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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Tonstörung

 ·  Von Roland Zorn

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Alle mal zuhören: Das Finale um die deutsche Fußballmeisterschaft wird demnächst live und exklusiv nur im Radio übertragen. Rudi Assauer, ein Schalker Scherzbold, hat seine eigene Wellenlänge gefunden, auf das Sendungsbedürfnis seines Leverkusener Kollegen Wolfgang Holzhäuser zu antworten. Der hat nicht zum ersten Mal seine Antennen ausgefahren, um auf die veränderte Marktsituation des Fußballs im Fernsehwettstreit mit anderen Sportarten Antworten zu finden. Endspiele, Relegationsspiele, Play-off-Begegnungen, also die Kreierung von mehr Hopp-oder-Topduellen, scheinen dem kaufmännischen Geschäftsführer des Bundesligaklubs Bayer Leverkusen die geeigneten Formate zur Verlängerung der Wertschöpfungsketten des Fußballs.

Seine bedenkenswerten Ideen ventilierte der Hesse seit seiner Zeit als Ligasekretär des Deutschen Fußball-Bundes, doch damals wurden seine Reformpakete noch großzügig übersehen. Heute nicht mehr, da Holzhäuser längst als ein Mann mit höheren Ambitionen gilt. Die sich jetzt prompt zu Wort melden, um einen diskutablen Vorschlag zu diskreditieren, haben zur Sache auch die Person im Auge. Die Münchner Bayern vor allem, mit Abstand die führende Kraft im deutschen Fußball. Wer aus der Führungsriege des deutschen Meisters heute über Holzhäuser redet, geht wie selbstverständlich auf Abstand zu dem Mann, der noch immer als erster Kandidat auf die Nachfolge des angeblich amtsmüden Wilfried Straub an der Spitze der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) gilt. Die Bayern, glühend bewundert von Millionen Fans, sind nicht nur Meister im grünen Stadionbereich, sondern auch hinter den Kulissen des ganz alltäglichen Fußballtheaters. Sie beherrschen, heißen sie nun Karl-Heinz Rummenigge oder Uli Hoeneß, die Kunst der mal ironisch-leisen, mal konfrontativ-lauten Gegenrede derart gut, daß sie jederzeit die Oberhoheit über dem Fußball-Stammtisch Deutschland erobern können. Holzhäuser und die DFL-Spitze haben die Bayern zuletzt im großen Streit um den Münchner "Geheimvertrag" mit der Kirch-Gruppe und die daraus zu folgernden Konsequenzen verärgert; nun schlagen die Münchner zurück. Wenn Rollenspielführer Rummenigge das Telefußball-Konzept Holzhäusers als "Buchhalter-Vorschlag" abqualifiziert, soll damit eigentlich gesagt werden, daß die Liga nichts weniger benötige als einen Theoretiker an ihrer Spitze.

Perfidie gehört in der Bundesliga als Stilmittel längst zum kollegialen Umgang; und die persönlichen Fouls beherrschen in aller Regel ehemalige Fußballstars besser denn Quereinsteiger wie der frühere Schwimmer und Handballspieler Holzhäuser. Was immer der Leverkusener derzeit über sein Arbeitsgebiet bei Bayer hinaus öffentlich sagen wird - und er sagt manchmal ein paar Sätze zu viel -, dürfte Polemik herausfordern. Der Mann, der sich am liebsten seiner Sache verschreibt, muß aufpassen: Er steckt mitten im Wahlkampf, ohne darauf vorbereitet gewesen zu sein.

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