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Daums Wutrede : Endlich mal wieder großer Sport

„Es ist immer das Gleiche! Seit Monaten höre ich, dass ich zurücktreten soll!“: Trainer Christoph Daum. Bild: EPA

Die Erfahrung zeigt, dass Wutreden wie von Christoph Daum zwar möglicherweise das Leben verlängern, aber nicht die Karriere. Wie man die Sache ohne Verlust der Contenance regelt, zeigte ein Österreicher.

          Die Wutrede als künstlerische Ausdrucksform ist ein wenig inflationär geworden. Allein in den letzten zwei Spielzeiten der beiden Bundesligen sind solche Auftritte, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, den Fußballtrainern Tuchel, Streich, Dardai, Frings, Verbeek und Lienen bescheinigt worden. Dabei reichte keine ihrer Darbietungen nur annähernd an die großen Monologe von Trapattoni 1997 (Flasche leer) oder Völler 2003 (Weißbierflasche leer) heran. Ja, nicht mal an die von Doll 2008 („Lache ich mir doch den Arsch ab“) oder Labbadia 2012 („Trainer sind keine Mülleimer“). 99,9 Prozent aller öffentlichen Trainerworte kommen mittlerweile so vorhersehbar daher, dass das Zehntelprozent, bei denen Puls und Dezibel minimal steigen, gleich als „Wutrede“ durchs Netz gejagt wird.

          Da ist es gut, dass endlich mal wieder eine Wutrede ihren Namen verdient. Wie Christoph Daum am Dienstag in Bukarest zwei Minuten lang mit aufgerissenen Augen in schrillem Englisch lospoltert – großer Sport. „Es ist immer das Gleiche! Seit Monaten höre ich, dass ich zurücktreten soll!“, erwiderte er auf die Frage, ob er als rumänischer Nationaltrainer zurücktrete. „Sagen Sie mir einen Grund, gemessen an dem, was wir erreicht haben und was wir in Zukunft vorhaben, warum ich jetzt aufhören sollte? Nur weil die Resultate nicht stimmen?“

          Na ja, das wäre ja zumindest eine mögliche Begründung. Daums Bilanz in der WM-Qualifikation: Sechs Spiele, ein Sieg, kaum noch eine Chance auf die WM. Und wohl auch kaum noch eine, als der rumänische Patriot wahrgenommen zu werden, den Daum in sich sieht. „Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin rumänischer als Sie“, rief er den rumänischen Journalisten entgegen. „Ich identifiziere mich mehr mit diesem Land und den Menschen als Sie.“

          Später erklärte er den Auftritt so: „Das musste mal raus“. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass Wutreden zwar möglicherweise das Leben verlängern, aber nicht die Karriere. Trapattoni blieben danach nur noch zwei Monate als Bayern-Trainer, Völler neun als Bundestrainer. Wie man die Sache ohne Verlust der Contenance regelt, machte der Österreicher Josef Hickersberger 1990 vor, als er nach der peinlichsten aller Niederlagen, dem 0:1 gegen die Färöer und einen Torwart mit Pudelmütze, auf die Reporterfrage, die Daum auf die Palme brachte: „Wollen Sie zurücktreten?“, höflich antwortete: „Das würde ich gern tun.“ Der Wunsch erfüllte sich, ganz ohne Wutrede.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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