Trotz der wochenlangen guten Stimmung im gesamten Land hat die Fußball-Weltmeisterschaft der deutschen Wirtschaft keinen Schub gebracht. Das Großereignis ließ die Menschen zwar mehr für Bier, Bratwürste und Fanartikel ausgeben, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. Es floss jedoch weit weniger Geld als vorhergesagt. Um nennenswerte Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum zu haben, seien einzelne Sportereignisse wie die Fußball-WM schlicht zu klein.
Der Studie zufolge lockte das Fußball-Fest zwar zahlreiche Besucher ins Land, „aber die ökonomischen Wirkungen ihrer Ausgaben war nicht so groß, dass sie konjunkturell spürbar waren“, erklärten die Experten. „Insgesamt dürften allenfalls 500 Millionen Euro von ausländischen Gästen ausgegeben worden sein.“ Diese Schätzung sei bereits sehr optimistisch und bleibe weit hinter den Erwartungen zurück, die durch diverse Prognosen geweckt worden seien.
Kein Anstieg des privaten Konsums
In deutschen Kneipen wurde laut Studie während der WM allerdings deutlich mehr Geld ausgegeben. Auch für Essen und Trinken in Restaurants floss etwas mehr. In der Gastronomie habe es während der WM auch einen kleinen Anstieg bei den Arbeitskräften gegeben. Dagegen sei das Sportereignis trotz teils längerer Öffnungszeiten am deutschen Einzelhandel fast spurlos vorübergegangen. Lediglich im Mai, also vor der WM, habe es merklich mehr Umsatz gegeben.
Wegen der WM seien schätzungsweise zwischen 600.000 und 700.000 mehr ausländische Gäste nach Deutschland gekommen als im Vorjahr. Sie sorgten für geschätzte rund 1,6 Millionen zusätzliche Übernachtungen. Insgesamt dürften die ausländischen Fußball-Fans rund 500 Millionen Euro ausgegeben haben. Die WM-Organisatoren des Internationalen Fußball-Verbands FIFA hatten mit rund einer Million zusätzlicher ausländischer Gäste gerechnet. Sie gingen dabei von zusätzlichen Ausgaben zwischen einer Milliarde und 1,8 Milliarden Euro aus. Für einen relevanten Wachstumsschub seien diese Größenordnungen aber zu klein, schrieben die Forscher des DIW.
Das widerspricht einer Reihe von Prognosen, die vor der WM wirtschaftliche Effekte in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt hatten. Die eigentliche Bedeutung der Weltmeisterschaft für den Standort Deutschland sieht das DIW denn auch auf einem anderen Feld: „Die WM 2006 war gleichwohl ein Mosaikstein im Wandel der deutschen Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft, die weltweit auch von Events gekennzeichnet ist.“