, wenn der eine etwas besser als der andere konnte“, beschrieb Sven Bender einmal in einem Interview mit dem „Reviersport“ die familiären Verhältnisse.

Konkurrenten sind sie immer noch, aber sie gönnen sich mittlerweile gegenseitig alles Gute. Davon gab es zuletzt eine ganze Menge. Beide konnten sich nach kurzer Anlaufzeit in Bundesligaspitzenmannschaften durchsetzen. Dabei verdrängte Sven bei Borussia Dortmund Mannschaftskapitän Sebastian Kehl (der mittlerweile häufig neben ihm spielt) und Lars schob bei Bayer Leverkusen die Kapitäne Rolfes und Ballack zur Seite. Die beiden Routiniers rotieren, der junge Bender spielt immer, am vergangenen Samstag erzielte er in Köln das erste mal in seiner Bundesligakarriere zwei Tore. Sven wurde mit Dortmund Meister, Lars mit Leverkusen Zweiter, dafür führt Lars mit 3:1-Länderspielen. Die beiden Brüder bewegen sich auf Augenhöhe.

Das gilt nicht nur für ihre Erfolge, auch für ihre Spielweise: die Benders sehen nicht nur gleich aus, sie spielen auch gleich: „Das kommt den Leuten nur so vor, es gibt unterschiedliche Nuancen“, behauptet Lars. Welche? „Ich galt als offensivfreudiger, aber da hat Sven auch aufgeholt“, sagt Lars und widerspricht sich ein wenig selbst. Svens Trainer Jürgen Klopp sagt jedenfalls scherzhaft: „Ich würde nie beide verpflichten, ich wüsste nie, wer wer ist.“

Eines ist sicher: Die Benders sind die Schrecken ihrer Gegner. Mit einer seltenen Kompromisslosigkeit gehen sie ihrer Arbeit nach: Hart, laufstark (sie legen die meisten Kilometer aller Bundesligaspieler zurück), geschickt im Zweikampf, mit viel Gefühl für Zeit und Raum. Dabei sind sie technisch gut ausgebildet und durchaus in der Lage, sich auch im Spielaufbau mit präzisen Pässen einzubringen. Und dann diese Schonungslosigkeit gegen sich selbst. Vor allem Sven hält überall den Kopf hin. Manchmal sind die Folgen des Einsatzwillens schmerzhaft: Sven Bender hat sich im Champions-League-Spiel gegen Arsenal einen zweifachen Kieferbruch zugezogen.

Durch die Verletzungen seines Bruders hat sich Lars Bender in der Nationalmannschaft einen kleinen Vorsprung verschafft. „Ich hoffe aber, dass es im EM-Kader für uns beide einen Platz gibt“, sagt er brüderlich fair. Aber da gibt es wenig Hoffnung. Für die Sechserposition gibt es mit Schweinsteiger, Khedira und Kroos drei Etablierte. Zweimal den gleichen Ersatzmann mitzunehmen macht wenig Sinn.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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