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Kommentar Wolken über Beckenbauer-Land

16.07.2005 ·  In die offizielle politische Vorfreude auf die WM 2006 mischt sich Verstimmung. Die Sponsoren bemängeln die Zusammenarbeit mit der Fifa. In Bayern prüft der Rechnungshof das Mißmanagement der Organisatoren.

Von Jörg Hahn
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Vierzig- bis fünfzigtausend zusätzliche Arbeitsplätze, Auftrieb für das Bruttoinlandsprodukt von bis zu einem Prozent, wirtschaftliche Aufhellung und gesellschaftliche Ermutigung - der Fußball soll im kommenden Jahr eine Kraft weit über den Sport im engeren Sinne hinaus entwickeln. Das wird jederzeit und allerorten herausgestellt, von Wirtschaftsminister Clement in der Bundespressekonferenz ebenso wie von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg oder wie jüngst von Kanzler Schröder bei der Eröffnung einer Ausstellung zu Fußball und Zeitgeschichte im Bundeskanzleramt. Es läuft praktisch alles wie von selbst, suggerieren diese Aussagen zur Fußball-WM 2006.

Dagegen stehen zum Beispiel Klagen von Unternehmern, die nach dem Konföderationen-Pokal, dem WM-Testlauf, Kassensturz gemacht und keinerlei positive Effekte festgestellt haben, eher im Gegenteil.

Schwieriges WM-Business!

Aus leidvoller Erfahrung warnen sie nun vor überzogenen Erwartungen. Auffällig kontrastieren auch andere Branchenberichte zur offiziellen politischen Vorfreude; zwischen Sponsoren und dem Internationalen Fußball-Verband (Fifa) herrsche Verstimmung. Die Wirtschaft bemängele die Zusammenarbeit mit der Fifa, allerdings nur hinter vorgehaltener Hand - denn die Sponsoren wollten es nicht riskieren, ihre Offenheit mit dem Verlust des WM-Siegels büßen zu müssen. Teilweise müßten die Unternehmen Kopfstände machen, um die Fifa-Auflagen erfüllen zu können. Etwa der Reifenhersteller Continental: Nach Informationen von "Horizont Sport Business" hätte Continental seine Reifen nur in Verbindung mit Fahrzeugen von Hyundai, einem anderen Fifa-Partner, in der Werbung zeigen dürfen. Continental, vielen anderen Herstellern verbunden, verfiel auf die List, eines seiner runden Produkte als stilisiertes Stadion abzubilden, um den Fifa-Restriktionen zu entkommen.

Schwieriges WM-Business! Diesen Stoßseufzer dürfte in dieser Woche auch im Beckenbauer-Stammland so mancher ausgestoßen haben. Im Freistaat Bayern, dessen Ministerpräsident Edmund Stoiber sich neulich noch diebisch gefreut hat, daß Otto Schily die WM ja nicht mehr als Sportminister erleben werde, läuft derzeit vieles schief, was die Arbeitsgruppe mit dem sperrigen Namen "WM-Task-Force" angefaßt hat. Untersuchungen des Bayrischen Obersten Rechnungshofs, die Ablösung des Chefs der Arbeitsgruppe, die Absage von prestigeträchtigen Großprojekten, dies paßt nicht ins Bild von heiteren Spielen mit volkswirtschaftlichem Mehrwert. Blieben die bayerischen Planungspannen ein regionales Problem, wäre es schon beschämend genug. In München entsteht schließlich das große Medienzentrum, dort findet das Eröffnungsspiel statt. Die Welt zu Gast bei Freunden, heißt das WM-Motto. Im Moment sind einige dieser Freunde noch reichlich chaotisch und unorganisiert. Das gefährdet den Gesamterfolg - und dabei geht es ja nicht bloß um das Abschneiden der Mannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

Quelle: F.A.Z., 16.07.2005, Nr. 163 / Seite 27
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