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Veröffentlicht: 24.10.2008, 07:07 Uhr

Kritik am Kritiker Isolierter Insulaner

Michael Ballack hat sich mit seinem öffentlichen Einsatz für Torsten Frings nicht nur bei Bundestrainer Löw unbeliebt gemacht. Auch die Mannschaft distanziert sich vom Kapitän.

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© AFP Bissig: Michael Ballack

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) herrschte Ruhe nach dem Sturm. Keine Mitteilung des Präsidenten, kein Kommentar des Bundestrainers, kein Statement des Managers. Aber das war auch nicht nötig: Das Krisenmanagement in Sachen Fußball-Nationalmannschaft entwickelte sich zwei Tage nach der scharfen Kritik von Kapitän Michael Ballack an Joachim Löw ohnehin im Sinne des Verbandes. Die Fußballfamilie macht seither einhellig Front gegen den zunehmend isolierten Kapitän von der Insel.

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Nach DFB-Präsident Theo Zwanziger, Franz Beckenbauer, DFB-Sportdirektor Matthias Sammer meldete sich am Donnerstag nun auch noch der Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge markig zu Wort: „Es geht nicht, dass der Bundestrainer in der Öffentlichkeit kritisiert wird. Wenn einem Kapitän etwas nicht passt, dann muss man das hinter verschlossenen Türen machen. Das ist ein Unding. Die ganze Sache hat fast schon zu einem offenen Konflikt geführt. Michael Ballack muss einsehen, dass er weit übers Ziel hinausgeschossen ist, und sich beim Bundestrainer entschuldigen“, sagte Rummenigge.

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Mit der Handlungsempfehlung an Ballack dürfte Rummenigge diesmal sogar ziemlich richtig liegen. Denn ohne öffentliche Entschuldigung wird Ballack sein Amt als Kapitän künftig wohl nicht mehr ausüben dürfen; sein Fehlverhalten wird nach Informationen dieser Zeitung im Deutschen Fußball-Bund allerdings als so gravierend eingeschätzt, dass womöglich nicht einmal mehr eine öffentliche Entschuldigung des Mittelfeldspielers genügt, um seinen Status als Kapitän zu bewahren.

Auch innerhalb der Mannschaft wächst mittlerweile die Distanz zum Kapitän. Auf die Frage, ob Ballack trotz seiner Sonderrechte als Kapitän nicht zu weit mit seinen Äußerungen gegangen sei und den Ehrenkodex verletzt habe, antwortete Philipp Lahm im Stil eines Vorzeige-Diplomaten: „Eine Bewertung vorzunehmen, verschärft die Auseinandersetzung, und deshalb werde ich keine vornehmen.“ Seinen Unmut machte der Bayern-Profi gleichwohl deutlich: „Sie haben den Ehrenkodex angesprochen. Als Führungsspieler muss ich wissen, dass mein Verhalten, sei es nun auf oder neben dem Platz, in Interviews von Bedeutung ist und nur einem Zweck dienen soll: die Mannschaft zu stärken“, sagte Lahm.

Wer den Kodex verletzt, verletzt Löw

Ballack hatte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dem Bundestrainer in Bezug auf Torsten Frings unter anderem vorgeworfen, nicht mit offenen Karten zu spielen. „Wenn man einen nicht mehr will, sollte man das ehrlich ansprechen. Respekt und Loyalität ist doch das Wenigste, was man als verdienter Nationalspieler erwarten kann“, sagte Ballack.

Indirekt kritisierte der Kapitän in dem Interview auch die Konkurrenten von Frings, Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes, und missachtete damit den Verhaltenskodex. Löw kann in dieser Frage ungemütlich werden. Als Bernhard Peters bei der EM den Kodex ignorierte, ließ ihn Löw aus dem Sportkompetenzgremium des Verbandes werfen.

Frings demontiert sich munter selbst

Ballack selbst hat sich bei Löw noch nicht gemeldet, nachdem ihn der Bundestrainer öffentlich zu einem klärenden Gespräch nach Deutschland einbestellt hat. „Ich freue mich, dass der Trainer wieder den Dialog mit mir sucht, und ich freue mich genauso auf unser Gespräch“, sagte der Star vom FC Chelsea der „Bild“-Zeitung. Er fügte hinzu, dass er „jederzeit zu diesem Vier-Augen-Gespräch“ bereit sei. Einen Termin müsse der Deutsche Fußball-Bund allerdings mit seinem Arbeitgeber FC Chelsea absprechen. Der DFB allerdings erwartet von Ballack, dass er dem Bundestrainer seine freien Termine mitteilt für die Unterredung, bei der es dann auch zu unangenehmen Konsequenzen für Ballack kommen könnte.

Torsten Frings entfernt sich unterdessen immer mehr von der Nationalmannschaft. Nach dem 2:2 von Werder in der Champions League bei Panathinaikos Athen machte der Bremer mit launigen Kommentaren und einem Witz auf Kosten des Bundestrainers auf sich aufmerksam. „Jogi Löw hat mir gerade zum Punktgewinn gratuliert“, sagte Frings in Athen und hielt sich sein Handy ans Ohr.

Noch nicht zum Rücktritt entschieden

Seinem Freund und Nationalmannschaftskollegen Ballack ließ er in der Auseinandersetzung mit Löw Unterstützung zukommen - und legte noch mal nach: „Michael ist lange genug dabei. Der merkt, wenn etwas nicht richtig abläuft. Um das mal klarzustellen: Ich habe kein Problem, mich dem Konkurrenzkampf zu stellen. Das ist ja ein Witz, das mache ich seit zehn Jahren. Was mich aufregt, ist die Art und Weise, wie das abgelaufen ist. So geht das einfach nicht. Das hat Michael auch nochmals angesprochen, und ich bin froh, dass ich nicht der Einzige bin, der das gemerkt hat.“

In der Frage des Rücktritts, mit dem Frings nun schon seit Tagen spielt, habe er sich noch zu keiner endgültigen Entscheidung durchgerungen. „Es ist nicht so, dass ich Tag und Nacht darüber nachdenke. Ich werde mich mit vielen Menschen beraten und dann sehen, ob es noch eine Perspektive für mich gibt“, sagte Frings. „Ich hab jetzt schon nicht gespielt, mehr kann mir ohnehin nicht passieren.“

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