25.03.2007 · Vorsprung durch Kompetenz: Nach dem glanzvollen Auftritt gegen Tschechien verzichtet Joachim Löw im Test gegen Dänemark auf seine Stars. Mit solchen Entscheidungen, die Mut und Strategie erfordern, verschafft sich der Auswahlcoach Autorität im Showgeschäft Fußball. Von Michael Horeni.
Von Michael HoreniLehmann fehlt. Mertesacker fehlt. Lahm fehlt. Ballack fehlt. Frings fehlt. Schweinsteiger fehlt. Schneider fehlt. Podolski fehlt. Und der Bundestrainer findet das alles auch noch gut - er hat es sogar so gewollt. Am Mittwoch findet in Duisburg das Testländerspiel gegen Dänemark statt, und Joachim Löw verzichtet ganz freiwillig auf das komplette Gerüst seiner Mannschaft.
Am Tag nach dem glanzvollen 2:1-Sieg in Prag gegen Tschechien hat er die in nationalen und internationalen Wettbewerben arg geforderten und am Samstag restlos überzeugenden Nationalspieler zu ihren Vereinen entlassen, um sich besser auf den Endspurt auf Europas Fußballfeldern vorbereiten zu können. Dafür nominierte er die Neulinge Simon Rolfes (Bayer Leverkusen) und Patrick Helmes (1. FC Köln) nach.
Ein hochkompetenter Fußball-Lehrer
Es sind solche Entscheidungen, die einen gewissen Mut, eine Menge Überzeugung und auch eine tragfähige Strategie erfordern, mit denen sich Bundestrainer Joachim Löw verdient, was es im deutschen Fußball nicht allzu oft gibt: einen Kompetenzvorsprung. Der Bundestrainer wird den Test vier Tage nach dem wohl schon entscheidenden Schritt zur Europameisterschaftsendrunde in der Schweiz und Österreich nutzen, um für neunzig Minuten an der Zukunft über 2008 hinaus zu basteln.
Die Spieler aus dem erweiterten Kader bekommen in Duisburg ihre Chance, und da sie wissen, dass sie in ein langfristiges Konzept eingebunden sind, steigt die Chance, dass aus einem sportlich wertlosen Testspiel noch eine ansprechende Unternehmung werden kann.
Unerwartete Selbstverständlichkeit
In der in nationalen Fußballdingen immer streitlustigen Liga wird es für die gleichzeitige Rücksichtnahme und sportliche Weitsicht zusätzlichen Applaus geben. Mit dem Erfolg von Prag hat die sportliche Führung wieder einmal durch Ergebnisse bestätigt, was nach gut zwei Jahren wohl niemand mehr bestreiten will: Das Innovationszentrum des deutschen Fußballs liegt bei der Nationalmannschaft - und da ihr nun als ein Anführer zudem ein hochkompetenter Fußball-Lehrer mit großer Integrations- und Kommunikationskraft vorsteht, lenkt das den Blick immer stärker auf die sachliche Ebene.
Wie die Nationalelf in Prag ihre Spielidee durchsetzte, wie sie beim stärksten Gruppengegner fast wie in einem Heimspiel dominierte, wie effektive Abwehrarbeit und schnelles Kombinationsspiel durch monate-, ja nun schon jahrelange Automatisierung im Training tatsächlich Erfolge zeigen - all das haben die Mannschaft und ihr Trainer mit dem siebten Sieg im achten Spiel nach der WM in unerwarteter Selbstverständlichkeit demonstriert.
Wer glaubte, dass Leistungssteigerungen und Entwicklungssprünge nur etwas mit Motivation für ein Ereignis wie die Weltmeisterschaft zu tun hatten, sieht sich nun getäuscht. Dass sich durch kluge Arbeit Spieler und Mannschaft weiterentwickeln können, ist im Sport zwar eine banale, in der Bundesliga aber vielfach noch immer erstaunliche Erkenntnis. Es ist auch nicht alles eine Frage des Geldes, sondern auch der Kompetenz. Die Autorität von Löw ist im deutschen Fußball mit diesem Sieg beträchtlich gewachsen - und es ist gut, dass damit auch wieder die Grundlagenarbeit im Showgeschäft Fußball in den Blick kommt.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |