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Kommentar zum DFB-Pokal Pannentour durch die Provinz

11.09.2006 ·  Der FC Bayern mit großen Problemen, Werder Bremen und der Hamburger SV ausgeschieden. In der ersten Runde des DFB-Pokals trumpfte so mancher Regionalligist gegen einen vermeintlich „Großen“ auf. Ein Kommentar von Ronald Zorn.

Von Von Roland Zorn
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Von der Rolle waren die ganz Großen des Fußballs: Werder Bremen, ausgeschieden in Pirmasens; der Hamburger SV, eingeknickt bei den Stuttgarter Kickers; Bayern München, noch einmal davongekommen beim FC St. Pauli. Aus der Rolle fielen sie indes bei der kleinsten Nummer dieser ersten Runde im DFB-Vereinspokal. Nicht, daß die zweite Mannschaft von Hansa Rostock mit dem 1:9 gegen Schalke 04 die höchste Niederlage des Wochenendes - San Marino war so nah - in Kauf nehmen mußte, war die Peinlichkeit.

Vielmehr wurden eine Handvoll Anhänger des Klubs an der Ostsee mit widerlichem rassistischem Geschrei gegen Gerald Asamoah, den deutschen Nationalspieler ghanaischer Herkunft, zum Ärgernis des ersten nationalen Pokalspieltags der neuen Saison.

Rhythmusstörungen

Daß in diesem Spieljahr noch vieles arg frisch und nicht in der bewährten Form ist, sah man den drei Klubs an, die von dieser Woche an Deutschland in der Champions League würdig vertreten sollen. Der HSV hat seine Stotterstartphase in der Bundesliga mit der Fehlzündung von Stuttgart verlängert; Bremen ist nach erstklassigem Beginn in den Punktspielen kurzzeitig ins Schleudern geraten; und die Bayern mogeln sich auch mit Mark van Bommel weiter so durch. Dennoch gibt es auch Erklärungen für die Pannentour der Hautevolée bei den Reisen durch die Fußballprovinz. Rhythmusstörungen lautet das Stichwort für den Klassenkrampf der Besten.

Kommentar zum DFB-Pokal: Pannentour durch die Provinz

Schließlich sehnen sich die Trainer Thomas Schaaf und Felix Magath seit Wochen nach Tagen, an denen sie mit ihrem kompletten Kader an der systematischen Verbesserung der eigenen Qualität arbeiten können. Der Hamburger Kollege Thomas Doll wiederum braucht noch Zeit für den Aufbau seiner neuen Mannschaft. Allgemein gilt: Die Folgen eines WM-Jahrs machen vor den Besten der Zunft in diesem Spätsommer nicht halt, weil viele Nationalspieler nach dem Urlaub erst verspätet zu ihren Klub-Mannschaften zurückkehrten. Da dem Pokal-Aufgalopp auch noch eine zweiwöchige Spielpause der Ligaklubs, gefüllt mit Europameisterschafts-Qualifikationsbegegnungen, vorausging, schlugen die aktuellen Synchronisierungsbemühungen der Bundesliga-Trainer fürs erste fehl.

Der große Preis der Bundesliga

Dazu vergißt das Publikum gern, daß sich in der zweiten Liga und der Regionalliga viele gutausgebildete Profis tummeln, die den Sprung in die Bundesliga nur knapp verpaßt haben oder auf dem Weg dorthin sind. Diese Klassen sind dazu ungestört von WM-Nachwirkungen und Länderspielabstellungen in die Saison aufgebrochen und deshalb auch längst in dem Rhythmus, den ein Teil der Erstligavereine noch sucht. Die widrigen Umstände beim Vorantasten zu einem standesgemäß hohen Niveau mag man beklagen wie Schaaf und Bayern-Manager Uli Hoeneß, doch die Verhältnisse sind angesichts des gedrängten Terminkalenders nun einmal in WM- oder EM-Jahren wie sie sind. Am Pokalwochenende ist vom HSV und von Werder so etwas wie der große Preis der Bundesliga bezahlt worden. Schön für die kleinen Profiteure und den zeitlosen Reiz des Pokalwettbewerbs.

DFB-Pokal: Die erste Runde im Überblick

SV Sandhausen - SpVgg Greuther Fürth 0:2 (0:1)
VfL Osnabrück - Eintracht Braunschweig 3:1 (0:0)
FC Magdeburg - Paderborn 1:1 (1:1, 0:0) n.V., 6:7 i.E.
SC Westfalia Herne - Erzgebirge Aue 1:2 (0:0)
SpVgg Bayreuth - Kickers Offenbach 0:2 (0:2)
Tennis Borussia Berlin - Karlsruher SC 1:3 (0:2)
Dynamo Dresden - Hannover 96 2:3 (0:2)
Delbrücker SC - SC Freiburg 2:4 (0:1)
Hansa Rostock II - FC Schalke 04 1:9 (0:5)
TSG Thannhausen - Borussia Dortmund 0:3 (0:3)
FK Pirmasens - W. Bremen 1:1 (1:1, 0:0) n.V., 4:2 i.E.
BV Cloppenburg - 1. FC Nürnberg 0:1 (0:0)
1. FC Gera 03 - 1. FC Kaiserslautern 0:2 (0:1)
Rot-Weiss Essen - Energie Cottbus 1:0 (0:0)
Stuttgarter Kickers - Hamburger SV 4:3 (3:3, 2:3) n.V.
TuS Koblenz - Leverkusen 2:2 (1:1, 0:0) n.V., 1:3 i.E.
FC Augsburg - Wacker Burghausen 3:4 (3:3, 0:1) n.V.
Alemannia Aachen II - VfB Stuttgart 0:4 (0:1)
Sportfreunde Siegen - Eintracht Frankfurt 0:2 (0:1)
FC 08 Homburg - VfL Bochum 1:2 (0:1)
FC St. Pauli - Bayern München 1:2 (1:1, 1:0) n.V.
SSVg. Velbert - SpVgg Unterhaching 0:3 (0:1)
SV Rossbach - Borussia Mönchengladbach 1:4 (0:3)
Rot-Weiß Ahlen - MSV Duisburg 1:2 (1:1)
SV Babelsberg 03 - Hansa Rostock 2:1 (1:0)
Carl Zeiss Jena - 1. FC Köln 1:2 (0:2)
VfB Lübeck - TSV 1860 München 1:0 (1:0)
FC Bremerhaven - VfL Wolfsburg 1:3 (1:1)
1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 1:0 (1:0)
Chemnitzer FC - Alemannia Aachen 0:2 (1:0)
SV Darmstadt 98 - Hertha BSC Berlin 0:1 (0:0) n.V.
SC Pfullendorf - Arminia Bielefeld 2:1 (0:0)

Quelle: F.A.Z., 11.09.2006, Nr. 211 / Seite 30
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