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Kommentar : Fenster schließen gegen Transfer-Irrsinn

Die Saison hat schon begonnen, doch erst jetzt wechselt Gylfi Sigurdsson von Swansea zu Everton – für 50 Millionen Euro. Bild: AFP

Der Transfermarkt im Fußball zeigt in diesem Sommer einige absurde Schauspiele. Umso verführerischer klingt eine Idee aus England. Doch die könnte ein schmerzhaftes Eigentor werden.

          Der Vorschlag klingt so zwingend logisch, dass er einen Haken haben muss, denn sonst wäre er ja schon längst mehr als eine Idee. In der englischen Premier League machen gerade Überlegungen die Runde, das Transferfenster künftig eine Woche vor dem Saisonstart zu schließen und nicht erst, wie in Europa üblich, am 31. August und damit gute drei Wochen nach dem Beginn der neuen Spielzeit in England.

          Nötig für diesen Beschluss wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit, und dem Vernehmen nach sind sich die englischen Klubs einig, dass sie künftig früher Sicherheit haben wollen, mit wem sie eigentlich in die Saison starten. Wer aber hätte schon gedacht, dass die vernünftigste Idee zum Thema Transferirrsinn ausgerechnet aus England kommt? Der dortige Fernsehvertrag hatte die Klubs doch zu Großeinkäufern gemacht, bei dem der Preis keine Rolle mehr zu spielen schien. Acht der bislang zehn teuersten Transfers in der Sommerpause haben Vereine der Premier League getätigt.

          Es ist eine verführerische Idee, dass von der kommenden Saison an zumindest eine Woche vor dem ersten Spiel endlich Ruhe einkehren könnte. Aber sie würde eben nur verlässlich einkehren, wenn sich alle europäischen Ligen auf dieses Datum einigen könnten – das Transferfenster in China schließt ja ohnehin früher – und es nicht nur zum Alleingang der Premier League käme. Der könnte nämlich zu einem schmerzhaften Eigentor werden, weil er nur Einkäufe der englischen Vereine unterbinden würde, aber nicht etwa Abgänge ins Ausland verhindern könnte.

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          Sollten sich die akuten Rückenbeschwerden des Liverpoolers Coutinho also plötzlich auflösen und der Brasilianer dem FC Barcelona, sagen wir mal, um irgendeine absurde Zahl zu nennen, 150 Millionen Euro wert wäre – dann könnte er nach der angestrebten britischen Lösung immer noch bis Ende August nach Spanien wechseln. Dann hätte der charismatische Klub von der Anfield Road zwar ein hübsches Sümmchen in der Kasse, müsste es aber erst einmal möglichst gewinnbringend anlegen. Denn ausgeben könnte es Liverpool erst einmal nicht mehr. Übertragen auf die Bundesliga, hielte sich derzeit die Begeisterung etwa bei Borussia Dortmund angesichts des anhaltenden Interesses an Dembélé und der Gerüchte um Aubameyang sicher in Grenzen, gäbe es diese Regelung hierzulande schon.

          Tieferen Sinn ergibt die ganze Idee nur, wenn sich alle Protagonisten in diesem Spiel an einen Tisch setzen und eine Lösung finden, selbst wenn dazu die Einigung auf einen gemeinsamen Starttermin des europäischen Ligabetriebs nötig wäre. Auf Dauer erscheint das unumgänglich, sollen sich die absurden Schauspiele dieses Sommers nicht wiederholen, die einen – derzeit noch geringen – Teil des Publikums schon jetzt abstoßen. Solidarität unter den Klubs darf man aber erst erwarten, wenn die Liebe vieler Fans zu erkalten droht.

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