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Krise Borussia

17.02.2005 ·  „Aber eins, das bleibt besteh'n: Borussia Dortmund wird nicht untergeh'n.“ Das trotzige Vereinslied des westfälischen Fußballclubs klang in bald hundert Jahren Historie noch nie so wirklichkeitsfern wie heute.

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"Aber eins, das bleibt besteh'n: Borussia Dortmund wird nicht untergeh'n." Das trotzige Vereinslied des westfälischen Fußballclubs klang in bald hundert Jahren Historie noch nie so wirklichkeitsfern wie heute. Der Ballspielverein Borussia könnte nämlich sehr wohl untergehen.

Wenn nicht alle Gläubiger einem harten Sanierungskonzept zum Abbau der mindestens 134 Millionen Euro Schulden zustimmen, dann wird vor der imponierenden Südtribüne des Westfalenstadions kein Ball mehr rollen. Und vom proletarischen Borsigplatz bis tief ins sauerländische Hinterland müßten Millionen leidenschaftliche Anhänger, von denen einige nach einem Triumph schon mal die Zebrastreifen schwarzgelb anstrichen, Trauer tragen.

Schattenseiten des Millionenspiels Fußball

Wie konnte es im fußballverrückten Ruhrgebiet so weit kommen? Das ist weniger eine Frage für Sportsfreunde denn für Rechnungsprüfer. Als die Borussia 1997 als erster deutscher Club Europas Champions League gewann, da wirkte dies wie ein Triumph schlauer New Economy. Doch war der größte Erfolg des innovativen, doch sorglosen Präsidenten Niebaum zugleich der Anfang vom Ende. Mit Borussia-Aktien, einem Verkauf des Stadions und zuletzt gar der Verpfändung der Namensrechte konnte gar nicht so viel Geld eingefahren werden, wie die hochbezahlten Kicker auf dem Rasen verspielten. Eine Mannschaft aber, die die laufenden Kosten nicht decken kann, hat bereits vor dem Anpfiff haushoch verloren.

Damit rücken gleichzeitig mit dem Schiedsrichterskandal die Schattenseiten des Millionenspiels Fußball ins grelle Flutlicht. Warum Sponsoren, Medien und letztlich die Zuschauer für das eigentlich doch so preiswerte Ballett von zweimal zweiundzwanzig Beinen immer aberwitzigere Summen bezahlen, gehört zu den Mysterien einer Unterhaltungskultur, die ihr Herz an diese unblutigen Gladiatorenkämpfe verloren hat.

Die Tabellenführung wird dabei immer unabhängiger vom sportlichen Glück, beruht vielmehr auf langfristiger Vermarktung samt Gegenfinanzierung, wie der keineswegs zufällige Höhenflug von Dortmunds soliderem Nachbarn und Erzrivalen Schalke 04 beweist. Die heute todkranke Borussia wurde mit legendären Erfolgen in den sechziger Jahren, durch Spieler wie "Emma" Emmerich und Sigi Held zum Symbol des Wirtschaftswunders. "Maßgeblich is' auf'em Platz" lautete damals im Revier das Motto ehrlich erkämpfter Siege. Das stimmt längst nicht mehr. Maßgeblich ist die Bilanz.

Quelle: dsch., F.A.Z., 18.02.2005, Nr. 41 / Seite 1
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