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Länderspiel gegen England Ohne Muffensausen in den Fußball-Tempel

21.08.2007 ·  Die Ausgangslage für die deutsche Fußball-Nationalelf vor dem Test gegen England könnte schlechter nicht sein. Elf Absagen musste Joachim Löw verkraften. Mit der Außenseiterrolle kann der Bundestrainer aber gut leben: „Wir wollen unsere Haut teuer verkaufen.“

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Als die Chartermaschine LH 5010 mit dem deutschen Not-Nationalteam an Bord in London-Luton landete, wollte Joachim Löw über seine großen Personalsorgen nicht mehr reden. Gleich eine komplette Elf musste der Bundestrainer wegen Verletzungen für das 30. Duell gegen England streichen, doch am Dienstag auf dem Flug ins 13 Grad kalte und nasse London wuchs neben der Vorfreude auch der Trotz im ausgedünnten Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

„Wir wollen unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen“, kündigte Löw den Hausherren im neuen Tempel Wembleystadion einen „heißen Kampf“ an. Auch der Wahl-Engländer Jens Lehmann, der erst in London zum DFB-Team stieß, feuerte die Stimmung nochmals an: „Wir Deutschen sind mental stärker als England.“

„Ein Genuss, in Wembley zu spielen“

Für Zündstoff ist ohnehin gesorgt in einem der ältesten Klassiker der Fußball-Welt, der 1908 mit einem 5:1 der Engländer in Berlin seine erste Auflage erlebt hatte. Auch das letzte Aufeinandertreffen endete mit einem 5:1 der „Three Lions“ in München, was geradezu nach Revanche schreit, auch wenn von den damals beteiligten deutschen Spielern niemand mehr im aktuellen deutschen Aufgebot steht.

„Vielleicht werden wir nicht so dominant agieren wie zuletzt in Tschechien, aber gerade für unsere jungen Spieler ist es auch eine Chance und ein Genuss, in Wembley zu spielen“, betonte Löw. Die Gastgeber ihrerseits haben seit 1975 kein Heimspiel gegen Deutschland mehr gewonnen und stehen auch in der aktuellen EM-Qualifikation als derzeitiger Tabellen-Vierter schwer unter Druck. Eine neuerliche Pleite am Mittwoch (21 Uhr, im FAZ.NET-Liveticker), noch dazu gegen eine personell geschwächte deutsche Elf, würde dem ohnehin umstrittenen Nationaltrainer Steve McClaren wohl nicht nur von den 84.000 englischen Fans im ausverkauften Superstadion (dazu kommen 6000 deutsche) übel genommen.

Doch auch die Engländer müssen auf zahlreiche verletzte Spieler verzichten und können nur eine stark ersatzgeschwächte Elf aufbieten. McClaren standen in der Trainingseinheit am Montagnachmittag nur zwölf Spieler zur Verfügung. Neben Steven Gerrard und Owen Hargreaves musste am Dienstag auch Stürmer Daren Bent wegen einer Oberschenkelblessur passen.

Vier Akteure mit zusammen fünf Einsätzen

Die Ausgangslage für das Löw-Team scheint vor dem „scharfen Start“ in die EM-Spielzeit so kompliziert, dass es eigentlich nicht viel zu verlieren hat. Elf Absagen (darunter die Stars Ballack, Frings, Klose und Podolski), für die „Spanier“ Christoph Metzelder, David Odonkor und Timo Hildebrand hat die Saison noch nicht einmal begonnen - von einem eingespielten Team kann angesichts von nur zwei gemeinsamen Trainingseinheiten niemand sprechen. „Zwei Tage sind sehr kurz, da kann man wenig machen. Aber eine gewisse Nervosität ist ganz normal“, erklärte Bernd Schneider, einzig verbliebener Routinier (78 Länderspiele) neben Torwart Jens Lehmann (46).

In Christian Pander, Stefan Kießling, Roberto Hilbert und Simon Rolfes werden im Wembleystadion wahrscheinlich vier Akteure auflaufen, die es zusammen bisher gerade auf fünf Einsätze im DFB-Team bringen. Wenigstens in der Defensive kann Löw auf seine WM-Viererkette setzten, nachdem Arne Friedrich nach Verletzungs-Auszeit in den Kader zurückgekehrt ist. Ob der Berliner allerdings statt Philipp Lahm, der nach links wechseln könnte, wieder die rechte Außenbahn einnimmt, ist ungewiss.

Völler als Maskottchen dabei

„Die WM ist ein Jahr her. Seitdem hat Lahm rechts gespielt“, sagte Löw, der den Schalker Neuling Pander als Alternative für den fehlenden Marcell Jansen sieht. Im Angriff hat der Leverkusener Kießling beste Karten, die Klose-Rolle neben Kevin Kuranyi einzunehmen. „Es ist für jeden Spieler eine gute Erfahrung. Und motivieren muss man sowieso niemanden“, sagte Kollege Schneider.

Als zusätzlichen Anreiz und vielleicht auch ein bisschen als Aberglaube hat der DFB Rudi Völler mit nach Old England geschickt, erstmals nach seinem Rücktritt im Sommer 2004 gehört der ehemalige Teamchef wieder der offiziellen Verbands-Delegation an. Unter Völler hatte die deutsche Nationalelf im Oktober 2000 in London 1:0 (Tor Dietmar Hamann) gewonnen, bevor das alte Wembleystadion abgerissen wurde.

„Das ist eine schöne Geschichte. Ich war der Trainer, der zuletzt dort gewonnen hat. Ich freue mich auf die Mannschaft und besonders auf das neue Wembleystadion“, erklärte Völler, der nun als Talisman für eine Wiederholung im Londoner Fußball-Tempel sorgen soll. „Warum nicht? Die Engländer sind auch keine Überflieger“, sagte Völler, der mit in jenem Mannschafts-Hotel wohnt, in dem die DFB-Auswahl 1996 schon den EM-Titel gefeiert hatte.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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