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Länderspiel-Kommentar Bleifuß Gomez

29.03.2009 ·  Podolskis Nationaltrikot scheint mit Flügeln geliefert zu werden, das von Gomez mit Blei. Der torlose Stürmer fühlt sich wie verhext. Andere bekannte Namen erlebten diese Flaute in früheren Jahren auch. Doch Gomez muss aufpassen, dass aus Mitleidsbekundungen keine Qualitätsdebatte erwächst.

Von Michael Horeni
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Wäre der Ball, der nach der Pause der Liechtensteiner Torlinie entgegentrudelte, vom glücklosen Mario Gomez gekommen, hätte es sich Bastian Schweinsteiger bestimmt zweimal überlegt, ob er tatsächlich nachhelfen sollte. Aber da es der Schuss seines Kumpels Lukas Podolski war und Schweinsteiger irrtümlich einen Gegenspieler hinter sich wähnte, wurde der Torklau gegen Liechtenstein ganz schnell mit einem Lächeln beglichen.

Drei Minuten später war Podolski dann auch schon wieder selbst erfolgreich. Wie so oft, wenn er das Nationaltrikot trägt. Es war sein 32. Treffer im 61. Länderspiel. Selbst wenn Bayern-Trainer Klinsmann seinen Lieblingsstürmer aus früheren DFB-Tagen beim FC Bayern in die Amateurmannschaft stecken würde, könnte man noch darauf vertrauen, dass Podolski für Deutschland Tore schießen würde. Das Nationaltrikot setzt beim ewigen Kölner vom ersten Tag an unglaubliche Kräfte frei. Wenn es so weitergeht, wird Podolski vielleicht der einzige deutsche Stürmer sein, der mehr Tore in der Nationalelf als in der Bundesliga (35 in 114 Spielen) erzielt hat.

Kaum Tore für Deutschland: Heynckes, Allofs, Kirsten - Gomez?

Das Nationaltrikot von Lukas Podolski scheint mit Flügeln geliefert zu werden, das von Mario Gomez mit Blei. Während der Stuttgarter bei seinem VfB Stuttgart unbeirrt erfolgreich ist, ist seine Bedeutung in der Nationalmannschaft seit einem Jahr stetig gesunken. Vor der Europameisterschaft galt der Stürmer mit den exzellenten Voraussetzungen neben Kapitän Michael Ballack noch als größte Hoffnung auf den Titelgewinn.

Mittlerweile fühlt sich Gomez wie verhext, und man fragt sich, ob es ihm genauso geht, wie manch anderen Bundesligastürmern in der Vergangenheit, die in ihren Klubs beständig Höchstleistungen zeigten, aber eben nicht für Deutschland. Jupp Heynckes erlebte dies in den siebziger Jahren, Klaus Allofs in den Achtzigern und Ulf Kirsten in den Neunzigern. Gomez hat bessere Chancen, diesem Schicksal zu entgehen. Seine Vorgänger litten unter stärkerer Konkurrenz oder brachten nicht die außergewöhnlich vielfältigen Qualitäten mit, die Mario Gomez zugeschrieben werden.

Geringer Ertrag für einen, der von höheren Zielen spricht

Aber nach einem zwölfmonatigen Abwärtstrend wird es für den ehemaligen Fußballer des Jahres auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika dringend Zeit, seine Qualitäten auch im Nationalteam zu beweisen. Sechs Tore in 22 Länderspielen sind ein viel zu geringer Ertrag für einen Profi, der selbst von höchsten Zielen spricht, sie auf der großen Bühne aber nur ganz vereinzelt beweisen konnte.

Das ist, wie beim zwar unglücklichen, aber keineswegs desaströsen Auftritt gegen Liechtenstein nicht nur eine Frage des gefühlten Drucks der schwarzen Serie von nun dreizehn Begegnungen ohne Treffer. Gomez sind in seiner Karriere im DFB-Team überhaupt noch keine entscheidenden Tore in Pflichtspielen gelungen. Noch wird ihm in der Krise das Pech des glücklosen Torjägers zugestanden. Aber Gomez muss aufpassen, dass aus Mitleidsbekundungen keine Qualitätsdebatte erwächst.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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