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Kommentar Vorsicht, Ansteckungsgefahr!

28.10.2009 ·  Anders als in der Bundesliga, wo bisher kein Fall von Schweinegrippe nachgewiesen wurde, gibt es in der englischen Premier League mindestens sieben infizierte Profis. Während Trainer auf Hausmittel schwören, sehen die Gesundheitsbehörden eine Chance, den Sittenverfall zu bekämpfen.

Von Christian Eichler
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Fußball ist ein Ausscheidungsspiel. Er bringt die Körpersäfte in Wallung. Was nicht immer schön anzuschauen ist. Schweiß findet allein den Weg aus dem Kicker-Körper. Mund- und Nasenschleim aber bedürfen der aktiven Entsorgung, oral oder nasal. So spucken Spieler vor Millionen Augen fröhlich auf den Rasen. Ein Mentaltrainer sah darin die „symbolische Befreiung von Blockaden“. Es ist der vielleicht letzte proletarische Akt, den hochbezahlte Angestellte am Ball noch völlig ungehemmt an den Tag legen.

Nun bedroht die Schweinegrippe das Rotzritual. Spucken erhöhe die Ansteckungsgefahr, warnt die britische Gesundheitsbehörde. Es sei „abstoßend, unhygienisch und ungesund, besonders wenn es in der Nähe anderer geschieht.“ Fußballprofis sollten das unterlassen, als Vorbild für jene jungen Leute, „die sie vergöttern“.

Anders als in der Bundesliga, wo bisher kein Fall von Schweinegrippe nachgewiesen wurde und die meisten Klubs einer Impfung noch ablehnend oder abwartend gegenüberstehen, gibt es in der englischen Premier League mindestens sieben infizierte Profis: drei in Blackburn, vier in Bolton. Beide Klubs sind in diesen Tagen Gegner von Tabellenführer Chelsea. Dessen Trainer Carlo Ancelotti will von Spielabsagen aber nichts wissen: „Die Grippe ist nicht nur auf dem Platz, sie ist überall.“

Hoffnung auf bessere Umgangsformen

Er schwört auf ein italienisches Hausmittel seiner Großmutter: „Heiße Milch“; gern auch Rotwein. Auch Kollege Mark Hughes von Manchester City sieht kein Problem: Die Profis seien so fit und gesund, dass sie eine Infektion in wenigen Tagen überwinden sollten.

Mediziner allerdings warnen, dass nach körperlichen Höchstleistungen das Immunsystem für Stunden geschwächt sei. Vielleicht etwa schon beim Handschlag mit dem Gegner nach Schlusspfiff? Der schwedische Verband hat das Händeschütteln auf dem Platz präventiv untersagt. In einem Sport, in dem man in Dutzenden Zweikämpfen in dichtesten Körperkontakt kommt, klingt das Handschüttelverbot ebenso albern wie das Hausmittel Ancelottis.

Beide sind Zeichen dafür, dass der Sport zwischen Übertreibung und Verharmlosung der Gefahr auch noch nicht mehr Durchblick hat als der Rest der Welt. Vielleicht bringt die Seuche aber als Kollateralnutzen einen Fortschritt für die Umgangsformen, und das wäre doch schon mal was: speifreier Fußball.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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