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Länderspiel-Kommentar Vorlage vom Publikum

 ·  Das Frankfurter Länderspiel zeigt: Die Identifikation der Deutschen mit ihrer Lieblingsmannschaft hat nach den italienischen Irritationen offenkundig nicht dauerhaft gelitten.

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© dpa Keine Pfiffe: Die deutsche Nationalmannschaft beim ersten Auftritt nach der EM

Es ging ziemlich viel schief an dem Abend, an dem die deutsche Nationalmannschaft einen neuen Anfang machen wollte. Eine Verletzung von Hummels, ein Platzverweis für Torwart Zieler, ein Eigentor von Khedira, das war die kuriose Anhäufung von Pech und Pannen schon zur Halbzeit - und am Ende stand dann eine Pleite gegen Argentinien. Aber auch wenn zwischen dem 1:3 von Frankfurt und dem letzten deutschen Auftritt gegen Argentinien, dem hinreißenden 4:0 im Viertelfinale der WM 2010, sportliche Welten lagen - der große Niedergang, wie ihn die Zahlen auf den ersten Blick nahelegen, lässt sich daran nicht festmachen.

Man kann sogar, bei allen Schwächen im Detail, erst einmal das glatte Gegenteil behaupten. Denn die deutsche Mannschaft hat trotz der Niederlage in Frankfurt zumindest ihr Publikum zurück gewonnen. Das ist alles andere als selbstverständlich - und dass eine deutsche Nationalelf nach einer deutlichen Niederlage mit Applaus verabschiedet wird und sich auch während der Partie keinen einzigen Pfiff anhören musste, ist bemerkenswert.

Die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw wurde schon vor dem Anpfiff warmherzig empfangen - und dies nach all der sportlichen Kritik, der Enttäuschung und der emotionalen Hymnen-Diskussion nach der Halbfinal-Niederlage gegen Italien bei der Europameisterschaft. Man durfte daran zweifeln, ob das Nationalteam und sein Publikum noch ein Herz und eine Seele sein würden.

Die Frankfurter Zuschauer haben zumindest diese Sorge um die Nationalmannschaft mit ihrer uneingeschränkten Solidarität auf großzügige Art vertrieben. Die Identifikation der Deutschen mit ihrer Lieblingsmannschaft hat nach den italienischen Irritationen offenkundig nicht dauerhaft gelitten - da können die Profis mit ausländischen Wurzeln bei der Nationalhymne auch weiter offenkundig ihren Mund halten und dazu auch mal ein Prestigeduell verlieren. Die Unterstützung von den Rängen ist auf dem weiten Weg, den das Team mit Bundestrainer Joachim Löw bis zur Weltmeisterschaft in zwei Jahren in Brasilien noch vor sich hat, die erfreulichste Nachricht des Abends.

Eine sportliche Lehre aus der Europameisterschaft hat das Team, als es noch vollzählig war, von Beginn an umzusetzen versucht: den Gegner bei Ballverlust sofort und auch weit in der gegnerischen Hälfte unter Druck zu setzen. Diese fußballerische Aggressivität könnte das richtige Mittel sein, um jene Emotionalität verstärkt ins Spiel zu bringen, die bei der Niederlage gegen Italien von vielen so vermisst wurde. Auch aus diesem Mangel an sichtbarer Leidenschaft, so scheint es, hat sich die Hymnen-Debatte entzündet - und nicht nur an der Frage, ob „gute Deutsche“ (Khedira) auf dem Platz stehen.

Davon abgesehen wird es für Löw sportlich darum gehen, in der WM-Qualifikation die Durchschlagskraft seines Teams wieder zu erhöhen, um die durch Reus und Götze künftig noch größere spielerische Kompetenz nicht zum Selbstzweck des schönen Spiels verkümmern zu lassen. Dazu ist es unerlässlich, dauerhaft die Verteidigungsfähigkeit nach den viel zu vielen Chancen und Gegentoren auch bei der EM neu zu balancieren. Die Zuschauer jedenfalls haben das Kapitel Europameisterschaft am Mittwoch ohne Vorbehalte gegen Argentinien abgeschlossen. Jetzt kommt es darauf an, was die Nationalmannschaft aus dieser Vorlage macht.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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