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Kommentar Vergangenheit

10.03.2004 ·  Die Wildmoser-Zeiten beim TSV München 1860 sind vorbei. Nun braucht der Klub dringend einen neuen, demokratischen vorsitzenden, um den „Löwen“ aus ihrer Verunsicherung zu helfen.

Von Roland Zorn
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Der alte König der "Löwen" ist gefangen im "Käfig". Die Zeiten, da der im Augenblick noch inhaftierte Karl-Heinz Wildmoser freihändig entscheiden konnte, wohin der Weg des TSV München 1860 führen sollte, sind aber sowieso vorbei. Zu schwer wiegen die Korruptionsvorwürfe gegen den ersten Mann des zweiten Münchner Fußball-Bundesligaklubs und dessen noch stärker belasteten Filius Karl-Heinz. Wildmoser junior sollte einmal den Herrn Papa bei den "Löwen" von Giesing beerben - auch seine Zukunft ist Vergangenheit. Gleich, wie am Ende die Justiz über die Wildmosers urteilt, der Schaden, der ihrem Verein jetzt schon erwachsen ist, kann von den beiden nicht mehr gutgemacht werden.

Der TSV 1860, seit Jahren von Wildmoser senior wie von einem Duodezfürsten beherrscht, wird seine Zeit brauchen, sich aus den alten Abhängigkeiten und Verstrickungen zu lösen. Um so wichtiger wäre es, wenn sich eine integre Persönlichkeit von anerkanntem Rang rasch bereit fände, die Nachfolge der autoritären Wildmoser-Regentschaft anzutreten. Hans Zehetmair, der frühere bayrische Wissenschaftsminister, wäre sicher eine Ideallösung, den "Löwen" aus ihrer momentanen Verunsicherung zu helfen. Nichts täte diesem Klub derzeit wohler als ein für jedermann sichtbares Zeichen der Wende weg von den Wildmosers, die unter dem dringenden Verdacht stehen, Schmiergelder in Millionenhöhe beim Bau der Allianz Arena kassiert zu haben.

Nicht allein die "Löwen" sind um einen neuen, demokratischen Vorsitzenden verlegen. Auch der große Nachbar wird darauf dringen, daß der TSV München 1860 seine Führungsämter rasch neu besetzt und seine Führungsstrukturen modernisiert. Schließlich ist der FC Bayern in der Münchner Stadion GmbH auf eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Giesing angewiesen. Was die Wildmosers dem gemeinsamen Stadionprojekt unter dem Primärgesichtspunkt der Glaubwürdigkeit möglicherweise angetan haben, ist derart gravierend, daß nicht nur Bundesinnenminister Otto Schily von "schockierenden Korruptionsvorwürfen" spricht.

Schließlich ist da noch die WM-Baustelle Deutschland, auf die ab sofort genauer und vielleicht auch skeptischer als zuvor geschaut wird. Ein Skandal, der sich um strafbare Tatbestände wie Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung dreht, schadet auch dem Ausrichter der Weltmeisterschaft 2006. Mag sich die strafrechtliche Aufarbeitung dieser Münchner G'schichte letztlich allein um die Wildmosers und deren mitverdächtige Freunde drehen, so strahlt die Affäre aus dem deutschen Süden doch auf das ganze Sportland Deutschland aus. Wehret den Anfängen? Schön wär's gewesen. Pfusch am WM-Bau aber wie jetzt in der bayerischen Landeshauptstadt darf es nicht noch einmal geben. Sonst kracht am Ende mehr zusammen als die Vereinsherrschaft eines vielleicht allzu geldhungrigen Münchner "Löwen".

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. 03. 2004, Nr. 60 / Seite 37
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