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Veröffentlicht: 30.05.2016, 17:27 Uhr

Affäre im Fußball-Weltverband Was Fifa-Chef Infantino hinter verschlossenen Türen wirklich sagte

Nach den F.A.Z.-Enthüllungen um ein Komplott beim Fußballweltverband spricht die Fifa weiter von „gegenstandslosen Unterstellungen“. Die Äußerungen der beteiligten Funktionäre sind jedoch eindeutig. FAZ.NET dokumentiert sie in englischer Originalsprache.

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© F.A.S. Fifa-Präsident Infantino hat zu einigen Vorgängen in seiner Organisation nur Hohn und Spott übrig

Nach den Enthüllungen der F.A.Z. um ein Komplott führender Funktionäre beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) gegen die eigenen Aufsichtsorgane und den Chefkontrolleur Domenico Scala bleibt die Organisation bei Ihrer Darstellung. Die Fifa spricht von „gegenstandslosen Unterstellungen“ und einer „vorsätzlich falschen Darstellung“.

Michael Ashelm Folgen:

Die auch FAZ.NET vorliegenden Tonaufzeichnungen und Dokumente zu den Fifa-Sitzungen vor knapp drei Wochen in Mexiko-Stadt, bei denen die Verbandsspitze unter Präsident Gianni Infantino hinter verschlossenen Türen tagte, ergeben eine übereinstimmende Quellenlage. Tatsächlich wurden von den Funktionären in den Meetings unter anderem folgende Aussagen (in englischer Originalsprache) zu den Diskussionspunkten getroffen.

„I have no contract with Fifa“

1. Fifa-Präsident Gianni Infantino äußert sich kritisch zu dem von der Fifa-Vergütungskommission im Februar festgesetzten Gehalt. Angeblich sollen es rund zwei Millionen Franken im Jahr sein. Danach sagt der Fifa-Chef höhnisch, dass ihm die Kollegen im Council womöglich Geld leihen müssten:

Infantino: „Today I have no contract with Fifa. I didn’t sign a contract that was proposed to me by the chairman of the Audit and Compliance committee. I did not accept this proposal. It was a proposal which I found insulting.”  

Infantino: “But this is the situation. It is my problem.“ (…) “May be I have to ask someone of you for a loan at some stage.” 

Sunil Gulati berichtet © F.A.S. Vergrößern Nicht mehr in der Fifa-Führungsriege: der frühere Chefkontrolleur Domenico Scala

2. Infantino informiert die anwesenden Council-Mitglieder über eine „Beschwerde“ des Vorsitzenden der Audit- und Compliance-Kommission, Domenico Scala, an die Ermittlungskammer der Fifa-Ethikkommission und deren Chef Cornel Borbély. Es geht um Spesenabrechnungen und einen angeblichen Hauskauf über 25 Millionen Franken der Familie Infantino. Er behauptet zu seiner Entlastung, der Chef-Ermittler der Fifa hätte die Angelegenheit direkt in der Mülltonne entsorgt.

Infantino: „I was informed by the chair oft the investigatory chamber oft he Ethics Committee of Fifa, Mr. Borbély, that the chairman of the Audit and Compliance committee has filed a complaint against me. Saying basically that I have no salary and that I am looking or my wife is looking for a house in Zurich, and therefore how can I afford to buy a house. An expensive house apparently, expensive house he said to the Investigatory Chamber, that’s a house of 25 millions. Complete nonsense. And if I have no salary and want to buy a house of 25 millions there is a suspicion of corruption, or money laundering  or of something else. Now the Ethics committee Investigatory Chamber chairman told me this goes straight in the bin and this is complete nonsense. There is no investigation, there is nothing about this.”   

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3. Das amerikanische Council-Mitglied Sunil Gulati berichtet von mehreren Treffen mit dem damaligen Chef der Audit- und Compliance-Kommission, Domenico Scala, um mit ihm noch vor dem Kongress eine einvernehmliche Vereinbarung zum Rücktritt zu erreichen. Dies wäre bis dahin nicht gelungen. Infantino betont, dass Fifa-Council-Mitglieder doch in der verbleibenden Zeit vor dem Kongress weiter an einer Lösung mit Scala arbeiten sollten und fordert sie auf zur Aktivität. 

Wenn ein Rückzug im beiderseitigen Einvernehmen nicht gelänge, verweist er auf zwei Möglichkeiten, Scala aus der Fifa zu drängen: Entweder sollte im Kongress ein Nationalverband die Abwahl des Compliance-Chefs einbringen. Die andere Variante: Mit der neuen im Kongress geholten Vollmacht, das dem Fifa-Council für ein Jahr die Vollmacht gibt, können Mitglieder der Kontrollgremien fortan vom Council direkt entfernt werden. Dies ist ein Bruch der Gewaltenteilung. Infantino meint, Scala könne dann darüber in ein oder zwei Wochen entlassen werden.

Gulati: „We met a number of times in the last 24 hours. We thought we had a resolution, a friendly resolution that would work. We didn’t get that realized, we don’t have that right now.”

Infantino: „We see if it’s possible for him to step down. If he doesn’t we will the delegates ask for this question to pass by the congress.”

Infantino: „From that point of view if somebody brings this question for the congress.” (…) “The congress should decide, it is a democratic decision. I think it is better if it comes from the congress that if it comes from the council in one week or two weeks. Because then it is a personal thing which is not.”

Infantino: „Is there any preference here for a congress vote or a dismissal by the Council in one week or two weeks?”

Fifa-Vizepräsident David Gill äußert sich © F.A.S. Vergrößern Fifa-Vizepräsident David Gill

4. Fifa-Vizepräsident David Gill aus England stellt sich als Einziger im Council gegen die Stimmung. Er versteht nicht, was dem Compliance-Chef vorgeworfen werden soll und äußert Kritik am Vorgehen. Der amerikanische Funktionär Sunil Gulati erwähnt dass Scala nichts vorgeworfen werden kann.

Gill: „What reasons are they going to give? How the can to communicate that? How do I and how do the national associations make the decision?” (…) “I don’t know how I would tell the FA how to vote.” (…) “With what reason?” (…) “It is an unbelievable situation I can’t believe we want to create today.“

Gulati: „We need facts.” (…) “We can’t operate that way. We can’t dismiss people without a piece of paper and facts.”

5. Fifa-Chef Infantino hofft in der Council-Sitzung auch noch kurz vor dem Beginn des Kongresses auf eine geräuschlose Lösung mit Scala. Er spricht Scheich Ahmad al Sabah an, ob er als Unterhändler mithilft. Der Kuweiter ist einer der einflussreichsten Sportfunktionäre der Welt.

Infantino: „We speak again and try to find a solution.” (…) “Sheikh Ahmad you want to join as well, you are a good negociator.”

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