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Kommentar zum DFB-Pokal Rummenigges Wahrnehmungsfehler

Nach der Roten Karte gegen Frank Ribéry fordert Karl-Heinz Rummenige die Anwendung der „Lex Dortmund“ Es gehört einiges an Chuzpe dazu, das Verhalten des Franzosen mit dem von Schmelzer in Verbindung zu setzen.

© dpa Vergrößern Der Platzverweis? „Vertretbar“, sagt Bayern-Trainer Jupp Heynckes

Stellen wir doch die Stellungnahme des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gleich vorneweg: „Im Normalfall zieht ein Feldverweis eines Spielers generell eine automatische Sperre von mindestens einem Spiel nach sich. Einzige Ausnahme: wenn der Feldverweis eindeutig und zweifelsfrei auf einem offensichtlichen Irrtum des Schiedsrichters beruht“, hatte der DFB in seiner Begründung verlauten lassen, warum der Dortmunder Marcel Schmelzer neulich trotz eines Platzverweises in der Partie gegen den VfL Wolfsburg nicht gesperrt worden war.

Das wäre allerdings auch noch schöner gewesen und hätte jedem Rechtsempfinden Hohn gesprochen, wenn der Nationalspieler auch noch zusätzlich bestraft worden wäre, obwohl er doch nachweislich nichts regelwidriges getan hatte. Schiedsrichter Wolfgang Stark hatte fälschlicherweise ein Handspiel auf der Torlinie gesehen und nach Betrachtung der Fernsehbilder gleich noch einen neuen Begriff in der Fußballsprache geschaffen: den „Wahrnehmungsfehler“.

Äpfel und Birnen

Aber man hätte sich das ja denken können, dass es nicht lange dauern würde, bis sich jemand auf diesen Fall „Schmelzer vs. Stark“ berufen würde. „Ich erwarte, dass man beim DFB einsieht - entsprechend wie es die Lex Dortmund gegeben hat - einsieht, dass es keine Rote Karte war“, sagte nämlich Karl-Heinz Rummenigge nach dem Platzverweis für den Franzosen Franck Ribéry beim 2:0-Sieg im Pokal-Achtelfinale beim FC Augsburg.

Vereinsbrillen haben zwar immer den Nachteil, über eine beachtliche Stärke zu verfügen, die als Nebenwirkung gerne für eine Trübung der Urteilskraft sorgen, aber der Verdacht liegt nahe, dass sogar einige Bayern-Sympathisanten bei diesem neuerlichen Wahrnehmungsfehler zusammenzuckten. Viel eher könnte man Äpfel und Birnen einem gemeinsamen Geschmackstest unterziehen, als diese beiden Szenen in eine Schublade zu werfen. Ribéry, von Koo provoziert, hatte dem Koreaner ins Gesicht gelangt; Schmelzer hatte gar nichts gemacht - es gehört also einiges an Chuzpe dazu, das überhaupt miteinander in Verbindung und dann auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Den Bayern aber tut es gut, einen in ihren Reihen zu haben, der ganz souverän mit all der Aufregung um ihn herum umgeht: Der Platzverweis? „Vertretbar“, sagte Trainer Heynckes. Das muss er jetzt nur noch seinem Vorstandsvorsitzenden erklären, dann ist alles wieder gut.

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Quelle: F.A.Z.

 
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