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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar In guter Gesellschaft

13.10.2005 ·  Es macht nur einen semantischen Unterschied, ob bei der Fußball-Nationalelf von Rückschlag, Tief oder Krise geredet wird. In den kommenden Wochen muß es Bundestrainer Klinsmann vor allem darum gehen, dem jungen Team wieder Selbstvertrauen zu vermitteln.

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An einem Abend, der kaum deutsche Sieger zurückließ, sah auch Oliver Kahn nicht wie ein Gewinner aus. Endlich hatte er mal wieder eine Begegnung ohne Gegentor erlebt und daran auch entscheidenden Anteil. Doch den Lohn dafür bekommt der 36 Jahre alte Torwart erst im nächsten Jahr - falls überhaupt.

In den vergangenen Tagen hatte er sich zwar nach eigenem Bekunden seiner verunsicherten jungen Abwehrspieler angenommen und darüber berichtet, wie wichtig es sei zu erleben, was sich in solchen Phasen in einer Mannschaft entwickle, wie die "Jungs ticken", wie man sie ansprechen müsse und wie sie während eines Spiels auf Pfiffe der Fans reagierten. Auf solche Erfahrungen wird Oliver Kahn nun jedoch fast ein halbes Jahr verzichten müssen. Die von Bundestrainer Klinsmann verordnete Torwartrotation will es so. Beim kommenden Länderspiel im November gegen Frankreich ist die Reihe beim allseits unbeliebten Wechselspiel wieder einmal an Jens Lehmann.

Erfahrene Spieler können nicht schaden

Kahn wird dann, wenn es die Witterung noch zuläßt, vielleicht wieder ein wenig Golf in München spielen. Die Diskussionen lassen sich jedenfalls schon jetzt wieder erahnen, nicht zuletzt, weil Kapitän Michael Ballack nach dem ersten Rückschlag im vergangenen Monat in der Slowakei die ständige Anwesenheit eines erfahrenen Profis wie Kahn dringend angeraten hatte. Tatsächlich wird es in den kommenden Monaten für den Bundestrainer vor allem darum gehen, der deutschen Mannschaft wieder Selbstvertrauen zu vermitteln. Erfahrene Spieler können da nicht schaden, wie auch die Begegnung gegen China zeigte. Kahn, Metzelder, Frings und Schneider waren diesmal die mental robustesten Spieler in einem Team, das ansonsten mehr mit sich selbst als dem Gegner zu kämpfen hatte.

Die beiden kommenden Begegnungen, im November in Paris gegen die Franzosen und im März in Italien, werden zu den wichtigsten Tests vor der Weltmeisterschaft. Danach werden die Deutschen weit besser wissen, wo sie vor ihrem Weltturnier stehen, als jetzt nach den unansehnlichen und gleichzeitig unangenehmen Begegnungen gegen die Slowakei (0:2), Südafrika (4:2), die Türkei (1:3) und China (1:0). Die Phase nach dem Confederations Cup ist mit dem dürftigen Auftritt von Hamburg abgeschlossen worden, das Fazit fällt ziemlich ernüchternd aus. Es macht nur noch einen semantischen Unterschied, ob von Rückschlag, Tief oder Krise geredet wird.

Innerlich neu finden

Die deutsche Mannschaft ist zuletzt regelmäßig weit unter ihren Möglichkeiten geblieben, beim Confederations Cup lag sie darüber. Das junge Team muß sich nun erst einmal innerlich neu finden, um den Herausforderungen gegen Frankreich und Italien gewachsen zu sein. Um zu wachsen, müssen diese ersten Adressen nicht nur für Angst und Schrecken sorgen - zumal bis auf die großen Nationen Brasilien, Argentinien und Holland keine Mannschaft dauerhaft in Übergröße vor den WM-Gastgebern zu stehen droht. Auch Frankreich oder England haben die Qualifikation nicht ohne Blessuren überstanden, von Europameister Griechenland ganz zu schweigen. Zumindest in dieser Hinsicht dürfen sich die an sich selbst zweifelnden Deutschen in guter Gesellschaft fühlen.

Quelle: F.A.Z. vom 14. Oktober 2005
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