Die Vorfreude auf das Finale der Champions League ist in Deutschland riesig. Die Konstellation kann ja auch besser nicht sein. Als Austragungsort des wichtigsten Spiels des Jahres im europäischen Vereinsfußball steht München lange fest. Dass es der FC Bayern ins Endspiel im eigenen Stadion geschafft hat, steigert aus deutscher Sicht die Bedeutung auf den maximalen Wert. Der Griff der prominentesten deutschen Mannschaft nach der größten europäischen Trophäe ist jedoch wenige Tage vor dem Endspiel von einem anderen Geschehen überlagert worden.
Es wird unter Fußballfreunden kaum mehr darüber diskutiert, ob es nach vielen Jahren erzwungener Bescheidenheit wieder an der Zeit sei, die Bundesliga als beste Liga der Welt zu feiern, nachdem die Bayern auf ihrem Weg ins Münchner Finale den neuen englischen Meister (Manchester City) und den neuen spanischen Meister (Real Madrid) besiegt und sich dabei noch nicht mal als die beste deutsche Mannschaft der Saison erwiesen hatten: In den beiden nationalen Wettbewerben, Meisterschaft und Pokal, wurden die Münchner von Borussia Dortmund überflügelt.
Stattdessen ist die Frage in den Vordergrund gerückt, wie der Fußball seine Peiniger und sein Publikum wieder in den Griff bekommen kann. Noch nie haben sich so viele den Autoritäten entzogen wie in dieser Saison. Die Überfälle der Hooligans auf Rastplätzen, ihre lebensgefährlichen Fahrmanöver auf Autobahnen waren besonders bedrückend. Aber diese Straftaten gefährden den Fußball nicht in seinem Innersten, weil sie von Kriminellen verübt werden, die den Sport als Rahmen oder als Anlass für Gewaltexzesse nehmen. Die allermeisten Delikte geschehen weitab der Stadien.
Bedenklicher sind die Aktionen eingefleischter Fans, die meinen, ihre Liebe zum Verein dürfe sich über den Rechtsstaat hinwegsetzen. Das beginnt mit dem Abbrennen gefährlicher Pyrotechnik und dem Zünden von Böllern; es setzt sich fort mit unflätigem Beschimpfen gegnerischer Anhänger, was dann manchmal in Handgreiflichkeiten übergeht. Das alles firmiert, ganz allgemein, unter Fankultur, manche Verblendete zählen auch noch Angriffe auf die Polizei dazu, wenn die Schlägereien zu verhindern sucht.
Die Aggressionen vieler Fans richten sich allerdings in immer stärkerem Maße auch gegen die „eigenen“ Spieler und die Vereinsführung. Misserfolge werden nicht mehr einfach hingenommen. In der vergangenen Spielzeit sind Spieler bedroht und beschimpft, die Abfahrt von Mannschaftsbussen blockiert, Funktionäre in einer Weise zur Rede gestellt worden, dass sie sich fürchteten. Barrieren gelten nicht mehr, schon gar nicht in Stadien. In Karlsruhe wurden Anfang der Woche mehr als siebzig Personen verletzt, als nach dem Abstieg des KSC aus der zweiten Liga Fans frustriert und verärgert den Platz stürmten und später Vermummte durch die Stadt zogen.
Einen Tag später ging in Düsseldorf das Chaos noch glimpflich ab für Leib und Leben aller Beteiligten, als Tausende Zuschauer vor lauter (Vor-)Freude über den vermeintlichen Aufstieg der Fortuna in die Bundesliga kurz vor dem Abpfiff auf das Spielfeld liefen. Diesmal gefährdeten nicht nur Randalierer die Sicherheit, sondern „normale“ Anhänger, darunter Väter mit Kindern, die bei den Aufstiegsfeiern einfach mittendrin dabei sein wollten. Dazu gehörte, dass ein Fortuna-Anhänger das Rasenstück mit dem Elfmeterpunkt herausriss - obwohl das Spiel noch nicht beendet war.
Die Angriffe, denen der Fußball in dieser Saison ausgesetzt war, wurden also von den verschiedensten Tätern in unterschiedlich schweren Ausformungen verübt. Eines ist allen gemein: die Respektlosigkeit gegenüber dem Sport, seinen handelnden Personen, der Obrigkeit und den Mitmenschen. Auf dem Weg, eigene Bedürfnisse zu befriedigen, werden von immer weniger Menschen Grenzen akzeptiert.
Wie kann der Trend umgekehrt werden? Am einfachsten ist es bei der Klientel möglich, die in Düsseldorf die Spielunterbrechung herbeiführte. Den Aufstieg der Fortuna für nichtig zu erklären und ein Wiederholungsspiel anzusetzen wäre ein wirkungsvoller Denkzettel für Fans, die gedankenlos die Sicherheit im Stadion gefährden. Angesichts der (potentiellen) Konsequenzen dürften die es sich in jedem Fall gut überlegen, das noch einmal zu tun.
Die Hooligans und Gewaltbereiten unter den Ultra-Fanbewegungen werden dagegen selbst Entscheidungen von großer Tragweite und gute Sozialarbeit nicht von ihren Taten abhalten. Nur die Abschreckung durch eine rigorose Strafverfolgung kann da eindämmend wirken. Ein weiterer Weg könnte sein, dass die Vereine die Geldstrafen, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für mangelnde Sicherheit in ihren Stadien gegen sie verhängt, bei ermittelten Tätern einklagen.
Der DFB und die Deutsche Fußball-Liga geben zu, dass alle bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen und dass ein neues Konzept mit Justiz und Polizei erstellt werden muss. Bis das greift, wird man mit dem Schatten, der auf dem Erfolgsmodell deutscher Profifußball liegt, leben müssen. In anderen europäischen Fußballländern sind die Zustände noch viel schlimmer. Aber das ist kein Trost.
Bitte konsequent bleiben
Norbert Metz (NMetz)
- 20.05.2012, 18:19 Uhr
Die Lösungen sind sehr einfach!
Andreas Hofmann (AndreasOliverHofmann)
- 19.05.2012, 20:04 Uhr
Fasche Antwort
Peter Morlock (PetMor)
- 19.05.2012, 18:42 Uhr