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Länderspiel gegen China Schwere Beine machen niemand fußkrank

11.10.2005 ·  Joachim Löw, der Assistent des Bundestrainers, gab eine „Regierungserklärung“ zum Streit zwischen Jürgen Klinsmann und den Bundesliga-Trainern ab: „Wer Champion werden will, muß mehr investieren.“ Unterstützung erhielt das Trainer-Duo von Felix Magath.

Von Michael Horeni, Hamburg
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Das Programm am Montag dürfte ganz nach dem Geschmack der Bundesliga gewesen sein. Am Morgen machte sich die Mannschaft zu einem Werbetermin mit einem wichtigen Sponsor auf, um einen Fernsehspot zu drehen. Das bringt Geld und strengt nicht so an. Am Nachmittag hatte der Bundestrainer ein öffentliches Training in der Hamburger AOL-Arena angesetzt, und solche Veranstaltungen für das große Publikum beinhalten für gewöhnlich auch nicht solche häßlichen Dinge wie Belastungstests und amerikanische Fitnesstrainer, die Muskeln reagieren lassen, von denen manche Spieler bisher gar nicht wußten, daß sie existieren, wie der Bremer Miroslav Klose am Montag am eigenen Beispiel zufrieden konstatierte. Der Montag also, zwei Tage vor dem Länderspiel in Hamburg gegen China, war ein vergleichsweise gemütlicher Tag im Hause Klinsmann, ein Tag, wie ihn sich die Bundesliga so gerne öfter bei der Nationalmannschaft wünscht.

Aber zwischen Werbefilm und Showtraining erklärte Assistenztrainer Joachim Löw auf der obligatorischen Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einer Art Regierungserklärung, weshalb sich die lieben Trainerkollegen aus der Bundesliga an vielen solcher Tage künftig jedoch nicht werden erfreuen können. "Wer Champion werden will, muß mehr investieren", sagte Löw über das Credo der sportlichen Führung. "Wenn man es so macht wie immer, dann gibt es keine Verbesserung."

„Für jeden Profi absolut machbar“

Löw hatte in Hamburg einen kämpferischen, von Leidenschaft und Entschlossenheit geprägten Auftritt, wie man ihn sich von den Nationalspielern bei der erschreckenden 1:2-Niederlage in der Türkei am vergangenen Samstag gewünscht hätte. Er beschrieb dezidiert noch einmal das Testprogramm, das unter anderem bei seinen Trainerkollegen Thomas Schaaf und Ralf Rangnick auf Mißfallen gestoßen war. Zu absolvieren waren demnach vor einer Woche in Hamburg ein Ausdauertest über 3.500 Meter, fünf Sprints über 30 Meter sowie noch zweimal zwei kurze Sprints. "Sieben Läufe und 3,5 Kilometer: das ist für jeden Profi absolut machbar", sagte Löw und fügte süffisant hinzu: "Auch Jürgen Klinsmann ist den Test durchgelaufen mit einem Puls von 160 - und der ist seit zehn Jahren Hobbysportler."

Schaaf von Werder Bremen und Rangnick vom FC Schalke 04 sahen das aber ganz anders. "Ich habe mit Oliver Bierhoff telefoniert und ihn über unsere Bedenken informiert", sagte Werders Sportdirektor Klaus Allofs am Montag. Er konkretisierte die Vorwürfe gegen Klinsmann, die Franz Beckenbauer am Wochenende noch als "Grummeln" bezeichnet hatte: "Es geht im Klartext darum, daß es unterschiedliche Auffassungen über die Trainingsmethoden gibt, daß Spieler mit schweren Beinen in die Spiele gehen." Allofs berichtete nach seinen Gesprächen mit Kollegen aus anderen Klubs, daß sich Spieler bei ihren "Vereinstrainern ausheulen" würden.

Spieler heulen sich bei ihren Klubs aus

"Das sind keine guten Voraussetzungen. Wir wollen alle die Nationalmannschaft unterstützen. Das heißt aber nicht, daß wir alles mitmachen müssen. Die Unklarheiten müssen ausgeräumt werden. Es muß endlich eine Linie bei der Nationalmannschaft geben. Dann können die Trainer immer noch entscheiden, ob sie diesen Weg mitgehen oder nicht", sagte Allofs gegenüber dem Sport-Informationsdienst. Ralf Rangnick beklagte sich unterdessen darüber, daß er Klinsmann gebeten habe, Fabian Ernst und Kevin Kuranyi regenerieren zu lassen. Dies sei nach seinen Informationen nicht geschehen.

Daran, so Löw und Klinsmann am Montag übereinstimmend, wird sich nicht nur Rangnick gewöhnen müssen. "Es ist nicht so, daß wir beratungsresistent im Keller sitzen", sagte der Assistenztrainer. "Aber es ist in unserem Konzept drin, daß die Spieler auch mal schwere Beine haben. Sie müssen den Willen haben, über diese Grenze hinauszugehen." Auch künftig werde bei der Nationalmannschaft "intensiv trainiert". Die Liga kenne Klinsmanns Konzept, und das werde weiter durchgezogen. "Wir müssen noch belastbarer werden", forderte Löw von den Spielern und beschrieb damit die weitere Arbeit bis zur Weltmeisterschaft. Als Beispiel für ihre "Philosophie" zog Löw das Beispiel Oliver Kahn heran, der in seiner Karriere immer mehr als der Durchschnitt an sich gearbeitet habe. Das verlangten sie "von der Elite" in der Nationalmannschaft. "Dafür müssen wir uns nicht entschuldigen. Wir sind überzeugt, daß jeder noch besser werden kann und besser werden muß."

Unterstützung aus München

Überraschende Unterstützung erhielten Klinsmann und Co. am Montag aus München. Trainer Felix Magath empfindet die derzeitigen Rückschläge vielmehr "als das normale Tief im Leben einer Mannschaft". Und im speziellen Streitfall der Fitnesstests fand er überhaupt nichts daran, "dienstags einen solchen Test zu machen, wenn man samstags spielt". Er empfahl seinen Bundesligakollegen vielmehr, einmal "Anleihen bei anderen Sportarten zu nehmen". Da sei so etwas völlig normal. Im übrigen könne er über die Kommunikation mit Klinsmann nicht klagen, ganz im Gegenteil: "Ich hatte noch nie einem so guten Kontakt zu einem Bundestrainer wie zu Jürgen Klinsmann." Einen ganz praktischen Rat hatte der Bayern-Trainer für ihn auch parat - bloß nicht auf die Kollegen hören: "Er kann doch nicht jeden Bundesligatrainer anrufen, und fragen: Was würdest du denn machen?" Dann bekäme er achtzehn verschiedene Antworten.

Quelle: F.A.Z., 11.10.2005, Nr. 236 / Seite 37
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